„Hooligans gegen Salafisten“

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 4-14 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Die deutsche Öffentlichkeit entlarvt „Hooligans gegen Salafisten“: unpolitisch, gewalttätig, rechtsradikal, also undeutsch!

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Im Herbst erlebt die BRD eine Demonstration neuen Typs. 5000 folgen dem Aufruf Hooligans gegen Salafisten und liefern der Polizei eine Straßenschlacht. Die Öffentlichkeit fragt entsetzt: Woher kommen bloß die vielen Menschen? Und woher rührt deren enorme Gewaltbereitschaft?

Die deutsche Öffentlichkeit entlarvt „Hooligans gegen Salafisten“: unpolitisch, gewalttätig, rechtsradikal, also undeutsch!

Im Herbst erlebt die BRD eine Demonstration neuen Typs. 5000 folgen dem Aufruf Hooligans gegen Salafisten und liefern der Polizei eine Straßenschlacht. Die Öffentlichkeit fragt entsetzt: Woher kommen bloß die vielen Menschen? Und woher rührt deren enorme Gewaltbereitschaft?

1. Die Antwort geben diese Fußball-Fans ‚aufm Platz‘. Schon während der Anfahrt nach Köln rufen sie die Regionalbahn zur kanakenfreien Zone aus, am Dom rufen sie Kampf den Salafisten! und Deutschland den Deutschen!, saufen sich zu, randalieren und werfen ein Polizeiauto um. Die Aktion ist im Grunde selbsterklärend. Die Demo appelliert an den Nationalstolz, den jeder Inländer im Herzen trägt. Auch den Gegner muss sie nicht erfinden: ‚Der Salafist‘ steht bei den Lieblings-Bösewichtern der Nation weit vorn. Sogar der Übergang zur Rauferei mit der Staatsgewalt erfolgt aus Heimatliebe. Die Ächtung des Islamismus als Bedrohung des deutschen Volkes versteht der Hooligan so gut, dass er nicht versteht, warum sein Staat diese gemeingefährlichen Typen hier noch duldet: Anstelle seiner Obrigkeit betätigt er sich als Heimatschützer ohne Uniform, lässt Achtung vor dem Gesetz plus bürgerlichen Anstand fahren und fühlt sich zum patriotischen Widerstand befugt; als guter, ja besserer Inländer will er ‚Deutschland den Deutschen‘ zurückgeben und das Vaterland gleich insgesamt von volksfremden Elementen säubern. Zu viel Alkohol im Spiel? Nicht im schlimmsten Rausch kommt man auf „Kampf den Salafisten“ – es sei denn, man ist schon nüchtern ziemlich deutsch drauf.

2. Die öffentliche Antwort ist denkbar ignorant. Jedenfalls sind Innenminister und Talkshows bemüht, alles Deutsche aus der Demo herauszukürzen. An Parolen und Benehmen der Hooligans halten sie nur den Exzess fest – Exzess wovon, keine Ahnung! Schwarz-rot-goldene Fahnen? Ein klarer Fall von Flaggen-Missbrauch. Gegen den Islamismus? Das Feindbild gehört uns. Farbenblind und taub ist die deutsche Presse aber nicht; die Wahrnehmungsschwäche ist berufsbedingt: ‚Was nicht wahr sein darf, kann auch nicht wahr sein‘ – nach diesem Motto werden die Demonstranten in zwei Schubladen demokratischen Fehlverhaltens einsortiert:

  • Als total unpolitisch gelten sie den einen. Nichts als eine wüste Schlägerei anzetteln, wollten sie laut CDU. Der Kampf gegen den Salafismus ist ein Alibi, weiß die Gewerkschaft der Polizei. Ein wohlklingender Vorwand für die Ohren amtierender Demokraten: „Kampf gegen Salafismus“, dieser ehrenwerte nationale Auftrag steht nur den befugten staatlichen Ordnungswächtern zu.
  • Als in Wahrheit rechtsradikal gelten sie den anderen und sind damit umstandslos aus dem demokratischen Spektrum guter Deutscher aussortiert. Veranstalter war die Anti-Islam-Partei Pro NRW, die Ultra-Szene wird laut Verfassungsschutz von der Neonazi-Szene infiltriert und SS-Borussenfront-Siggi war auch da! Daraus macht zwar niemand ein Geheimnis, aber es hilft beim Denunzieren einer schlechten durch eine noch schlechtere Sache.

Die Schläger sind keine von uns – auf die Höchstwerte ‚Fan‘ und ‚Nation‘ will die Motivforschung einfach nichts kommen lassen. Dann werden sie das verlogene Dementi auch nötig haben.


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