Zuschrift zu „Die Psychologie des bürgerlichen Individuums“

Eine Korrespondenz zur Psychologie des bürgerlichen Individuums. Ein Leser befragt unsere Schrift nach der Freiheit des Willens, will in ihr ein Bekenntnis zu ihr entdeckt haben und ist sich sicher, damit auch gleich die Logik der Aussagen, die wir über Anstand und Erfolg, Rechtschaffenheit und Heuchelei, bürgerliches Liebesleben und Karrierestreben, normale Moral und verrückte Ausraster machen, erfasst zu haben.

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Zuschrift zu „Die Psychologie des bürgerlichen Individuums“

Sehr geehrte GegenStandpunkt-Redaktion,

Ich schreibe euch aus folgendem Interesse: Bezüglich meines Studiums eurer Schriften und Verlautbarungen zur Psychologie des bürgerlichen Knechtes. So ich eure Theorie noch nicht vollständig behandelt und in die Knochen geritzt habe, möchte ich mich um einige Fragen bemühen: Die Logik und der wissenschaftliche Gegenstandpunkt, dass sich das Seelentreiben der Menschen nicht einfach auf die rätselhaften inneren Determinanten lehnt, will ich soweit verstanden haben. All jene Prozesse, die unterbewusst, also nicht Freudsches unterbewusst, als Manifestation der Triebe und Kräfte, sondern halt unreflektiert automatisch durch den Geist blitzen, werfen jedoch Fragen auf. An den Beispielen, die ich vernommen habe, wird ganz lässig gezeigt, wie sich diese eingebrannten Urteile samt Gefühl nach geänderter Willensbetätigung erst dem Automatismus entpuffen müssen. So mag sich der dem Patriotismus Abgewandte zwar in seiner neuen Stellung zum Vaterstaat zurechtfinden, das gewohnte Gefühl und Gänsehaut schaudert ihm dennoch, zumindest eine Zeit, wenn ihm das Gedudel der Hymne um die Ohren fliegt. Ebenso behauptet Karl Held [Anm. d. Verf.: Herausgeber von „Die Psychologie des bürgerlichen Individuums“, Gegenstandpunkt Verlag 2001, im Folgenden ,PbI‘] in einer Tonaufzeichnung, dass die Unterbindung konsensuell praktizierter Heuchelei auch erstmal einen Zeitraum (gesprochen wurde von Jahren) des Abgewöhnens benötigt. Wie da der freie Wille hin und wieder weg von solchen geistigen Unarten stattfindet, ist klar, irgendwie. Aber an dem Punkt rüttelt mein Verständnis. So mag einer sich zwar willentlich zum Zweck entschieden haben, das mit der Moral einfach bleiben zu lassen, soll sich aber im Nachhinein oder gar nicht immer wieder dabei erwischt haben, wie er die Heuchelei doch vollführt. Also eben als Ergebnis seiner automatisierten internalisierten Urteile. Demnach finden sich, so die Schlussfolgerung, in dem Zeitraum zwischen Zwecksetzung und Ergebnis immer wieder Determinanten. Zwar mögen sie nur kurz und im Nachhinein gleich reflektiert zum „Verhalten“ geführt haben, aber in dem Moment, wo ich oder derjenige sie zur Anwendung bringt, haben die stattgefunden, obwohl der Wille ein anderer war: es nämlich zu unterlassen. Diese Fauxpas der Gewohnheit müssen den entschlossenen Willen damit zwangsläufig bedingen oder beschränken, wenn auch nur temporär, also doch keine Tautologie, der freie Wille?

Lieber Leser,

I. Dir leuchten an unserer Kritik der Psychologie des bürgerlichen Individuums die Logik und der wissenschaftliche Gegenstandpunkt ein, dass sich das Seelentreiben der Menschen nicht einfach auf die rätselhaften inneren Determinanten lehnt. Und eine solche Vorstellung vom Seelenleben wollen wir ja auch kritisiert haben, egal ob als populäres psychologisches Menschenbild oder als elaboriertes Wissenschaftsgebäude: dass alles, was die Menschen denken, wahrnehmen, fühlen und wollen, als eine Äußerung von inneren Vorgängen und Instanzen verstanden werden soll und dass sich das gleichzeitig ihrer Kenntnis entziehen soll.

Aber das ist in der angesprochenen Broschüre überhaupt nur am Rande Gegenstand unserer Kritik, die sich weniger um die Frage dreht, ob die Menschen das, was sie tun, aus freiem Willen tun oder weil innere Kräfte sie determinieren, als vielmehr um den Begriff dessen, was die Insassen der bürgerlichen Konkurrenzgesellschaft mit Willen und Bewusstsein und am Ende bis zur Selbstzerstörung veranstalten, um sich in dieser Gesellschaft zu behaupten und mit sich im Reinen zu bleiben. Es geht um die Frage, woran sie sich da abarbeiten und wie sie das tun.

Du liest unsere Schrift von vornherein unter dem Gesichtspunkt, wie wir uns in der Frage ,Willensfreiheit oder Determination?‘ positionieren. Du willst verstanden haben, dass wir darin den Standpunkt vertreten, dass die von dir so titulierten bürgerlichen Knechte in allem, was sie treiben und mit sich anstellen, ihren freien Willen betätigen; bist dir sicher, damit auch gleich die Logik der Aussagen, die wir über Anstand und Erfolg, Rechtschaffenheit und Heuchelei, bürgerliches Liebesleben und Karrierestreben, normale Moral und verrückte Ausraster machen, erfasst zu haben; wirst dir auf der Grundlage mit uns einig, dass von einer Determination im Sinne von Freud und seiner Trieblehre nicht die Rede sein kann; unterstellst uns kurzerhand, dass wir auf deine Frage, wie einer von Moral und Verrücktheit, deren Kritik er eingesehen haben will, loskommen kann, jederzeit mit der Antwort parat stehen würden, dass die Leute die geistigen Unarten, die sie mit freiem Willen betreiben, dann auch geradeso gut wieder lassen können; und kommst uns dann mit dem Bedenken, ob nicht angesichts dessen, dass es Gewohnheiten gibt, von denen man selbst dann nicht einfach so lassen kann, wenn man sich umentschlossen hat, doch was dran ist an der These, dass wir in unserem Denken, Fühlen und Handeln mit Determinationen zu tun haben.

II. Es tut uns leid, aber du hast uns völlig missverstanden. Es ist nicht die Absicht unserer Schrift, in der Frage ‚Willensfreiheit oder Determination‘ Stellung zu beziehen. Die halten wir nämlich für eine Abstraktion von allem, was ein Mensch mit seinem Willen anstellt, und auch von allem, was ihm darin wirklich Schranken setzt. Wenn wir in der Einleitung unserer Broschüre kritisieren, dass die bürgerliche Psychologie als Wissenschaft den freien Willen zu einer Fiktion (PbI, S. 10) erklärt, indem sie das, was der Mensch so treibt, aus verborgenen inneren, ihn determinierenden Kräften erklärt, dann ist das kein Plädoyer für eine Weltanschauung, welche den freien Willen zum hehren Prinzip davon verklärt, wie sich bürgerliche oder sonstige Menschen zu verhalten belieben. Du magst nicht der Einzige sein, der diese Verwechslung in die Broschüre hineinliest, aber es wäre keine gute Opposition, dieser Wissenschaft ein Menschenbild des freien Willens mit umgekehrtem Vorzeichen entgegenzuhalten, wenn sie ihn leugnet. Schon gleich nicht in kritischer Absicht, denn die Tatsache, dass sich das ‚Individuum‘, das bei allen kritischen Menschen so hoch im Kurs steht, für alles hergibt und sich vieles gefallen lässt, was seine Verehrer verabscheuen, ist weniger ein Grund für seine Verehrung als für gewisse Zweifel an seinem und seiner Verehrer Geisteszustand (PbI, S. 11).

Die Fragestellung, der wir in den 12 Paragraphen nachgehen, ist die nach dem spezifisch bürgerlichen Gebrauch, den die Individuen von ihrem Geist machen – ausgehend von einem Staatswesen, in dem eine öffentliche Gewalt ihren mehr oder minder bemittelten Untertanen die Freiheit zur Konkurrenz gewährt, ihren Materialismus anerkennt, aber nur in den Grenzen der ihnen per Recht und Gesetz aufgeherrschten Notwendigkeiten, durch die sie für Staat und Kapital brauchbar werden.

Du nimmst unsere Abhandlung, die du verstanden haben willst, als Beitrag zur Klärung einer Frage, die dir auf den Nägeln brennt. Und überführst unsere Erkenntnisse über das bürgerliche Individuum in die Logik: ‚Freiheit allenthalben, nix Determination‘ – inklusive des Zweifels daran. Diese Lesart unserer Schrift aber ist fatal, weil du so den ganzen Inhalt verpasst. Es bleibt davon in deinem Leserbrief einfach nichts übrig – weder von irgendeiner Bestimmung des spezifisch bürgerlichen Gebrauchs des Geistes noch von der kapitalistischen Konkurrenz, auf die er sich bezieht. Zwar redest du auch von Dingen wie Moral, Heuchelei und Patriotismus, aber das alles ist für dich erledigt, fertigst du ab mit dem Urteil geistige Unarten; ein Urteil, das keinerlei Erkenntnis über Moral, Heuchelei und Patriotismus enthält. Umso mehr aber den Maßstab, von dem aus du urteilst und deinen unbedingten Willen zur Distanzierung zum Ausdruck bringst – nach dem Motto: So etwas ist eines freien Menschenwesens, wie unsereiner eines ist oder zu sein anstrebt, selbstverständlich unwürdig.

Dementsprechend verächtlich redest du vom bürgerlichen Knecht, dessen Psychologie wir in unseren Schriften behandeln würden. Unsere Sache ist es aber gar nicht, eine theoretisch garnierte Absage an die Dummheit der Leute loszuwerden und sie als Untertanen zu beschimpfen, sondern zu erläutern, welche Fehler man begeht, wenn man sich am selbstbewussten Mitmachen in diesem Laden abarbeitet, und wo man dabei landet. Wir wollen uns auch nicht über die Insassen der bürgerlichen Klassengesellschaft erheben – was gänzlich verfehlt wäre, weil ja auch wir in der leben und solche Fehler am besten von uns selbst kennen. Verachtung füreinander bringen schon die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft selber nicht zu knapp auf, und sie ist etwas ganz anderes als die Kritik am Gebrauch, den Menschen von ihrem Verstand machen und machen müssen, wenn sie unter den gegebenen Verhältnissen zurechtkommen wollen. Und eine solche Verachtung wird auch dann nicht besser, wenn man sie auf sich selbst anwendet und sich in Selbstbezichtigungen übt.

Besagte geistige Unarten versiehst du zwar mit der größten Selbstverständlichkeit mit dem Prädikat ‚bürgerlich‘. Aber was heißt das für dich außer der Gewissheit, dass man sie sein lassen sollte? In einem Nebensatz bietest du uns an, dass solches Benehmen in der Gesellschaft, die wir vor uns haben, konsensuell praktiziert wird. Dieses Prädikat soll ja irgendwie eine nähere Bestimmung von Heuchelei sein, welches aber nicht mehr aussagt, als dass es sich um eine übliche, einvernehmlich vollzogene Verkehrsform in dieser Gesellschaft handelt. Damit hast du jeden bestimmten Gehalt der Heuchelei im bürgerlichen Leben und jeden objektiven Grund getilgt; es bleibt nur die dürftige Erkenntnis, dass Heuchelei im gegenseitigen Einverständnis praktiziert wird und deswegen, weil sie gegenseitig anerkannt ist, auch von allen praktiziert wird. Auf den Ertrag, dass es alle machen, kommt es dir anscheinend an, so viel Schein von gesellschaftlicher Notwendigkeit willst du schon behaupten, immerhin bewegst du dich auf die Gretchenfrage des Abgewöhnens und der Unterbindung von Heuchelei zu – und das ist ja nicht so einfach.

Denn was dich an Moral, Heuchelei und Patriotismus wirklich interessiert, ist die Frage der Willensfreiheit. Nur – was kannst du damit erklären, ob oder dass einer dabei seinen Willen frei betätigt? Einer heuchelt oder feuert die Nationalmannschaft an – war das jetzt seine frei gewählte Entscheidung? Das Einzige, was du an seinem gesamten moralischen Bewusstsein festhalten willst, ist, dass er es ja genauso gut jederzeit sein lassen könnte: „So mag einer sich zwar willentlich zum Zweck entschieden haben, das mit der Moral einfach bleiben zu lassen, soll sich aber im Nachhinein oder gar nicht immer wieder dabei erwischt haben, wie er die Heuchelei doch vollführt.“ Mehr willst du über den Inhalt des Willens, der sich da betätigt, nicht wissen, als dass der Grund für die Moral im Willen zu ihr liegen soll. Du verlegst dich damit ganz auf die Frage, ob und wie sehr Moral für den Willen überhaupt verfügbar ist: Will jemand seine Moral oder muss er sie haben? Diese Fragestellung lässt nur Antworten zu, die nichts als eine tautologische Verdoppelung der Moral in sie selbst und den abstrakten Willen zu ihr sind (einschließlich des Zweifels an der Freiheit des Willens). Dementsprechend legst du selber bei der o.g. Erläuterung von Moral größten Wert auf die dreimalige Variation von ‚sich entscheiden‘.

III. Auf Basis dieser verkehrten Fragestellung willst du mit uns darüber ins Gespräch kommen, ob nicht doch was dran ist an einer Determination des Willens: Wenn einer Moral und Heuchelei praktiziert, obwohl er es sein lassen wollte, dann müssen diese Fauxpas der Gewohnheit ... den entschlossenen Willen damit zwangsläufig bedingen oder beschränken... Also eben als Ergebnis seiner automatisierten internalisierten Urteile... Demnach finden sich, so die Schlussfolgerung, in dem Zeitraum zwischen Zwecksetzung und Ergebnis immer wieder Determinanten. Dem uns unterstellten Menschenbild einer absoluten Willensfreiheit hältst du den Tatbestand entgegen, dass der Mensch nicht immer kann, wie er will, und nicht immer will, was er als vernünftig eingesehen haben will. Nur spricht das keineswegs dafür, dass es zwangsläufig den Menschen bestimmende Gründe geben müsse, die außerhalb dessen liegen, was da in Gegensatz zueinander gerät. Du bietest uns die Gewohnheit als Grund für Determination an, nur – was hast du damit erklärt? Einer erschaudert bei der Nationalhymne oder verprügelt seine Frau – weil er es so gewohnt ist? Mit dem Verweis auf die Gewohnheit hat man nichts erklärt von dem, was da an Urteilen gefällt wird – ob sich derjenige nun vorher etwas anderes vorgenommen hat oder nicht.

Entweder geht man dem nach, welche – richtigen oder falschen – Urteile der eigene Verstand zustande gebracht und zu seiner Gewohnheit gemacht hat, die sich am Ende sogar in unmittelbarer Form als Gefühl, ohne neuerliche Anstrengung des Gedankens betätigen. Was die natürlich auch uns geläufige Erfahrung mit einschließt, dass sich Gefühlsurteile durchaus von Verstandesurteilen unterscheiden. Die gewonnene Einsicht über das moralische Denken fällt nicht automatisch zusammen mit der Korrektur des als Gefühlsurteil angelegten und gewohnheitsmäßig betätigten Maßstabs.

Oder man erklärt sich die Gewohnheit als ein im Menschen befindliches Hindernis, sich frei entscheiden zu können. Du hältst es für eine nähere Bestimmung von Gewohnheit, dass sie das Ergebnis automatisierter internalisierter Urteile und von Prozessen, die unterbewusst ... unreflektiert automatisch durch den Geist blitzen, sei. Gewohnheit ist aber etwas ganz anderes als ein Automatismus, nämlich ein praktiziertes Urteil; du setzt das in eins als Ausdruck von Determination. Und auch durch deine Aneinanderreihung verschiedener Fassungen von Determination kommt zur Behauptung einer eigenständigen, für Wille & Bewusstsein unzugänglichen Wirkmächtigkeit gar keine weitere Erklärung zu deiner negativ beantworteten Ausgangsfrage hinzu, ob sich der Mensch wirklich so frei entscheiden kann.

Sogar das Befassen mit unseren Argumenten denkst du dir als einen mechanistischen Vorgang, der dir gegen die determinierende Macht der Gewohnheit helfen soll. Du willst dir unsere Theorie in die Knochen ritzen, denn da würde an den Beispielen ... ganz lässig gezeigt, wie sich diese eingebrannten Urteile samt Gefühl nach geänderter Willensbetätigung erst dem Automatismus entpuffen müssen. Das sind nicht nur schrecklich grobe Metaphern für eine theoretische Auseinandersetzung mit unseren Argumenten, sondern eine Klarstellung, unter welcher Perspektive du diese wahrgenommen hast: Das Entscheidende an moralischen Urteilen sei, dass sie als verselbständigte Instanz den Menschen die Freiheit nehmen, diese Urteile sein zu lassen. Unsere Kritik der Moral soll man sich als Gegenmacht gegen die determinierende Kraft der Gewohnheit vorstellen, die einen wider bessere Einsicht handeln lässt. Es ist schon ein gewisser theoretischer Kopfstand nötig, um unseren ganzen Ausführungen zur bürgerlichen Moral zu entnehmen, dass diese eingebrannt und ein Automatismus sei, und unsere Kritik als eine fördernde Kraft fürs Entpuffen oder zur Unterbindung dieser automatisierten Prozesse zu verstehen. Offen ist da für dich nur noch die Frage, in welchem Kräfteverhältnis die beiden Instanzen stehen und wie lange die Macht der Gewohnheit wohl zum Abklingen braucht. Damit bist du mitten drin in der psychologischen Weltanschauung, dass der Mensch ein Problem mit sich und den Kräften in seiner Psyche hat.

IV. Du führst mit alldem die wesentlichen Fehler vor, die wir an der Wissenschaft Psychologie kritisieren: Deine Erklärung der Psychologie des bürgerlichen Knechts ist eine Totalabstraktion von allen gesellschaftlichen Bedingungen, in denen die Leute zurechtkommen müssen, und vom Bewusstsein, mit dem die Leute damit umgehen. Du redest in einer ganz unsachlichen Weise über den Willen und das Bewusstsein der Leute, indem du all ihre Schwierigkeiten auflöst in ein Problem, das sie mit sich selbst haben. Und zwar in der besonderen Weise, dass du im Subjekt determinierende Kräfte ausmachst, die es daran hindern, sich frei betätigen und mit sich ins Reine kommen zu können. Diese Vorstellung vom Seelenleben ist eine abstrakte, unpersönlich-verallgemeinerte Fassung des Fehlers der psychologischen Selbstbetrachtung, die ganze Welt und die eigene Rolle in ihr als ein Problem der Stellung zu sich selbst zu begreifen. Du findest Freud und seine Trieblehre verkehrt, bist aber mit deiner Vorstellung vom Willen zur Kritik versus Gewohnheit gar nicht weit weg von dessen Konstrukt eines Seelenapparates, nur hast du andere Instanzen ausgemacht als er. All das hältst du gegen unsere Erklärung und servierst es uns als ein Problem, das wir doch in unserer Weltanschauung einer absoluten Willensfreiheit mehr berücksichtigen sollten.