Der aktuelle GegenStandpunkt

Am 18.09.2020 erschienen:

Allenthalben kapitalistische Normalität: Geschäft, Gewalt und jede Menge Moral

Im zweiten Quartal des Corona-Jahres 2020 war Die elende Sehnsucht nach ‚Normalität‘ der herrschende Tenor. Wie wenig die ‚normalen‘ = hier und weltweit alternativlos herrschenden wirtschaftlichen und politischen Zustände irgendeine Anhänglichkeit oder Sehnsucht verdienen, das zeigt nicht zuletzt der pandemische Ausnahmezustand selbst: Die öffentliche Debatte um die Frage „Wer oder was ist systemrelevant?“ angesichts Lockdown samt Ausnahmen, Sonderschichten samt eventuellen Extravergütungen plus gratis Wertschätzung für Pflegekräfte war zwar an verlogener Moral nicht zu überbieten. Aber alle wirklichen Schäden und die praktischen Maßnahmen der Obrigkeit machen umso deutlicher: ‚Relevant‘ oder nicht – das entscheidet sich an der Logik marktwirtschaftlicher Normalität. Und die ist nun mal eine der kapitalistischen Ausbeutung. Reichtumsvermehrung auf der einen, eine massenhafte, teils nützliche, teils bloß unnütze Armut auf der anderen Seite – daran ändert sich auch in Corona-Zeiten nichts.

Aus dem Buchprogramm

Peter Decker

Der kritische Geist in Feuilleton und Wissenschaft hat gefunden, wonach er suchte: astreine Bekenntnisse zur NS-Propaganda von Volk und Führer, Rasse und Opfertum, die den großen Denker Martin Heidegger als Faschisten entlarven. Die Praxis des deutschsprachigen Philosophiebetriebs, Heideggers politische Gesinnung „nicht als von seinem ureigenen Denken getragen“ anzusehen, war ihrer Unhaltbarkeit überführt – und doch wurde nur ein weiteres Mal die etablierte Trennung zwischen dem Geist von Heideggers Philosophie und seiner Affinität zum Faschismus fortgeschrieben: In Textstellen, die der Mann erfreulicherweise seinem Gesamtwerk zugeordnet hat, hat man entdeckt, dass er doch glatt „stets gesagt und geschrieben hat, was er wirklich dachte – er war wirklich Faschist“. Am faschistischen Geist einer Philosophie finden kritische Antifaschisten einfach nichts zu kritisieren: Was der Denker „wirklich“ denkt, offenbart sich für sie erst dort, wo er sich offen zum Faschismus bekennt. Dass einer aus philosophischer Drangsal Faschist wird, kommt für sie nicht in Betracht.

1988, 2020 | 84 Seiten | 10,00 € | bestellen