100. Jahrestag der Oktoberrevolution

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift GegenStandpunkt 4-17 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

100. Jahrestag der Oktoberrevolution
Stalin – wer war das?
Michail Gorbatschow: Der Totengräber des Realen Sozialismus

Systematischer Katalog: 
Länder & Abkommen: 
Überblick

Das Jubiläum der bolschewistischen Machtergreifung lassen bürgerliche Köpfe natürlich nicht unkommentiert verstreichen. In Feuilletons, Wirtschaftsteilen und Features in Funk und Fernsehen warten sie mit den Einsichten auf, zu denen sie im Zuge ihrer Befassung mit dem Kommunismus schon seit langem gelangt sind. Die fallen bei allem Verständnis für die Nöte der verarmten und durch Krieg gebeutelten russischen Massen im Jahr 1917 insgesamt eher wenig günstig aus. Allgemein beklagt wird ein hohes Maß an Gewalt gegen Personen und Sachen beim Umsturz, noch mehr, dass er nicht der Auftakt war zur Einführung von zivilisierten Verhältnissen, wie wir sie schätzen, sondern zur Einführung einer Herrschaft, die spätestens mit dem Amtsantritt des Genossen Stalin als Generalsekretär der KPdSU zu einer reinen Schreckensherrschaft geriet. Der Name des Gründervaters des Sozialismus in Russland und der ‚-ismus‘, den sie an ihn dranhängen, steht für kundige Betrachter wie für alle guten Menschen für so ziemlich alle Scheußlichkeiten der politischen Weltgeschichte, und in dem Schlagwort haben sie den fertigen Begriff der politischen Ökonomie des Realen Sozialismus und damit auch gleich ihren Inbegriff von ‚Sozialismus‘ vorliegen.

Um einen anderen Großen Vorsitzenden des sozialistischen Systems ist es angelegentlich des 100. Geburtstags der Oktoberrevolution ganz still geblieben. In Sachen historischer Gerechtigkeit ist Michail Sergejewitsch Gorbatschow die Abwrackprämie für die Stilllegung des Realen Sozialismus vollumfänglich in den Honneurs abgegolten worden, mit denen ihn die Freunde der Freiheit und der uniformierten westlichen Wertegemeinschaft schon zu Zeiten seines politischen Wirkens zugeschüttet hatten. In ihren Augen hat der letzte Führer der KPdSU ja nur endlich eingesehen, was sie schon immer wussten, dass nämlich der Kommunismus ein Ding der Unmöglichkeit ist. Und dass er sein System auch noch eigenhändig abgewickelt hat und auch der Eingemeindung der DDR ins kapitalistisch verfasste Deutschland kein ‚Njet‘ entgegensetzen wollte, ist für sie nur konsequent und mit einem Friedensnobelpreis angemessen gewürdigt – und heute, ein Vierteljahrhundert nach dem Ende dieses Systems, auch keiner Rede mehr wert: Er hat seinen Dienst für die gute Sache getan, Respekt, und damit sind sie mit dem Mann fertig.

Dieser Artikel ist noch nicht frei verfügbar.

© GegenStandpunkt-Verlag.