100. Jahrestag der Oktoberrevolution
Stalin – wer war das?
Michail Gorbatschow: Der Totengräber des Realen Sozialismus

Das Jubiläum der bolschewistischen Machtergreifung lassen die klugen Köpfe der bürgerlichen Öffentlichkeit nicht unkommentiert verstreichen. Sie warten mit den Einsichten auf, zu denen sie im Zuge ihrer Befassung mit dem Kommunismus schon seit langem gelangt sind. Allgemein beklagt wird ein hohes Maß an Gewalt gegen Personen und Sachen beim Umsturz, noch mehr, dass er nicht der Auftakt war zur Einführung von zivilisierten Verhältnissen, wie wir sie schätzen, sondern zur Einführung einer Herrschaft, die spätestens mit dem Amtsantritt des Genossen Stalin zu einer reinen Schreckensherrschaft geriet. Der Name des Gründervaters des Sozialismus in Russland und der ‚-ismus‘, den sie an ihn dranhängen, steht für kundige Betrachter wie für alle guten Menschen für so ziemlich alle Scheußlichkeiten der politischen Weltgeschichte, und in dem Schlagwort haben sie den fertigen Begriff der politischen Ökonomie des Realen Sozialismus und damit auch gleich ihren Inbegriff von ‚Sozialismus‘ vorliegen.

Um einen anderen Großen Vorsitzenden des sozialistischen Systems ist es angelegentlich des 100. Geburtstags der Oktoberrevolution ganz still geblieben. In Sachen historischer Gerechtigkeit ist Gorbatschow die Abwrackprämie für die Stilllegung des Realen Sozialismus vollumfänglich in den Honneurs abgegolten worden, mit denen ihn die Freunde der Freiheit und der uniformierten westlichen Wertegemeinschaft schon zu Zeiten seines politischen Wirkens zugeschüttet hatten. Er hat seinen Dienst für die gute Sache getan.

Aus der Zeitschrift
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Konkordanz

Ende 1988 rief "Der Spiegel" M. Gorbatschow zum "Mann des Jahres" aus. In diesem Jahr hatten die nationalistischen Streitigkeiten im Kaukasus größere Mengen von Toten sowie - ein bis dahin unbekanntes Phänomen - von innersowjetischen Bürgerkriegsflüchtlingen hervorgebracht. Die Versorgung der Sowjetmenschen war spürbar schlechter geworden.

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Über Stalin weiß jeder anständige Zeitgenosse, inzwi­schen auch "drüben", daß man ihn verachten muß und sein Name für etwa die Hälfte aller Scheußlichkeiten der Weltgeschichte steht. Aber hat irgendwer außer Ab­scheu vielleicht noch eine Kritik an dem Mann und sei­nem Lebenswerk?

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