Alle rufen nach "ökonomischen Reformen". Aber:
Was soll in der Wirtschaft der DDR eigentlich anders werden?

Die Entdeckung einer grundsätzlichen Reformbedürf­tigkeit auch der Wirtschaft hatte wahrhaftig keinen öko­nomischen Ausgangspunkt. Der war vielmehr die außen-­ und staatspolitische Niederlage der DDR, der unbrems­bare Flüchtlingsstrom. Erst die Lüge der SED von den "hausgemachten Gründen der Abwanderung" war es, welche die Wirtschaft ins Visier kritischer Verurteilung rückte. Die Selbstbezichtigung der SED war zwar un­wahr, aber dem Volke zugewandt; schließlich konnte sie nicht gut mit der Wahrheit herausrücken, wenn sie um die Erneuerung des Vertrauens werben wollte: etwa da­mit, daß die Staatskrise einzig auf das Versagen der Grenzanlagen beim Zusammenhalten des Staatsvolks, also auf den diesbezüglichen Verrat der Bündnispartner zurückgeht. Die falsche Selbstbezichtigung sollte Basis neuer Versöhnung und Grundlage neuer Zuversicht sein: Eine hausgemachte Misere müßte sich auch daheim und aus eigener nationaler Kraft bereinigen lassen.

Aus dem Buch
1989 | 336 Seiten | 8,00 € | bestellen
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Länder und Abkommen
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