Die politische Ökonomie einer friedlichen Eroberung III:
Die "Sozialunion"

Wenn sich die Bürger der DDR die Eingemeindung in die Bundesrepublik wünschen, so ist das ihre Sache. Wenn sie sich den Anschluß so vorstellen, daß sie vom Bürger zweiter Klasse zum Herrn über echtes Geld befördert werden, so zeugt das von ihrer optimistischen Grundhaltung, ihre Zukunft betreffend. Wenn sie ihre Erwartungen mit Sorgen verbinden, in denen sie sich allerlei "soziale Probleme" ausmalen und pro­phezeien lassen, beweisen sie, daß sie als aufgeweckte Welt­bürger auch schon von den Schattenseiten der großen Freiheit gehört haben. Auskennen tun sie sich deswegen aber noch lange nicht. Ihre mit demonstrativer Ängstlichkeit vorgetra­genen Erkundigungen verraten nämlich nicht nur die Ent­schlossenheit, die auf sie zukommenden "sozialen Probleme" in Kauf zu nehmen. Sie tragen ihre Bedenken ausnahmslos in einer äußerst unsachlichen Art und Weise vor. Sie lassen sich offenbar, weil sie "praktisch" denken wollen - vom Grundge­danken des Vergleichs leiten und rechnen gute und schlechte Seiten des Lebens im Honecker-Staat gegen Licht und Schat­ten im Kohl-Staat auf.

    Aus dem Buch
    1990 | 253 Seiten | 8,00 € | bestellen
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