„Wir sind es wert“: über den wahren Wert der Beschäftigten

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 2-12 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

„Wir sind es wert“:
Die Gewerkschaft Verdi klärt auf über den wahren Wert der Beschäftigten im öffentlichen Dienst – Mickerlohn + 6,42 % : 2

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Die Tarifrunde im öffentlichen Dienst bestreitet die Gewerkschaft Verdi mit der Parole: „Wir sind es wert“. Warum die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes künftig mehr Geld verdienen sollen, begründet die Gewerkschaft so:

„Sie räumen unseren Müll weg, sorgen sich um uns, wenn wir krank sind. Sie sind für uns da, wenn wir ihr Wissen und ihre Unterstützung auf dem Amt benötigen. Sie kommen, wenn`s brennt. Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst – wir brauchen sie.“ (ver.di, Tarifrunde ÖD)

Frage: Wie rechnet man den Gebrauchswert einer Tätigkeit, die hohe Wertschätzung ihres Nutzens in Geld um? Nach welcher Formel? Stellt man die Frage ernsthaft, blamiert sie sich als absurd: Die Leistungen der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sind teils unbezahlbar – man denke nur an die Feuerwehr, wenn es brennt –, teils völlig nutzlos bis ärgerlich – jeder Amtsbesucher kann davon ein Lied singen. Nutzen und Preis der Dienste stehen eben in gar keinem Verhältnis zueinander.

„Wir sind es wert“:
Die Gewerkschaft Verdi klärt auf über den wahren Wert der Beschäftigten im öffentlichen Dienst – Mickerlohn + 6,42 % : 2

Die Tarifrunde im öffentlichen Dienst bestreitet die Gewerkschaft Verdi mit der Parole: „Wir sind es wert“. Warum die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes künftig mehr Geld verdienen sollen, begründet die Gewerkschaft so:

„Sie räumen unseren Müll weg, sorgen sich um uns, wenn wir krank sind. Sie sind für uns da, wenn wir ihr Wissen und ihre Unterstützung auf dem Amt benötigen. Sie kommen, wenn`s brennt. Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst – wir brauchen sie.“ (ver.di, Tarifrunde ÖD)

Frage: Wie rechnet man den Gebrauchswert einer Tätigkeit, die hohe Wertschätzung ihres Nutzens in Geld um? Nach welcher Formel? Stellt man die Frage ernsthaft, blamiert sie sich als absurd: Die Leistungen der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sind teils unbezahlbar – man denke nur an die Feuerwehr, wenn es brennt –, teils völlig nutzlos bis ärgerlich – jeder Amtsbesucher kann davon ein Lied singen. Nutzen und Preis der Dienste stehen eben in gar keinem Verhältnis zueinander.

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Die Gewerkschaft schafft das Unmögliche. Sie verfügt über eine Formel, nach der sich Nutzen in Geld umrechnen lässt, und tritt mit der zur Tarifrunde an. Sie rechnet aus, dass Feuerwehrleute, Straßenreiniger und Altenpfleger genauso viel wert sind wie bisher + 6,5 %. Also immer noch ziemlich wenig. Offenbar glaubt Verdi selbst nicht, dass die Wertschätzung der Allgemeinheit eine besonders lohnförderliche Wirkung besitzt.

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Zu Recht. Denn für Wertschätzung gibt es nichts. Ein Entgelt, gar ein aufgebessertes, gibt es nur, wenn Druck gemacht wird. Denn der Lohn, auch in einem noch so wertvollen öffentlichen Dienst, enthält einen Interessengegensatz. Die Arbeitgeberseite stellt das knallhart klar. Sie hält das Argument der Wertschätzung nicht einmal der Zurückweisung für wert, sondern verweist schlicht darauf: „Unsere Kassen sind leer.“ – Ende der Durchsage.

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Wofür steht dann die Sache mit der Wertschätzung? Warum reitet die Gewerkschaft so darauf herum? Damit verleugnet sie den Interessengegensatz, der beim Lohn besteht. Sie verleugnet ihn, indem sie eine allseitige Harmonie beschwört, die sich über die Wichtigkeit des Dienstes für das Gemeinwesen doch auch bei dessen Verwaltern, Bund und Kommunen, einstellen müsste. Die Gewerkschaft betreibt den Widerspruch, einerseits eine Forderung durchfechten zu wollen, und andererseits beim Aufstellen der Forderung von der Fiktion einer Interessenharmonie auszugehen, die die Absage ist, dass sie diesen Interessengegensatz betreiben will.

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Das Resultat sieht entsprechend aus. Die Forderung wird halbiert und um ihre soziale Komponente (200 € mehr für die unteren Lohngruppen) amputiert. Die Gewerkschaft hält das Ergebnis für beachtlich und rechnet vor: Wenn man die Lohnerhöhung von 3,5 % bis Januar 2012 und die für das nächste Jahr vereinbarten 2,8 % addiert, dazu noch einen Zinseffekt hineinrechnet (der sich daraus ergibt, dass die Gewerkschaft die Erhöhung für 2012 zweimal in Anschlag bringt: als Lohnerhöhung und als Geldsumme, die sich 2013 um 2,8 % verzinst), dann ergibt sich ein Resultat von 6,42 %, das ganz nah an den geforderten 6,5 % liegt.

Das Ergebnis ins Verhältnis zur Parole des Streiks zu setzen, das versagt sich die Gewerkschaft. Dass die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes im Durchschnitt ein bisschen mehr wert sind als das Existenzminimum der Hartz-IV-Bezieher, diese Auskunft wollen weder Führung noch Basis hören.


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