Trump reist nach Arabien und verkündet seine Vision:
Ich werde meinen Frieden über euch bringen – „Let’s make a deal!“

Trump reist in den mehrheitlich muslimischen Orient, und für die Millionen machtlosen und armen sowie die ausgesucht wenigen mächtigen und sehr, sehr reichen Bewohner dieser Gegend hat er eine frohe Botschaft parat: Er verkündet eine grundsätzlich neue Politik Amerikas in der und in Bezug auf die Region, die Friede und Freude und Wohlstand für alle bringen werde. Seit Trumps Wiederwahl steht die nunmehr amtliche Auffassung darüber fest, woran diese Weltregion krankt und was sie stattdessen braucht, was nämlich Amerika von ihr will und sich von nun an nimmt.

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Trump reist nach Arabien und verkündet seine Vision: 
Ich werde meinen Frieden über euch bringen – „Let’s make a deal!“ 

Anfang Mai hat Donald J. Trump Milliarden Christen die traurige Botschaft zu unterbreiten, dass er leider nicht als Kandidat für den vakant gewordenen Posten des katholischen Gottesstellvertreters auf Erden zur Verfügung steht, obwohl, wie er beteuert, er selbst „my number one choice“ für die Wahl im Vatikan wäre. Gleich danach, Mitte Mai, reist er in den mehrheitlich muslimischen Orient, und für die Millionen machtlosen und armen sowie die ausgesucht wenigen mächtigen und sehr, sehr reichen Bewohner dieser Gegend hat er eine bessere, ja geradezu eine Frohbotschaft quasi weihnachtlichen Formats parat: Er verkündet – wiederum unter mehrfacher Anrufung Gottes – eine grundsätzlich neue Politik Amerikas in der und in Bezug auf die Region, die Friede und Freude und Wohlstand für alle bringen werde. Dass er dafür den Friedensnobelpreis bekommen wird, steht zwar nicht fest, ist aber letztlich egal, denn er selbst verbreitet schon seit 2016 öffentlich seine Gewissheit, dass er ihn definitiv verdient. Damit ist die offizielle Verleihung zur bloßen Formalie herabgestuft, und ob diese Trophäe tatsächlich irgendwann die Gelegenheit bekommt, von Trump dadurch geehrt zu werden, dass er sie sich überreichen lässt, ist also unwichtig.

Im Unterschied dazu fürs wirkliche globale Geschehen, nämlich das von Kommerz und Krieg, entscheidend und schon jetzt praktisch wirksam ist sein während dieser Reise in der für ihn typischen Art – immer alles unmittelbar an sich als Person – präsentierter, gerade darin hinreichend deutlich werdender weltpolitischer Standpunkt: die seit seiner Wiederwahl nunmehr amtliche Auffassung darüber, woran diese Weltregion krankt und was sie stattdessen braucht, was nämlich Amerika von ihr will und sich von nun an nimmt. Das ist die Leitlinie seiner mit aller Macht seines mächtigen Amtes angegangenen Revision des amerikanischen Umgangs mit den mehr oder weniger bedeutenden Akteuren dieser Gegend, die er schon mehrfach hat dafür bedauern müssen, dass die ganze Lage dort so „miserable“ ist wie allgemein bekannt: geprägt von desaströsen zwischen- und innerstaatlichen Kriegen, Terrorismus und viel, viel Elend von Gaza bis Jemen. Das alles, verspricht er, wird sich, heißt: wird er nun grundsätzlich ändern. Denn er weiß nicht nur, woher der ganze unnötige Schlamassel dort kommt, sondern er weiß vor allem auch, was die nötigen Mittel und wer die passenden Ansprechpartner dafür sind, ihn auszuräumen.

In Bezug auf letztere ist an dieser Reise zunächst interessant, wohin sie Trump nicht führt: nach Israel und zu dessen Führer Benjamin Netanjahu, der – ausgestattet mit dem offiziellen Rang „my friend Bibi“ – immerhin zur Riege seiner zahlreichen Kumpel in den Kreisen auswärtiger Staatsführer zählt.

1. Trumps Stellung zu Israel und seinem Netanjahu: ein einzigartiger Alliierter, von dem sich das neue Amerika zu nichts mehr verpflichten lässt

Dabei ist es keineswegs so, dass Israel für die USA unter Trump eine geringere Rolle spielte als bisher. Vor allem durch seine beiden Hauptgewaltaffären sichert sich der kleine, aber potente Judenstaat einen prominenten Platz in der nahostpolitischen Agenda auch der neuen US-Präsidentschaft: durch seinen laufenden Vernichtungskrieg gegen den Gazastreifen sowie durch seinen Vor- und Quasikrieg gegen Iran.

Trump dringt auf die baldige Übergabe der Hamas-bereinigten Gaza-Immobilie durch Israel

Den Gazakrieg will Trump beendet sehen, wie man weiß: schnell und endgültig, mit Vorliebe ausgedrückt am Leid der Gazabewohner – „The way those people are treated in Gaza, there’s not a place in the world where people are treated so badly. It’s horrible“ –, das herauszustreichen er im Unterschied zu einigen seiner wertegeleiteten europäischen Kollegen noch nie irgendeine Hemmung hatte. Mit den auch für bisherige US-Präsidenten üblichen Floskeln der Art, dass eine wirkliche Garantie für einen endgültigen Frieden auf diesem Flecken Land nur dadurch zu haben sein werde, dass man den Palästinensern endlich die Gerechtigkeit eines Rechts auf einen eigenen Staat widerfahren lässt, fällt Trump gleichwohl nicht auf. Das halten manche für einen Widerspruch, andere für den Beweis dafür, dass er es dann doch nicht ernst meine mit seinem Friedensimperativ. Dabei passt für Trump beides naht- und widerspruchslos zusammen. Er blickt auf die Auseinandersetzung zwischen Israel und der Hamas streng unter der Fragestellung, was an ihr dazu geeignet sein könnte, dass sie sich für Amerika lohnt. Und in Bezug darauf findet er – nichts. Für die unversöhnliche Natur des Gegensatzes zweier Staatsgründungswillen interessiert er sich nicht bzw. eben nur in der Form der Konsequenz eines unendlichen Gewaltgeschehens, dessen Nützlichkeit er nicht entdecken kann.

Genau dieser Blick gibt ihm auch die Lösungsperspektive vor. Amerikas Rolle sieht er nicht als Sachwalter eines Friedensprozesses mit anschließendem Kompromiss zwischen den beiden sich kompromisslos gegenüberstehenden Ansprüchen auf politische Hoheit übers Heilige Land bzw. Teile von ihm – genau diese Rechtsansprüche gehen ihn ja gerade nichts an. Er will diesen Gegensatz nicht dadurch in den Griff bekommen, dass er ihn unter eine von Amerika gestiftete, von allen Beteiligten und allen anderen anerkannte Ordnung nötigt, mit der sich einerseits alle zur Koexistenz genötigten Seiten arrangieren müssen, in der sich dann aber andererseits auch alle einander feindselig gegenüberstehenden Staatsgründer in dem ihnen jeweils zugestandenen Maß politisch berechtigt, moralisch legitimiert sehen und ihre Ansprüche auf die Existenz als Souverän über Land und Leute vom Völkerrecht und seinen Instanzen garantiert wissen können.

Mit Dingen wie dem Völkerrecht und seinen Instanzen hat es Trump – auch – in Bezug auf den Nahen Osten nicht. Umgekehrt hält er das Prinzip, amerikanische Herrschaft über, amerikanischen Zugriff auf die Region per Amerikas Dienst an Rechten irgendwelcher Dritter zu organisieren und zu betreiben, für den entscheidenden Fehler bisheriger amerikanischer Nahost-Politik, der die Region in den Zustand versetzt und darin eingesperrt hat, den er so gänzlich unbrauchbar findet. Seine prinzipielle Revision besteht darin, ausschließlich das amerikanische Interesse an Beherrschung zwecks Benutzung zum Leitfaden seines Handelns in Bezug auf den unendlichen und unerfreulichen Dauerkonflikt zu machen – und gerade dieser gleichermaßen auf alle Akteure vor Ort angewandte Maßstab gibt ihm vor, welche entscheidenden Unterschiede zwischen ihnen er als kluger, nämlich stets im Interesse Amerikas handelnder Präsident in Rechnung zu stellen hat.

An dem traditionellen Alliierten Israel unter seinem Langzeit-Premier Netanjahu haben die USA unter Trump aus guten Gründen sehr viel Freude. Das Erste und Wichtigste, was den Präsidenten der Weltmacht und Oberbefehlshaber der größten Streitmacht auf dem Globus und in der Geschichte – „Nobody’s even close“ – beeindruckt, das ist der schiere Erfolg der Gewalt, den Israel im Umgang mit seinen Gegnern seit jeher und auch aktuell an den Tag legt. Und das ist nun ganz und gar keine persönliche Marotte Trumps, sondern trifft die Sache, um die es noch bei jeder Gewaltauseinandersetzung geht: Die wirklichen und die jeweils bemühten guten Gründe fürs militärische Draufschlagen sind stets nur so viel wert, wie letzteres überlegen zum Sieg führt und dem geschlagenen Gegner und allen anderen Mächten gewaltsam das Recht setzt, das stets das des Siegers ist. Trump befreit dieses Prinzip für sein Amerika von jeder praktischen Umständlichkeit eines Verhältnisses zwischen Amerikas einzigartiger Gewalt und einem angeblich noch darüber angesiedelten Völkerrecht, dem sie bloß dient; er verzichtet darum auf die üblichen, mit diesem imperialistischen Ordnungsprinzip einhergehenden moralischen Heucheleien – und er gesteht von der Warte des uneinholbar überlegenen Gewalthabers aus eben auch Netanjahus Israel zu, dass dieser Staat es genauso auch für sich hält. Die totale Überlegenheit Israels gegenüber den palästinensischen Gegnern qualifiziert Israels Führer dafür, von Trump überhaupt ernst genommen zu werden. Und insofern Trump die israelische Gewalt für Amerika als nützlich anerkennt, sind die Völkerfreundschaft zu diesem Staat und die Männerfreundschaft zu seinem Führer im Prinzip besiegelt. [1] Letztere Gleichung gilt umso mehr – und auch da hat Netanjahu das Nötige zu bieten –, je mehr der persönliche Wille von Trumps staatsmännischem Gegenüber tatsächlich und umstandslos die Politik des von ihm in welchem formellen Amt auch immer geführten Staates repräsentiert, weil bestimmt. Das für Trump in dieser Hinsicht so Erfreuliche am Staat Israel besteht darin, dass der Staatsmann Netanjahu auch in Bezug auf die Herrschaft über seine geliebten israelischen Bürger, deren Schutzpatron er ist, und beim demokratischen Machtkampf gegen seine politischen Konkurrenten das eine Entscheidende weiß und in die Tat umsetzt: dass es auch nach innen auf Erfolg, nämlich auf eindeutig überlegene Führung bzw. auf zweifelsfrei funktionierende Gefolgschaft ankommt.

Dafür nutzt Netanjahu alle Methoden, die auch in Israel die Demokratie als perfekte Form einer kapitalistisch funktionierenden, nach außen ehrgeizig imperialistischen Herrschaft zur Verfügung stellt. Und weil er keinen Moment dieses Verhältnis von herrschaftlichen Zwecken und demokratischen Methoden aus dem Blick verliert, ist er auch so flexibel, bis dato im Rahmen der demokratischen Staatsorganisation Israels festgeschriebene Instanzen und Verfahrensweisen für obsolet zu erklären, wenn sie zu den von ihm vertretenen Zwecken – deren oberster selbstverständlich darin besteht, die Freiheit der eigenen Macht zu sichern und auszubauen – nicht passen. Auch das macht ihn für Trump als Ansprechpartner für jeden von ihm anzubietenden Deal so geeignet, und nichts läge dem US-Präsidenten ferner, als seinem kleineren Counterpart in Israel – so wie es die Biden-Administration bekanntlich getan hat – mit Vorhaltungen in Bezug auf demokratische Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung zu kommen, um die Compliance in diesen Fragen zu einem Anhaltspunkt für die Botmäßigkeit gegenüber den USA zu machen. Von letzterer geht Trump einfach aus – das ist das Dritte, was ihm an Israel, so wie er es sieht, gefällt: Er veranschlagt die totale Abhängigkeit Israels von der Unterstützung der USA angesichts der andauernden und permanent eskalierten Gewaltauseinandersetzungen gerade in Bezug auf die desaströse Gewaltkampagne gegen den Gazastreifen als die entscheidende Garantie dafür, dass Israel mit seiner gewaltigen Ausstattung im Prinzip schon Amerikas Interessen im Auge behalten und voranbringen wird.

Die Kehrseite ist freilich, dass Trump Israel und die Allianz mit ihm ausschließlich an diesem Maßstab misst, auch in Bezug auf den Gazakrieg, den Israel im Verhältnis zum ganzen Rest der Staatenwelt und zuallererst im Verhältnis zu den USA als Kampf um seine Existenz in Szene setzt, der gerade den großen unverzichtbaren Alliierten zu unbedingter Parteinahme verpflichtet. Genau die ist von Trumps Amerika nicht mehr zu haben. Das heißt nicht, dass die USA ihre permanente, permanent notwendige Waffenhilfe für Israel aufkündigen oder auch nur praktisch einschränken, jedenfalls im Moment nicht; im Gegenteil: Alle, sowieso nicht kriegsentscheidenden, Einschränkungen von Rüstungslieferungen an Israel, die von der Biden-Administration verfügt worden sind, hebt Trump gleich nach Amtsantritt auf. Er kann schlicht nichts anfangen mit ihrer Tour, durch solche sehr dosierten Einschränkungen beim benötigten Nachschub die von ihr anerkannte und als solche gehandhabte Schutzpflicht für den israelischen Alliierten damit zu verknüpfen, ihm per Einmischung in die Methoden des ihm im Prinzip zugestandenen Vernichtungskriegs gegen die Hamas den Respekt vor übergeordneten amerikanischen Ordnungsansprüchen abzuringen. Für so etwas ist in Trumps Politik in zweierlei Hinsicht kein Platz: Weil er den Feldzug Israels gegen die Hamas nicht als das praktizierte, von allen Staaten anerkannte Recht zum Krieg im Zuge legitimer Selbstverteidigung nimmt, sondern schlicht als das Mittel zur ultimativen Beseitigung eines Gewaltgegners begreift, sind ihm die Fragen des Rechts beim Kriegführen auch herzlich egal, und er misst den Respekt, den Israel den USA schuldet, definitiv nicht an der Einhaltung oder Nichteinhaltung von Haager Landkriegsparagrafen. Umgekehrt hat Trump gar nicht die Not, eine diagnostizierte, an Kriegsrechtsfragen festgemachte Unbotmäßigkeit des kleineren israelischen gegenüber dem großen amerikanischen Partner zu der gleichwohl weiter anerkannten Schutzpflicht ins Verhältnis zu setzen, weil er letztere eben auch nicht mehr gelten lässt. Amerika hilft Israel bei diesem Krieg, weil und insofern es eine Deckungsgleichheit in dem Interesse der Bekämpfung der Hamas gibt, die Trump nicht zuletzt mit Blick auf deren Sponsor Iran ja seinerseits für den Abgang aus der Weltgeschichte vorgesehen hat. Nicht weniger, nicht mehr.

Und das schließt eben ein, dass Trump dabei endlich Vollzug gemeldet haben will, damit das Interesse Amerikas zum Zuge kommen kann, das die Hamas seiner Auffassung nach so gründlich stört, dass sie sich für die völlige Vernichtung qualifiziert hat. Das macht den Dissens zu Israel aus, dessen Krieg wegen der Eigenart seiner Kriegszwecke und -gründe auf unendlich gestellt ist. Der Furor eines keinesfalls vor der Zeit abzubrechenden Endkampfes ums eigene Überleben ist ja auf israelischer Seite nicht einfach die überschießende Moral, sondern das an den Palästinensern gnadenlos praktizierte Ethos eines Krieges, dessen imperialistische Dimension Israels Führer öffentlich selbst kenntlich macht, wenn er von der Perspektive einer kompletten Neugestaltung der Region durch diesen auf Gaza schon längst nicht mehr beschränkten Krieg spricht. [2]

Das passt ganz und gar nicht zu Trumps Ehrgeiz, die Region endlich ohne die Unkosten der von ihm als unnütz und sogar schädlich eingestuften Gewaltaffären in neuer Weise für Amerika zu erschließen. Gegenüber dem Alliierten Israel lehnt er alles ab, was auch nur danach aussieht, dass Israel Amerika in alte und neue Kriege hineinzieht, die es von sich aus anzettelt und für deren erfolgreiche Beendigung es dann auf Amerika angewiesen ist. Damit kündigt er ganz prinzipiell die Geschäftsgrundlage überlegener israelischer Gewaltentfaltung gegenüber allen Gegnern: dass Israel autonom Feindschaften eröffnet und exekutiert und auf diese Weise die USA mit Verweis auf seine Abhängigkeit von ihnen praktisch dazu nötigt, sich davon die eigenen Feindschaften in der Region vorgeben zu lassen, weil sie um der eigenen überlegenen Präsenz in der Region willen auf den Bestand und den Erfolg Israels angewiesen sind. So setzt Trump sich mit aller Überlegenheit Amerikas innerhalb dieser Allianz schlicht über den in diese eingebauten Widerspruch hinweg. Dass er ihn für Israel damit überhaupt nicht aus der Welt schafft, ist ihm egal, solange vorankommt, was er vorsieht; und er hat jedenfalls keine Hemmungen, diesem Staat mitten im laufenden Krieg und angesichts von dessen jüngster Eskalation durch Israel ein paar deutliche Absagen zu erteilen: Zum ersten Mal überhaupt haben Vertreter einer amerikanischen Administration mit der Hamas ohne Einbezug Israels und auch ohne vorhergehende Rücksprache Verhandlungen begonnen, um die letzte Geisel mit amerikanischer Staatsbürgerschaft von der Hamas freizubekommen. Und nachdem er schon auf seiner Orientreise Israel ausgespart hat – was in Israel aufmerksam zur Kenntnis genommen wurde –, cancelt sein Vize seinen angekündigten Trip nach Israel mit der Begründung, jeden Eindruck vermeiden zu wollen, Israel könne sich für die gegen den Willen Amerikas begonnene neue Offensive im Gazastreifen der Unterstützung Amerikas immer weiter sicher sein.

Und die Palästinenser?

Für die hat Trump einerseits viel Mitleid übrig; insbesondere bedauert er sie für den 7. Oktober 2023, dessen Folgen sie nun ausbaden und den es nie gegeben hätte, wenn er ... Eine schöne Perspektive hat er aber auch zu bieten: die einer Zukunft ohne Hamas, dafür mit ganz viel Immobilienboom. Auch darin bleibt Trump ganz bei sich.

Mit einem Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat kann er nichts anfangen – für Amerika. Und zwar vor allem deswegen, weil die überlegene israelische Militärgewalt seit Jahrzehnten darauf hinwirkt, einer Verwirklichung dieses Anspruchs jede praktische Grundlage zu entziehen. Die instrumentalistische Gleichung, dass sich Gewalt auch im Nahen Osten für Amerika lohnen muss, übersetzt sich daher für Trump umstandslos in den Realismus, dass sich der Einsatz amerikanischer Macht für ein von Israel zur Aussichtslosigkeit verurteiltes Staatsgründungsprojekt nicht lohnt; aus dem globalen Kataster der staatlichen Ansprechpartner für die Durchsetzung amerikanischer Interessen ist die Adresse ‚Palästina‘ damit auch offiziell gestrichen. Seinen Vorgängern hat Trump in diesem Zusammenhang den Vorwurf zu machen, dass sie amerikanische Macht jahrzehntelang dafür verschwendet haben, einen komplett unrealistischen Rechtsanspruch künstlich am Leben, dessen palästinensische Protagonisten damit in einer Schnapsidee befangen zu halten und die Masse der armen Palästinenser in einem, wie er schon während seiner ersten Amtszeit feststellte, „cycle of terrorism, poverty, and violence“ einzusperren. Das ist auch der Gehalt von Trumps Einordnung der Hamas als Terrorbande: Er erspart sich die gerade hierzulande ausgiebig gepflegte, moralisch sehr hochstehende Dummheit, die Gewalt der Hamas und deren Opfer für deren ganzen zweckfrei bösen Zweck zu erklären; er hat kein Problem damit, in den „atrocities of October 7th“ ein Mittel „für politische Zwecke“ zu entdecken, an denen er nur eines bedeutsam findet und verurteilt: die totale Aussichtslosigkeit ihrer Verwirklichung. Das kann er an der schönen Zukunft der Palästinenser ausdrücken, die ihnen die Hamas verwehrt, am liebsten aber in Form der Beteuerung, dass mit ihm als Präsidenten die total unterlegenen Terrorführer sich nie auf das Abenteuer eingelassen hätten, das sie nicht überleben werden. [3]

Diese Logik hat Trump einfach noch ein paar Schritte weitergedacht, und das hat ihm die wunderbare Idee eingegeben, dass die Lösung der israelisch-palästinensischen Gewaltfrage mit ihrer Ausnutzung durch Amerika am besten dadurch zur Deckung zu bringen sei, dass Amerika sich den territorial definierten Stein des Anstoßes nicht vermittelt über irgendwelche politischen Vorgaben für andere Akteure vor Ort, sondern unmittelbar und im Wortsinne aneignet: „We’ll own it.“ Und dass es sich die ökonomisch ruinierten, absehbarerweise für nichts brauchbaren und darum aller kapitalistischen Logik folgend ebenso absehbar auch nach Einkehr des großen Friedens mit keiner Lebensperspektive ausgestatteten Gaza-Palästinenser vom Hals und irgendwohin schafft, wo sie Platz haben und Mittel für „a much better future“ suchen und finden dürfen, für deren Bereitstellung Trump in aller Unverbindlichkeit ein paar befreundete Mächte vorsieht. Dass sein Plan in Israel auf begeisterte Zustimmung stößt, weil er damit das entscheidende Datum zumindest zur Disposition stellt, an dem sich bisher jeder Fortschritt der israelischen Einstaatenlösung fürs Heilige Land orientieren musste; dass er von denjenigen Israelis begeistert als bester Zionist aller Zeiten gefeiert wird, die nun Oberwasser bekommen mit ihrer Auffassung, ihr göttliches Recht aufs ganze Heilige Land habe am Jordan keinesfalls seine Ost-, in Galiläa keinesfalls seine Nordgrenze und schon gar nicht in seinem Südwesten eine Lücke; dass inzwischen Visionen von einem Großisrael kursieren, das Damaskus, den größten Teil Jordaniens und ein Zipfelchen Saudi-Arabien einschließt: das alles kann Trump egal sein – er weiß schließlich, worum es ihm geht und dass er seinen Gaza-Plan nicht als Hommage an den Zionismus Israels – egal in welcher Fassung – meint, dass er sich also auch in dieser Hinsicht von Israel zu nichts verpflichten und in nichts hineinschwatzen lassen wird. Entsprechend frei steht Trump zu seinem Plan: Er zieht ihn nicht zurück, nachdem sich herausstellt, dass sich keiner der von ihm angesprochenen arabischen Staaten für eine solche Lösung zur Verfügung stellt; er verpflichtet sich, also die Macht Amerikas aber auch nicht auf die Umsetzung dieses Plans mit der Perspektive, damit womöglich den nächsten großen Mehrfrontenkonflikt vom Zaun zu brechen; dafür ist ihm einfach zu wichtig, worum es ihm auch bei dieser Idee ging: die Freiheit Amerikas zur Verfolgung seiner Interessen an und in dieser Region. Daran haben sich alle zu gewöhnen, auch „my friend Bibi“ und sein Israel.

Was ebenfalls für den zweiten großen Posten im amerikanisch-israelischen Verhältnis gilt – die kriegsträchtige Gegnerschaft zur Islamischen Republik Iran.

Trump dringt auf die baldige Unterzeichnung des Kapitulations-Deals durch Iran

Dem Iran will Trump auf jeden Fall den ‚Griff zur Bombe‘ verwehren, das teilt er mit allen seinen Vorgängern im Amt des US-Präsidenten. Die haben immer schon in der Aussicht auf eine atomare Bewaffnung Irans eine nicht hinnehmbare Bedrohung der USA gesehen. Nicht im Sinne einer Verwundbarkeit ihres heiligen amerikanischen Landes durch iranische Nuklearwaffen, wohl aber im Sinne der Relativierung ihrer Bestimmungshoheit über die Souveränitäts- und Gewaltverhältnisse in der Region einschließlich der Freiheit Amerikas im Umgang mit diesem erklärten Gegner der globalen und regionalen Hegemonie Amerikas, der sich schließlich auch unterhalb der Nuklearschwelle in Form seines mit eigenen und verbündeten Kämpfern geführten, regional dimensionierten Abwehrkampfes gegen amerikanische Bevormundung störend bemerkbar macht. Dieser amerikanische Anspruch verbürgt eine sehr weitgehende Deckungsgleichheit mit dem Anspruch Israels, dass neben ihm keine zweite Atommacht in der Region existieren darf, schon gar nicht die schiitische Republik, die Israel mit seinen territorialen und darüber hinausreichenden Regionalmachtansprüchen als Inbegriff und Statthalter westlich-amerikanischer Unterdrückung indigener Völker bekämpft. Für beide Mächte ist Iran das letzte entscheidende Hindernis für das, was sie von der Region wollen. Darin liegt zugleich die entscheidende Differenz, aus der Trump keinen Hehl macht.

Er will Iran vor die Alternative zwingen, entweder einem Deal zuzustimmen, der ohne Abstriche seinen Bedarf nach einer Garantie einer auf alle Ewigkeit festgeschriebenen Verhinderung der atomaren Selbstbewaffnung Irans bedient, oder fest damit rechnen zu müssen, dass Trump alles kaputtschießen lässt, was seine Experten fürs Militärische als Bestandteil des bestehenden oder eines künftigen iranischen Atomprogramms identifizieren. Dabei lässt er keinen Zweifel über das Verhältnis beider Optionen: Er betont immer wieder, dass er die Zerstörungsdrohung so massiv und so glaubwürdig in die Welt setzt, um Amerika ihre Verwirklichung zu ersparen und Irans Führung mit der Doppelwaffe aus Sanktionen und Kriegsdrohung in den Verzicht auf sein Atomprogramm – bzw. die von ihm als nicht zu duldend definierten Teile davon – zu treiben. Dafür bezieht und beruft er sich auch auf den Kriegswillen Israels, das sich aus anderen Gründen an Iran und dessen nuklearen Potenzen stört als die USA.

Israel sieht sich also nun damit konfrontiert, dass Trump auch in dieser Frage alles ablehnt, was er als Versuch wahrnimmt, die USA für den Aufstieg Israels zur vom letzten wirklichen Rivalen befreiten regionalen Supermacht zu instrumentalisieren. Seine Intransigenz gilt – ausschließlich – dem iranischen Atomprogramm, soweit er darin den Versuch eines Zugriffs auf die Atomwaffe entdeckt, und der Strategie Irans, mit eigenen Waffen und mittels Verbündeter in der Region einen asymmetrischen militärischen Abwehrkampf gegen die Einschnürung durch die USA und die Bekämpfung durch Israel zu führen. Darüber hinausgehend sieht Trump die USA nicht mehr in der Pflicht, Israel einen strategischen Sieg über seine regionalen Rivalen oder auch nur den von Israel als notwendig definierten strategischen Abstand zu ihnen zu garantieren. Das gilt auch für das Verhältnis zu Iran. Israel muss zur Kenntnis nehmen, dass Trump Amerikas Feindschaft zu Iran siegreich beenden will, mit Betonung auf ‚siegreich‘ und auf ‚beenden‘. Dass Iran letztlich nichts anderes übrig bleiben wird, als klein beizugeben, dessen ist er sich in seiner Eigenschaft als Immobilienmogul schon mit Blick auf den Kontrast zwischen den Wolkenkratzern in Riad und Dubai und den seinen Informationen nach vom Einsturz bedrohten Häusern Teherans sicher. [4] Und in seiner Eigenschaft als Oberkommandierender der US-amerikanischen Dollar- und Militärmacht weiß er sich im Besitz aller Mittel, der widerspenstigen Teheraner Führung mit Sanktionen – „maximum pressure“ – und mit der permanenten israelischen Kriegsdrohung im Hintergrund, zu der sich Amerikas Kriegsmacht frei berechnend und für keinen anderen berechenbar stellt, nötigenfalls die Schäden zu bereiten, die sie unmöglich wollen kann. [5]

Die Mullahs müssen und sie werden kapieren, dass sich ihr Festhalten an ihrem Atomprogramm gegen Amerika für sie nicht lohnt, so viel Trump-Logik unterstellt Trump seinen letzten Gegnern. Ein Regime-Change ist daher seine Sache nicht. Die inneren Machtverhältnisse interessieren ihn auch bei Iran nur in dem Sinn, dass sie zu garantieren haben, dass seine Deals mit den Machthabern dort effektive Geltung haben und behalten. Wenn er den Mullahs programmatisch etwas vorzuwerfen hat, dann ist es das, was er als Verstoß dagegen wahrnimmt, was der Job jeder anständig volksfreundlichen Herrschaft ist: „Iran’s leaders have focused on stealing their people’s wealth to fund terror and bloodshed abroad.“ Pur ideologisch begründet das Geld von Volk und Nation dafür zu verbraten, ausländische Gesinnungsgenossen zu finanzieren, die einem gar keinen in Geld irgendwie nachzählbaren Nutzen einspielen, sondern nur Tod und Teufel veranstalten – was für ein volksschädlicher Stuss! Diese Einsicht verlangt Trump von den Mullahs, und er traut sie ihnen zu: Was sollten sie schon anderes wollen, als aus Iran ein, wie Trump sich Trump-mäßig ausdrückt, „wonderful, safe, great country“ zu machen?! Er meint es ernst, wenn er ihnen von Riad aus anbietet, die 45 Jahre alte Feindschaft zu seinen Konditionen – „they cannot have a nuclear weapon“ – zu begraben. Wie ernst, das zeigt sich in Bezug auf bzw. für Israel daran, dass Trump – wie schon bei der Hamas – auch bei seinen Verhandlungen mit Iran Israel allen Ernstes das Privileg kündigt, mitsprechen und israelische rote Linien ziehen zu dürfen.

So viel Nivellierung muss sich Israel gefallen lassen, was immer auch die praktischen Schlüsse sein werden, die seine Führung daraus noch zieht. Einstweilen darf sie dessen ansichtig werden, mit welchen Staaten und was für einer Sorte Führer Trump in dieser Weltgegend so dermaßen zufrieden ist, dass er bei den Deals mit ihnen zwecks gemeinsamer rosiger Zukunft Israel glatt links liegen lässt.

2. Trumps Stellung zum saudischen Königreich und seinem Prinzregenten: ein verlässlicher Partner, der weiß, will und hat, worauf es Amerika ankommt

Denselben paar Handlungsmaximen, die Trump gemäß seiner Neudefinition des sicherzustellenden Zusammenhangs von globaler amerikanischer Machtentfaltung und amerikanischem Nutzen im Verhältnis zu Israel praktiziert, folgt er auch in Bezug auf die reichen Ölstaaten am Golf. Der bekommt, lässt Trump durchblicken, vielleicht auch in der offiziellen US-amerikanischen Toponymie demnächst den Namen, den er bei Trumps neuen besten Freunden sowieso schon hat. In seinem gleichmacherisch auf die ganze Welt gerichteten Blick machen die nämlich zur Zeit so gut wie alles richtig, vor allem der saudische Prinz Mohammed bin Salman: Sie sind ganz von sich aus die perfekten Ansprechpartner für seine Vision vom Frieden.

Erstens verfügen sie über extrem viel davon, worum es Trump als Unternehmer und als Präsident aller Amerikaner geht: Reichtum in Dollarform. Mit ihnen kann man und sie lassen mit sich Geschäfte machen, Deals in wunderbaren, nämlich in Dollar ausgedrückt dreistelligen Milliarden-Größenordnungen: Sie bescheren Boeing den größten zivilen Geschäftsabschluss aller Zeiten, sie hauen dreistellige Milliardenbeträge als Einkäufer bei der amerikanischen Rüstungsindustrie raus usw. Während Trump den Rest der Welt mit einem Zollkrieg überziehen muss, um die verbrecherisch negativen Handelsbilanzen ins Positive zu drehen bzw. wenigstens einen angemessenen Tribut dafür einzustreichen, dass fälschlicherweise sich so nennende ‚Partner‘ und bekennende Rivalen sich am amerikanischen Dollarmarkt bereichern, beteiligen sich die arabischen Prinzen, Scheichs und Könige an der globalen Dollarökonomie vorbildlich in der Weise, wie Trump sich ihr Funktionieren überhaupt vorstellt: Das allermeiste ihres schönen Geldes, das sie auf dem Markt für fossile Energieträger einnehmen, verdienen sie nicht mehr an den USA, [6] sondern an anderen Ländern. Aber es sind nach wie vor amerikanische Dollars, die sie an denen verdienen, und damit tragen sie nicht zu knapp dazu bei, dass der Dollar die Welthandelswährung Nummer eins ist und absehbarerweise bleibt. [7] Und zu guter Letzt geben sie ganz viel von dem guten amerikanischen Geld dort aus, wohin es gehört, nämlich in den USA. So kann Donald Trump schon in dieser Hinsicht registrieren, dass die Petrodollarmonarchien heutzutage noch viel mehr richtig machen als zu Zeiten des sogenannten ‚Dollar-Recycling‘ seligen Angedenkens, als sie noch die meisten ihrer Dollars am amerikanischen Autofahrer verdient haben und man ihnen mit Schnellen Eingreiftruppen und anderen Maßnahmen extra beibringen musste, dass ihre Rolle als Tankstelle des amerikanisch-westlichen Kapitalismus sie dazu verpflichtet, sich in jeder denkbaren Hinsicht proamerikanisch aufzuführen.

Zweitens wissen im Unterschied zu manchmal islamisch, manchmal sozialistisch verirrten Chefs anderer Ölstaaten diese arabischen Führer und an deren Spitze wiederum Prinz MbS, wofür verdienter Dollarreichtum letztlich und überhaupt sinnvollerweise nur da, was nämlich „economic development properly used“ ist: um investiert zu werden, damit er sich vermehrt. Was Trump in seinen diversen, jede arabisch-islamische Sitte verletzenden überschwänglichen Lobhudeleien für den great guy MbS und sein wundervolles Land der Sache nach thematisiert, das sind die bisherigen Ergebnisse des speziellen Aufbruchsprogramms, das der Prinz seinem Reich verordnet und das in einer Hinsicht gar nichts Spezielles ist: Er hat, wie Trump ihm immer wieder neu bescheinigt, begriffen, dass es darauf ankommt, das mit Öl und Gas verdiente Geld dafür zu benutzen, aus dem ganzen Land eine einzige große Geldmaschine zu machen, eine Filiale der internationalen Dollarökonomie, die alles, was das Land sowieso schon zu bieten hat, und alles, was es sich neu beschafft, dem einen Zweck widmet: kapitalistischer Geldvermehrung. Und zwar gleich in der Form, das internationale Finanzkapital, das seinerseits in Dollarkredit besteht, dazu einzuladen, diesen Aufbruch zu finanzieren, indem es ihn zur Quelle seiner Bereicherung macht. Auch hier gilt jedoch, was bei Trump, nämlich für das System, dessen Vormacht er anführt, stets gilt: Die beste Bereicherungsabsicht – amtlich niedergelegt in der saudischen „Vision 2030“ – ist nur so viel wert wie ihr praktischer Erfolg. Den sieht er definitiv jetzt schon gegeben, obwohl es noch gar nicht 2030 ist. Als Fachmann für hohe Häuser macht er diesen Erfolg am Bauboom in Saudi-Arabien fest; als Schutzpatron und Retter des amerikanischen ‚rust belts‘ kann er zudem nirgendwo erkennen, dass die saudische Standortoffensive darauf angelegt ist, amerikanische Arbeitsplätze zu klauen. Und wenn er sich dann noch sagen lässt, wie viele amerikanische Kapitale mit wie vielen Dollars in saudischen Projekten im Bereich schöner neuer Zukunftstechnologien investiert sind, dann weiß er zweifelsfrei: „This is a big one.“ [8] Das muss er bewundern, und er tut dies in der Weise, die er schließlich auch in Bezug auf sein Land und sich selbst bis zum Abwinken beherzigt: als Bewunderung für den Erfolgstypen, dem der ganze Spaß teilweise gehört, teilweise untersteht, der also der Grund dafür sein muss, dass die Sache so überaus wonderful läuft.

Drittens trifft er bei seinen arabischen Ansprechpartnern auch auf erfreulich offene Ohren, was die komplementäre Seite nationaler Bereicherung am internationalen Dollarkapitalismus anbelangt: die Investition überschüssigen Reichtums in auswärtige Märkte – bzw. in einen bestimmten: den amerikanischen. Er ist scharf darauf und sie sind bereit dazu, gigantische Dollarsummen nicht nur als Einkäufer, sondern als Investoren auf dem amerikanischen Kapitalmarkt zu lassen und so sein Aufbruchsprogramm für Amerika mitzufinanzieren. [9] Das alles verknüpft sich aufs Wunderbarste mit Investitionspartnerschaften auf saudischem Boden. Und beides vor allem in Bereichen, die nicht nur im engeren Sinne ökonomisch, sondern auch strategisch von Bedeutung sind, z.B. Chips und KI. Irgendwelche Bedenklichkeiten, wie sie die Biden-Regierung in Form von Exportbeschränkungen für strategisch wichtige Güter praktiziert hat, kennt Trump nicht; er setzt darauf, dass der durchschlagende Erfolg der Partnerschaft für beide die Saudis verlässlich an Amerika binden wird. Und darin geben umgekehrt sie ihm bisher komplett recht.

Viertens ist das Angenehme an den netten Typen mit den lustigen Kopftüchern und den großen Palästen – „national traditions“, „heritage“ und so Zeug eben –, dass er wirklich nur mit ihnen zu tun hat, wenn es darum geht, Deals abzuschließen und die dann auch umzusetzen. Politisch haben sie ihre reichen Länder mit ihren nicht sehr kopfstarken Völkchen erfreulich komplett im Griff. Was bisher westliche Politiker – „Western interventionalists or flying people in beautiful planes giving you lectures on how to live and how to govern your own affairs“ – moralisch abgekanzelt, teilweise praktisch bekämpft haben, das offenbart sich dem Vorsitzenden des Common Sense in der Welt als das, was es ist: effektives Autokratentum, das auf seine Weise umsetzt, worauf es beim Regieren einzig ankommt. Und was, um die Dinge endgültig für Amerika perfekt zu machen, noch dazu kommt, das ist im Falle dieser Staaten der Umstand, dass die persönliche Verfügungsmacht der Monarchen über den nationalen Reichtum für den Dealmaker Trump jeden umständlichen Unterschied zwischen staatlichen Ansprechpartnern, mit denen man über die politischen Bedingungen lukrativer Deals verhandelt, und den kommerziellen Ansprechpartnern, mit denen man die eigentlichen Geschäfte abschließt, so vollständig zum Verschwinden bringt, wie er es für sein Amerika, MAGA hin, DOGE her, nicht zu erträumen wagt. Insofern ist dann wohl auch die Schmeichelei wenigstens ein bisschen ehrlich gemeint, dass das einzige großartige Land auf der Welt, das sich als noch großartiger denn das großartige Amerika erweist, das großartige Saudi-Reich des großartigen MbS ist.

Fünftens haben die großartigen Burschen kapiert, dass die nationalen Aufstiegsprogramme, die sie je für sich und teilweise in Kooperation mit-, teilweise in heftigster Konkurrenz gegeneinander verfolgen, in Sachen nationaler Gewalt etwas Doppeltes brauchen: erstens eine nationale Militärgewalt, die überlegen sicherstellt, dass die nächste, dann aber auch die weitere Umgebung dafür zur Verfügung steht und nicht mit einem konkurrierenden Machtprogramm oder Staatszerfall im Wege steht. Ein wirklicher nationaler Aufstieg darf sich also nicht auf das Feld der Ökonomie beschränken, sondern hat letztlich strategischer Natur zu sein. Zweitens hat sich diese Militärgewalt dann aber auch darauf zu konzentrieren und sich nicht in absurden Missionen zu verzetteln, die dem, worauf es ankommt, nur schaden. Beides unterstellt Trump diesen Führern, durchaus mit Blick auf die ehrgeizigen Aufrüstungsprogramme und ihre ziemlich interventionistischen Praktiken von ihrer eigenen Halbinsel aus über die Levante bis weit nach Afrika hinein. [10]

Sechstens nämlich rechnet er ihnen als ihren programmatischen Realismus hoch an, dass sie sich für alles, was ihnen ihr nationaler Ehrgeiz an Visionen, Projekten, Unternehmungen vorgibt, an Amerika halten. Dass sie durchaus nach alternativen Bündnispartnern Ausschau halten, mal mit Russland, mal mit China auch in strategischer Hinsicht ein bisschen – oder ein bisschen mehr – Kooperation andenken und teilweise angehen, preist er mit der gebotenen Lässigkeit in seine Zufriedenheit ein, weil und insofern er das Urteil hat, dass sie in den entscheidenden Fragen dann doch dabei bleiben, dass ihr nationaler Aufstiegsehrgeiz nur an der Seite Amerikas eine Chance und dort nur unter der Bedingung Platz hat, dass er Amerika nicht belastet und beansprucht, sondern nützt. Gerade die ziemlich großkalibrigen Waffendeals sind Trump dafür der letzte Beweis – und zwar weniger, weil er die Kalkulationen der Prinzen nachvollzieht, sondern weil er für Amerika registrieren darf, dass ihm diese Führer den strategischen Zugriff auf ihre Region in der Weise verschaffen, dass er nicht nur zum Nulltarif zu haben ist, sondern selber noch Geld einbringt – und beides auf höchstem Niveau. [11]

Bei alledem ist Trump der Letzte, der meint, dass es bei so viel von ihm fröhlich gefeierter Einigkeit gar keine Uneinigkeit mehr gebe und jeder Zwist zwischen ihm und seinen Golfpartnern für alle Zeit ausgeräumt sei. Dass er gerade mit den Saudis als wichtigster Macht in der OPEC regelmäßig und jüngst erst wieder im Clinch gelegen hat, weiß er selbst am besten; und dass dies wohl auch in Zukunft immer mal wieder passieren wird – davon geht er selbstredend aus als Dealmaker, der den Egoismus seiner kommerziellen und politischen Verhandlungspartner schließlich berufsgemäß unterstellt, wenn er ihnen den eigenen aufs Auge drückt. Aber genau darum sieht er darin keinen Grund für eine weitergehende Übellaunigkeit seinerseits, die, wie man es von der Vorgänger-Administration kennt, bloß „ideological“ wäre. Das gilt auch für den Umstand, dass die Saudis seiner Auffassung nach ein bisschen sehr spät dran sind mit ihrem Beitritt zu dem von ihm gebrokerten Abraham-Abkommen, mit dem Trump endgültig den für Amerika nützlichen Frieden zwischen den arabischen Staaten und Israel besiegeln will. Letzteres lässt er zwar in Form des Wunsches, sie möchten sich jetzt mal ein bisschen beeilen, deutlich genug durchblicken. Aber weil er seine diesbezügliche Überzeugungskraft für über kurz oder lang unwiderstehlich hält, trübt sich auch an dieser Frage für ihn keineswegs die Freude an dem von ihm registrierten und präsentierten Ausmaß an Übereinstimmung mit diesen Partnern in allen anderen, im Moment viel wichtigeren Fragen.

Das wechselseitige Vertrauen könnte also größer nicht sein, und so lässt sich Trump noch eine Mischung aus Bitte und Ratschlag in Bezug auf Syrien mit auf den Weg geben, bevor er von Riad zur nächsten Station seiner Arabien-Reise aufbricht: Von MbS und diesem „tough guy, very smart“ vom Bosporus, dem er ja schon weltöffentlich die Assad-Entmachtung als dessen Sieg zuerkannt hat – „it was Turkey that orchestrated the downfall last December of Syria’s former longtime ruler Bashar al-Assad“ –, lässt er sich Ahmad al-Sharaa, al-Qaida-Spitzname al-Golani, vorstellen. Der ist, wie der Ami sich von dem Saudi und dem Türken informieren lässt, der nunmehrige Interims-Präsident des vorher mit amerikanischen Waffen, saudischen Dollars und türkischer Intervention sehr gründlich kaputtgemachten Syrien. Und als solcher ist er zwar bloß die hässliche Kleinausgabe des Typs orientalischer Herrscherfigur, den seine beiden Tippgeber MbS und Erdoğan so sehr schön und erfolgreich repräsentieren, aber eben ihre Kreatur, und deshalb soll auch Amerikas von allen Scheuklappen befreiter Oberbefehlshaber ihn daraufhin begutachten, ob er nicht auch für ihn der passende Mann zur passenden Zeit am passenden Ort ist. Das lässt Trump sich nicht zweimal sagen.

3. Trumps Stellung zu Syrien und seinem Interims-CEO: Ein williger Helfer dabei, 14 Jahre Regime-Change-Gemetzel für Amerika ex post lohnend zu machen

An Syriens neuem, nun ja, starken Mann exerziert Trump gnadenlos prinzipienfest durch, wie sich Amerika unter seiner Führung weltweit die Ansprechpartner zurechtdefiniert (wenn es sein muss: schafft), die für jeweils das taugen, was es von ihnen aktuell will.

Den Islamisten haben Umstände in Damaskus an die Macht gespült, mit denen Trump nicht übermäßig viel zu schaffen hatte und für die er sich nicht übermäßig interessiert: irgendwie die Spätfolgen eines zum Schluss ziemlich abgeflauten westlich-arabischen Entmachtungsehrgeizes gegenüber dem alten Herrscher Assad in Kombination mit den ganz neuen Folgen des laufenden Krieges Israels gegen seine Feinde in der Region, vor allem den Hisbollah und die in Syrien anwesenden iranischen Mannschaften und Milizen. Was der Neue teils mit geschaffen, teils einfach so geerbt hat, ist ein total kaputtes Land, die Feindschaft des israelischen Staates gegenüber jeder wirksamen, auch nur potenziell gegen Israel einsetzbaren syrischen Militärgewalt als Rückgrat syrischer Souveränität und das Regime durchgehender amerikanischer Wirtschafts- und Finanzsanktionen. Was er darstellt: Er ist der Chef der größten Miliz im Land. Eigentlich keine gute Voraussetzung dafür, zum Partner für Deals mit Trump zu werden.

Aber: Er ist nun einmal derjenige, der nach anderthalb Jahrzehnten blutigen Machtkampfs in Syrien jetzt immerhin im Präsidentenpalast residiert und von dort aus regiert, soweit sein Machtwort überhaupt reicht; das respektiert Trump, nachdem ihn seine befreundeten Tippgeber darauf hingewiesen haben: offensichtlich ein „tough guy“ und „fighter“, dessen dschihadistischer Werdegang einschließlich seiner Insassenschaft im amerikanischen Foltergefängnis Abu Graib im Irak unter diesem Gesichtspunkt durchaus als „strong past“ zu verbuchen ist. Dass er dann doch noch nicht so richtig viel vermag, ist zwar ein Malus, jedoch gibt der „attractive young man“ zu erkennen – und das erkennt Trump nach Ermunterung durch seine Buddys vom Golf seinerseits an –, dass er weiß, wie wenig er einstweilen vermag, also wie wenig er sich irgendwelche Feindschaften alter oder neuer Art leisten kann, die Trump nur störend fände.

Zudem: Er gibt gleichfalls zu erkennen, dass er es dabei nicht belassen, sondern unter Vermeidung aller überflüssigen und kontraproduktiven Feindschaften aus dem von ihm nunmehr interimistisch regierten Trümmerhaufen irgendein Ding namens Aufbauprojekt machen will, über dessen kapitalistische Ausrichtung er keinerlei Zweifel lässt.

Außerdem: Er lässt ebenfalls durchblicken, dass er weiß, dass, weil er aus Syrien etwas anderes machen will, er zugleich und zunächst aus sich etwas anderes machen muss: Die auswärtigen Aufrufe, sich wenigstens zum annähernd einzigen Inhaber militärischer Gewalt zu machen, dafür den Verhau von verfeindeten bis verbündeten Freischärlern zu integrieren oder konsequent zu bekämpfen, stoßen bei ihm jedenfalls auf weit offene Ohren, in beide Richtungen kann man ihm höchstens einen bisherigen Mangel an Erfolg vorwerfen; den freilich umso mehr.

Allerdings: Er zieht aus alldem den einzig vernünftigen Schluss, nämlich den, dass er – gerade weil er gewaltmäßig gemessen an dem, worauf es in Trumps Welt ankommt, einstweilen eine Witzfigur ist, die ökonomisch über ein komplett kaputtes Land zu herrschen versucht und dabei zwischen den entgegengesetzten Ansprüchen auswärtiger Mächte zweiten bis vierten Ranges laviert – sich an die Macht ersten Ranges zu halten hat und sich den ihr vorstehenden Statthalter des imperialistischen Common Sense gewogen machen muss. Das ist zwar noch kein fertiger Deal, aber die wichtigste Voraussetzung für einen solchen.

Unter gebührender Würdigung von alldem nimmt Trump al-Sharaa also ebenfalls als das, als was ihn Saudis und Türken anpreisen. Und damit macht er aus dem Präsidenten, der bisher fürchten muss, dass Israel ihn in seinem Palast in die Luft sprengt, etwas anderes: eben einen Ansprechpartner für amerikadienliche Deals. Die – und nur die – sind von Trump als Beitrag zum Wiederaufbau Syriens zu haben, und es zeichnet den neuen guy in Damaskus aus, dass er die seinerseits anbietet, noch bevor Trump ihn erst groß dazu drängen muss. Vor allem: Er bettelt das von aller Welt ausgebeutete Amerika nicht auch noch um Hilfe an. Die Unkosten für die Wiedereinführung Syriens in den Welthandel und die Ausstattung des Landes mit Teilen der dafür nötigen Infrastruktur und eines halbwegs funktionierenden Gewaltapparates übernehmen im Moment andere, [12] die Aufhebung der Sanktionen kostet Amerika nichts, sondern verschafft amerikanischen Firmen Geschäftsmöglichkeiten. Im besten Falle stellt das ja vielleicht zur Abwechslung einmal positiv unter Beweis, wie sehr amerikanische Dollars, richtig verwendet, als Äquivalent für Gewaltmittel und zur Befriedung einer unentschiedenen Gewaltlage taugen, falls sie Syrien, das im Moment aus amerikanischer Sicht außer zur Destabilisierung des Nahen Ostens zu gar nichts taugt, tatsächlich ein bisschen zivil stabilisieren.

Bisher erweist sich der sympathische salafistische Ex-Halsabschneider als genau das Gegenüber, das zu Trumps neuer Art imperialistischer Indienstnahme der ganzen Welt für amerikanische Macht und amerikanischen Reichtum und die Gleichung von beidem passt: Er schlägt dem US-Präsidenten einen Mineraliendeal nach dem Vorbild des amerikanisch-ukrainischen Abkommens und außerdem den Bau eines Trump-Towers in Damaskus vor. Kein Geheimnis wird in Syrien aus der doppelten Nutzenkalkulation gemacht: Das alles soll Dollars ins Land spülen und Syrien damit für Amerika so interessant machen, dass auswärtige Mächte in ihren konkurrierenden Gewaltansprüchen auf dieses Land am betätigten amerikanischen Interesse eine für sie nicht zu ignorierende Schranke finden.

Ein Regierungschef, der weiß, dass sein Herrschafts- und sein ökonomisches Aufbauprogramm von nichts lebt als dem Zuspruch seiner proamerikanischen Sponsoren und letztlich von der Nutzenkalkulation Amerikas selbst; der anerkennt, dass eine amerikanische Baugrube im Herzen von Damaskus der einzige in Reichweite befindliche Ersatz für die abhandengekommene Abwehr gegen die Luftwaffe des alten Feindes und Amerika-Verbündeten Israel ist, dem er bloß nicht mehr in die Quere kommen will; dessen etwas verzweifelt optimistisch beworbenes Aufbauprogramm für Amerika entweder nützlich oder unwichtig und auf jeden Fall kostenfrei sein wird: mit so einem Ansprechpartner in Damaskus haben sich 14 Jahre Stellvertreterkrieg und 600 000 tote Syrer wenigstens im Nachhinein noch gelohnt. Für Amerika – und darauf kommt es ja an.

[1] Zum imperialistischen Grund und Inhalt der über Jahrzehnte gewachsenen, von Trump nun geerbten einzigartigen Freundschaft zwischen den USA und Israel finden sich die nötigen Klarstellungen im Artikel ‚Eiserne Schwerter‘ und ‚die Gefahr eines regionalen Flächenbrands‘: Ernstfall für die Freundschaft zwischen der regionalen und der globalen Supermacht in Heft 1-24 dieser Zeitschrift.

[2] Von dem imperialistischen Fortschritt neuer und eigener Art, den die israelische Nation mit ihrem Regionalkrieg macht, handelt der Artikel Die Realität des ‚regionalen Flächenbrands‘: Israel schafft sich und der Welt einen neuen Nahen Osten, GegenStandpunkt 4-24.

[3] „Alle zivilisierten Menschen müssen die Grausamkeiten des 7. Oktober gegen Israel verurteilen, die wahrscheinlich nie passiert wären mit irgendeinem anderen US-Präsidenten, und die definitiv nicht passiert wären, wenn ich selbst Präsident gewesen wäre. Die Menschen von Gaza verdienen eine sehr viel bessere Zukunft, aber zu der wird und kann es nicht kommen, solange ihre Führer für politische Zwecke unschuldige Männer, Frauen und Kinder angreifen, entführen und foltern.“ (Trump in Riad am 13.5.25)

[4] „Während Sie in Dschidda und Dubai die höchsten Wolkenkratzer der Welt bauen, zerfallen die Wahrzeichen von Teheran aus dem Jahr 1979 in Schutt und Staub... Diese Gebäude fallen größtenteils auseinander, stürzen ein, während Sie einige der größten und unglaublichsten Infrastrukturprojekte der Welt bauen, Gebäude, alle möglichen Dinge, die Sie bauen, die noch nie jemand gesehen hat. Die jahrzehntelange Vernachlässigung und Misswirtschaft im Iran haben dazu geführt, dass das Land von stundenlangen Stromausfällen geplagt wird. Ständig hört man davon.“ (Rede in Riad)

[5] Dass Iran seinen asymmetrischen militärischen Abwehrkampf, den es mittels seiner Verbündeten führt, im Prinzip verloren hat – davon geht Trump aus. Er hat ja, wie angekündigt, Israels Armee die „Tore zur Hölle“ aufstoßen lassen gegen Irans Gaza-Verbündeten und an einer zweiten Front gegen den libanesischen Bündnispartner Irans. Und Irans jemenitische Verbündete hat die US-Armee vor Ort in einer bis dahin jedenfalls für den Jemen so noch nicht dagewesenen Zerstörungskampagne zu einem Deal gebombt. Auch hier beweist Trump seinen in jeder Hinsicht brutalen Instrumentalismus nützlicher Gewalt: Den antiamerikanischen Huthi im Jemen versagt er nicht einen gewissen Respekt, den sie mit ihrer Gewalt verdienen: „They’re tough, they’re fighters.“ Warum sie gegen Amerika aufgebracht sind, ist ihm im Großen und Ganzen egal: „In den letzten Jahren sind viel zu viele amerikanische Präsidenten der Idee erlegen, dass es unser Job wäre, in die Seelen auswärtiger Führer zu blicken und die US-Politik dafür zu nutzen, ihnen Gerechtigkeit für ihre Sünden widerfahren zu lassen. Ich glaube, es ist Gottes Job, Gericht zu halten; mein Job ist es, Amerika zu verteidigen und das grundlegende Interesse an Stabilität, Wohlstand und Frieden voranzubringen.“ (Rede in Riad) Das Einzige, was Trump interessiert, ist der Umstand, dass sie den USA im Roten Meer und drumherum lästig werden, und dem Problem widmet sich sein Militär – wie es praktisch vorgeführt hat – mit „overwhelming strength and devastating force“.

[6] Die US-Ölimporte aus Saudi-Arabien z.B. sind im Vergleich zum Rekordwert von 1 730 000 bpd im Jahr 2003 um ca. 85 % auf 277 000 bpd zurückgegangen.

[7] Stand Ende letzten Jahres ist, worauf viele Marktbeobachter aus ökonomischen und strategischen Gründen besonders aufmerksam blicken, in den Ölexportgeschäften Saudi-Arabiens mit China der chinesische Plan, saudisches Öl für Yuan zu kaufen, nur vereinzelt über die Phase von vorbereitenden Gesprächen hinausgekommen. Ein Marktbericht von Standard & Poors vom zweiten Halbjahr 2024 sieht die Lage wie folgt:

„Jüngste Aussagen darüber, dass China für saudisches Öl mit Renminbi zahlen wird, haben zu Erwartungen geführt, dass die massiven Öleinkäufe Chinas bei Saudi-Arabien ein Anstoß dafür sein werden, dass ein größerer Teil ihres Ölhandels in der chinesischen Währung denominiert wird. S&P geht aber davon aus, dass ein Yuan-basierter Ölhandel zwischen den beiden Ländern vor signifikanten Herausforderungen steht und dass es Jahrzehnte dauern kann, bis dieser eine relevante Größenordnung annimmt...“

[8] „Es ist ein historischer Meilenstein, dass jüngst andere Industrien das Öl überholt haben. Das muss man sich vorstellen: Alle eure anderen Industrien haben das Öl überholt. Ich weiß nicht, ob viele Leute verstehen, was das bedeutet, es ist so ein Riesending... Andere Industrien sind jetzt größer als Öl, das ja für immer ein großes Monster bleiben wird. Das ist riesig.“ (Riad-Rede)

[9] Saudi-Arabiens Prinz hat er angeboten, eine Summe in den US-amerikanischen Standort zu investieren, die dem jährlichen BSP Saudi-Arabiens entspricht.

[10] Für die zwischenzeitlich immerhin bis an den Rand eines Krieges gediehene Rivalität zwischen Katar und dem Rest der GCC-Staaten hat Trump noch nie einen ihn überzeugenden Grund ausmachen können, also gratuliert er seinen arabischen Freunden dazu, diesen Unfug inzwischen wieder gelassen zu haben.

[11] Auch in Bezug darauf lässt sich Trump von Israel keine Vorgaben mehr machen: Das Vetorecht, das die USA ihrem israelischen Alliierten bisher teils sogar formell eingeräumt haben, wenn es um die strategische Zusammenarbeit Amerikas mit Israels neuen Regionalmachtrivalen vom Golf – bei Waffenfragen vor allem, aber auch bei der zivilen Atomkraft – geht, hat er de facto abgeräumt.

[12] Die reichen arabischen Monarchien z.B. lassen es sich angelegen sein, Syriens Verbindlichkeiten im IWF zu übernehmen.