Die Konkurrenz der Kapitalisten: Kapitel IV

§ 24 Die ideologische Bewältigung der Krise des Kapitals

Der Markt, nach dem die kapitalistische Produktionsweise von ihren Akteuren wie von ihren Statisten benannt zu werden pflegt, hat bisweilen einen ganz schlechten Ruf. Normalerweise gilt er als das Feld, auf dem Produktion und Bedürfnis in Gestalt von Angebot und Nachfrage wunderbar zwanglos übereinkommen, Gleichgewichtspreise für Versorgung und Fortschritt sorgen, Gewinne und Verluste ganz von selbst gerecht verteilt werden. Wer da Erfolg hat, hat richtig gehandelt; wer scheitert, hat „am Markt vorbei produziert“, „Marktchancen verpasst“, die „Gebote des Marktes“ ignoriert, hat so oder so versagt. In der Krise ist das anders; nicht nur die Lage, sondern ihre allgemeine Wahrnehmung. Wenn Misserfolge „wie ein Flächenbrand“ um sich greifen, kann das ja nicht bedeuten, dass alle Marktteilnehmer sich mit ihrer Nachfrage und ihren Angeboten marktwidrig verhalten haben und das allseitige Konkurrieren um Bereicherung überhaupt falsch wäre. Zumal in der Krise klar auf der Hand liegt, wie unbedingt es insgesamt und überhaupt auf den Gesamterfolg der kapitalistisch produktiven Klasse in ihrer Konkurrenz um Mehrung ihres privaten Vermögens ankommt: Ohne das Wachstum, das dabei herauskommt – normalerweise –, liegt das materielle Leben der Gesellschaft lahm, kommt die Staatsgewalt selbst in größte Verlegenheit. Dem Markt, diesem großen selbsttätigen Regulativ, dieser maßgeblichen Ordnungsinstanz des einzig wahren Wirtschaftslebens, muss man dann schon nachsagen, dass er irgendwie spinnt, durcheinander ist und alles durcheinanderbringt: Mit der Herbeiführung der Krise kann er ja unmöglich im Recht sein.

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