Teil 4
Demokratische Vergangenheitsbewältigung

Ein halbes Jahrhundert nach der Niederlage des Faschismus ist es auch mit dem Antifaschismus in Deutschland vorbei. Die Distanzierung vom nationalsozialistischen Massenmord an den Juden ist zum festen Bestandteil der nationalen Politkultur geworden wie der Kranz, den die Oberbefehlshaber bei passender Gelegenheit an den überall vorhandenen Grabmälern des unbekannten Soldaten niederzulegen pflegen, und enthält soviel Faschismuskritik wie ein solcher Kranz Kritik am Krieg. Die Betrübnis über den verlorenen Weltkrieg hat sich mit dem 50. Jahrestag der deutschen Kapitulation endgültig zu dem Bewußtsein geläutert, nach der Wiederaneignung der ehemals kommunistischen Ostzone und dem Untergang der Sowjetunion zu den Gewinnern der Weltgeschichte zu gehören. Und mehr, als daß die restdeutsche Nation dem untergegangenen NS-Staat den verlorenen Krieg übelnahm und darunter litt, daß Himmlers Gaskammern die Niederlage auch noch moralisch rechtfertigten: mehr ist am demokratischen Antifaschismus der BRD nie drangewesen.

Aus dem Buch
1996 | 354 Seiten | 20,00 € | bestellen
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