Der demokratische Wahlkampf

Die Parteien und Kandidaten, die sich um die Macht im Staate bewerben, sind davon überzeugt, dass sie sich auf die Kunst des Regierens verstehen. Sie wollen die Macht des Staates zur Sache ihrer persönlichen Verantwortung machen, um mit ihren Entscheidungen den richtigen und erfolgreichen Umgang der öffentlichen Gewalt mit ihren Untertanen, den Bürgern, herbeizuführen. Insofern halten sie sich – Volksherrschaft hin, Demokratie her – schon für etwas Besonderes, nämlich zum Führen berufen. Ihre Qualifikation sehen sie darin, dass sie sich im Katalog der innen- und außenpolitischen Aufgaben auskennen. Wie selbstverständlich betrachten sie die überkommene Grundausstattung der Gesellschaft, vom Gewaltmonopol des Staates über das Produktionsverhältnis bis zu dessen Unterabteilungen mit Löhnen und Zinsen, Familie und Sozialversicherung, als Voraussetzungen, die der geschickten und gerechten Betreuung durch die Regierenden harren. Ihre Kompetenz legen sie sich so zurecht, dass sie sich ein Bescheidwissen zurechnen über den richtigen Umgang des Staates mit der Wirtschaft und dem Sozialen, der Umwelt und dem Wohnungsbau, Familie und Schule, Polizei und Militär, Außenhandel und Steuern. Dass diese Kompetenz die ständige Anmaßung einschließt, über die Bedürfnisse und Interessen des lieben Volkes zu richten, sie immer und überall nach übergeordneten Gesichtspunkten zuzurichten, ihnen das Maß ihrer Betätigung vorzuschreiben, macht den Akteuren der politischen Szene überhaupt nichts aus.

Aus dem Buch
2013 | 241 Seiten | 14,80 € | bestellen
Systematischer Katalog
Länder und Abkommen
Gliederung
Der Text ist nicht frei verfügbar.
Konkordanz

Aus GegenStanpunkt 1-94