Kinderkrippenstreit

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 2-07 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Katholischer Bischof vs. christdemokratische Familienministerin:
„Gebärmaschine“? Nein – selbstbestimmter „Lebensentwurf“!

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In einer Hinsicht kann man dem wenig beliebten Augsburger Bischof Mixa nicht widersprechen. Wenn er gegen die „neue Familienpolitik“ der großen Koalition einwendet – „Diese Politik ist vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräftereserve für die Industrie zu rekrutieren und sie zu Gebärmaschinen zu degradieren“ –, dann hat er einen Fakt auf seiner Seite. Frauen werden – ob aktiv oder in Reserve – als Arbeitskräfte benötigt und rekrutiert, und ein Ende ist nach Auskunft deutscher Unternehmenschefs nicht abzusehen.

Katholischer Bischof vs. christdemokratische Familienministerin:
„Gebärmaschine“? Nein – selbstbestimmter „Lebensentwurf“!

In einer Hinsicht kann man dem wenig beliebten Augsburger Bischof Mixa nicht widersprechen. Wenn er gegen die „neue Familienpolitik“ der großen Koalition einwendet –

„Diese Politik ist vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräftereserve für die Industrie zu rekrutieren und sie zu Gebärmaschinen zu degradieren“ –,

dann hat er einen Fakt auf seiner Seite. Frauen werden – ob aktiv oder in Reserve – als Arbeitskräfte benötigt und rekrutiert, und ein Ende ist nach Auskunft deutscher Unternehmenschefs nicht abzusehen:

„Unternehmenschefs beteuern von morgens bis abends, dass in einigen Jahren auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland nicht mehr genug qualifizierte Arbeitskräfte zu finden sein würden, wenn der Anteil der Frauen nicht kräftig steige.“ (FAZ, 14.3.07)

Lässt man das mit dem „qualifiziert“ mal offen – schon jetzt arbeiten 16 Millionen Frauen in Deutschland und stellen damit fast die Hälfte der Erwerbsbevölkerung. Ein Leitartikler der „Süddeutschen“ hält das für ein probates Mittel gegen Armut:

„Mit der Berufstätigkeit der Frau lässt sich Armut effektiv bekämpfen. Denn sobald in einer Familie beide Partner arbeiten, sinken die Armutsquoten drastisch“. (SZ, 3.4.)

Die Auskunft ist also: Die Familien sind arm. Frauen – Tendenz steigend – arbeiten, um die Armut „bekämpfen“ zu können – für die meisten dieser 16 Millionen ein Zwang, denn die Familien sind auf ein zweites Einkommen angewiesen. Es mag schon sein, dass sie dann über der gesetzlich definierten Armutsgrenze liegen, vielleicht sogar „die Armutsquoten drastisch sinken“, aber von einer Abschaffung der Armut kann nicht die Rede sein. Werden Frauen bei den Unternehmenschefs vorstellig, empfangen sie diese mit offenen Armen, freilich müssen sie sich zwei Mängel vorhalten lassen: Erstens fehlt es ihnen an beruflicher Erfahrung, zweitens sind sie aufgrund ihrer biologischen Beschaffenheit ein Ausfallzeiten-Risiko. Diese „Argumente“ führen zu einem als äußerst ungerecht beklagten, aber auch äußerst haltbaren Frauenlohnabschlag – von ihren 50 % des Männerlohns in den Anfängen der BRD hat sich Frau mittlerweile auf 75 % hochgearbeitet. Mit diesem Lohn reihen sich die Frauen in die notorischen Rationalisierungswellen und Reallohnsenkungen ein, sind von ihnen ganz gleichberechtigt betroffen, und sie leisten mit ihrem Niedriglohn gezwungenermaßen einen weiteren Beitrag zum allgemeinen Einkommensschwund. So sehen sich dann weitere Familien zur „Armutsbekämpfung“ genötigt – Geldmangel und Mehrarbeit treiben einander voran.

Diese Notlage ist die bleibende Grundlage für die Nachkriegserrungenschaft der „Emanzipation der Frau“ – sie steht ja nun im Beruf ihren Mann, was ohne eine „Wandlung des traditionellen Frauenbildes“ nicht abgeht. Einen Nachteil hat die Errungenschaft freilich auch: So zur Emanzipation gedrängte Frauen überlegen sich dreimal, ob sie Kinder kriegen wollen. Egal, ob sie in einer Doppelverdiener-Beziehung stecken, die eher mit einem knappen Familienbudget kalkulieren muss, oder („Akademikerinnen“!) in einer gut situierten Ehe – Kinder stellen einen Widerspruch zur Berufstätigkeit der Frau dar: Für den größeren Teil der erwerbstätigen Frauen bringen sie Lohnausfall und erschwerte Rückkehr in den Beruf mit sich, die sie sich nicht leisten können, und für den kleineren Teil der erwerbstätigen Frauen eine Beeinträchtigung ihres gehobenen Lebensstandards und/oder ihrer Selbstverwirklichung im Beruf, die sie sich nicht leisten wollen.

Diesen Widerspruch hat der Staat mit mannigfachen Hilfen wie Kindergeld, Mutterschutz usw. aushaltbar machen wollen, die Geburtenrate hat ihn trotzdem nicht ausgehalten – sie sinkt konstant. Das ist dramatisch – für den Staat, der ein allmähliches Absterben seines original deutschen Volkes befürchten muss. Die neue Familienministerin wurde deswegen beauftragt, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, auch „unkonventionelle“. Als erstes hat sie das Elterngeld eingeführt, das die Bessergestellten zur Produktion guten Volkes anreizen soll und sich dabei ungerührt über den Vorwurf der „sozialen Ungleichheit“ hinwegsetzt (s. GS 4-06). Nun hat sie sich vorgenommen, etwas für die Kinderbetreuung zu tun, und sie will dafür die Krippenplätze – in die Kleinkinder ab 3 Monate gegeben werden können – deutlich, nämlich auf 750 000 aufstocken und viel Geld dafür mobilisieren. Das ist eine merkliche Relativierung der bisher favorisierten Methode, Familien, in denen die Mütter zwecks Betreuung zu Hause bleiben, mit Zuwendungen zu unterstützen, es ist sogar im Gespräch, den zusätzlichen Aufwand für die Krippenplätze durch Abzüge beim Kindergeld „gegenzufinanzieren“, also die Hausfrauen-Familie schlechter zu stellen. (Übrigens gut dafür geeignet, in typisch demokratischer Manier durch sachkundiges Herummäkeln an Finanzierungsfragen offene oder versteckte Opposition anzumelden, den Höhenflug der Ministerin in den eigenen Reihen ein wenig zu bremsen, parteipolitisches Profil zu entwickeln ...) So stellt sich die Große Koalition auf die – inzwischen auch für Christdemokraten nicht mehr so neue – „Lebensrealität“ ein. Wenn es denn so ist – denn den Kapitalisten und ihren „Sachzwängen“ will die Regierung gewiss keine Steine in den Weg legen, obwohl die mit ihrer Herstellung und Ausnutzung familiärer Notlagen nicht ganz unschuldig an der Kinderarmut sind – und viele und immer mehr Frauen arbeiten und deswegen keine Kinder gebären, wenn der Staat aber gleichzeitig von ihnen Kinder haben will, dann muss er Frauen ermöglichen, Kinder zu bekommen. Den Frauen, die sich das wünschen, genügend Geld zu geben, um sie vom Arbeitszwang zu befreien, kommt natürlich nicht in Frage, würde das doch eine Einschränkung ihrer nützlichen Dienste für „die Wirtschaft“ bedeuten. Vielmehr muss er ihnen dabei helfen, wegen ihres Angewiesen-Seins auf die Arbeit die Arbeitsunterbrechung möglichst kurz zu halten - so können sie die „Belastung durch das Kind“ aushalten und es sich leisten. Unterstellt ist dabei der weiterhin vorhandene Kinderwunsch, der nicht zum Zuge kommen konnte, den der Staat nun aber nach dem finanziellen Anreiz des Elterngeldes zusätzlich mit einem indirekten finanziellen Anreiz, nämlich der Möglichkeit, das Kind abzugeben und schneller wieder Geld zu verdienen, zum Zuge kommen lässt. So anerkennt er die Vorrangigkeit der Arbeit, denn nur so lässt sich das Auseinandertreten des Arbeitskräftebedarfs des Kapitals und des Menschenbedarfs des Staates wieder heilen.

Das hat den Zorn des Bischofs so sehr erregt, dass er beinahe zum Kapitalismuskritiker geworden ist und er sich die Sache mit den „Gebärmaschinen“ hat einfallen lassen. Die Sorge des Staates, es könnte ihm sein deutsches Menschenmaterial ausgehen, kann er noch gut nachvollziehen, aber es geht ja wohl nicht an, dass über der Förderung der biologischen Keimzelle des Staates der sittliche Auftrag der Familie zuschanden wird. Das ist nämlich für den Bischof bei dieser Art der Kinderbetreuung sonnenklar. Nicht dass er grundsätzlich etwas gegen Krippen hätte – die unterhält er selbst in seiner Diözese –, aber die sind gedacht als Ausnahme und Notbehelf, zum Beispiel für Teenager oder abtreibungsgefährdete Frauen. Mit der „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, wie sie die Familienministerin propagiert, geht die Sache aber zu weit: In der darin anerkannten Vorrangigkeit des Berufs sieht der Bischof den Erwerbssinn über den Familiensinn gestellt, was für ihn ein systematischer Angriff auf die heilige Mutter-Kind-Beziehung ist. Herausgefordert sieht er sich durch die Verwandlung von Frauen in Arbeitskräfte, sofern dadurch die Würde der Frau angegriffen wird. Das Arbeiten-Müssen selbst verletzt diese Würde nicht, wenn aber die arbeitende Frau Mutter wird, dann ist sie zu ihrer Würdehöchstform aufgelaufen und es darf von einer ‚Vorrangigkeit‘ der Arbeit nicht mehr die Rede sein. Dann muss die Mutter Mutter sein, und zwar mit Leib und Seele. Schließlich ist ihr die Gnade zuteil geworden, Leben zu schenken, eine Gnade, die die Natur nach Gottes Plan ausschließlich ihr vorbehalten hat. Hat sich die Gnade in Form des Kindes materialisiert, hat das Lebensinhalt der Eltern zu sein, haben alle anderen Interessen dahinter zurückzustehen. Nach orthodoxer katholischer Lehre, der sich bis neulich auch die christdemokratischen Parteien verpflichtet sahen, ist es also naturwidrig, wenn das Kind nicht von der Mutter betreut wird, denn in ihm erfüllt sich ihre von Gott zugewiesene Bestimmung; umgekehrt verkörpert das Kind der Mutter gegenüber den Anspruch auf Selbstaufgabe und ist freudig anzunehmendes Opfer. Nur dieses praktizierte Selbstbewusstsein der zur Mutter gewordenen Frau garantiert dann, dass aus dem Kind ein guter Mensch wird bzw. eine „Persönlichkeit“ – Wir müssen klar und eindeutig sagen, dass die Familie der natürliche Raum ist, in dem sich Kinder entfalten können, so dass sie in ihrem Leben wirkliche Persönlichkeiten sind (Kardinal Meisner) –, denn nur in der naturhaften Verbundenheit mit der Mutter kann das Kind deren Tugendhaftigkeit erleben, einsaugen und sich diese Tugendhaftigkeit als lebenslang wirkendes Vorbild zu Herzen nehmen (und, so Mixa, aufgrund dieser naturhaft vorgeschriebenen Entwicklung auch noch ein größeres Gehirn entwickeln als Kinder ohne solche aufopfernden Mütter). Das Kind der Mutter schon in zartem Alter zu entfremden, ist also ein einziger Anschlag: Die Mutter erspart sich das Opfer und erliegt stattdessen einem Materialismus – einem selbst zu verantwortenden, nämlich sich lieber in die „Arbeitskräftereserve“ einzugliedern, als sich um das Kind zu sorgen, und einem fremdgesteuerten, nämlich dem von Kapital und Staat, die diese „Arbeitskräftereserve“ haben wollen. Das stiftet zwei Leidtragende: Die Mutter, die ihre wahre Erfüllung nicht finden kann und zur „Gebärmaschine“ wird – eine Vokabel, die der Bischof listig den Feministinnen, die der Kirche mal vorwarfen, Frauen eben dazu degradieren zu wollen, geklaut hat und womit er ein wenig späte Rache übt; und das Kind, das unter fremder Obhut garantiert nicht mit ausreichend natürlich mütterlicher Tugendhaftigkeit versorgt wird – mit fatalen Folgen für die Kindesentwicklung und die sittliche Verfasstheit der Gesellschaft.

Mit seinem Familienbild trifft der Bischof auf den heftigen Widerstand der großen Mehrheit der Frauen, insbesondere der arbeitenden. Das lassen sie sich nicht nachsagen: sie würden dermaßen herzlos mit dem Kind – ob schon vorhanden oder angedacht – rechnen und umgehen; und erst recht lassen sie sich nicht nachsagen, sie würden einer schnöden Berechnung des Staates auf den Leim gehen. Selbstverständlich lieben sie ihre Kinder, vielleicht sogar noch mehr als die traditionellen Mütter, da sie aufgrund der zeitlichen Einschränkung den Wert des Kindes noch viel mehr zu schätzen gelernt haben und die ihnen mit dem Kind verbleibende Zeit viel bewusster zubringen, also viel mehr Liebe, Aufmerksamkeit und pädagogischen Eifer rüberbringen. Ihre Fürsprecher in den Talkshows nehmen dann nicht nur diese Mütter in Schutz, sondern erst recht die Krippen, wofür sie auf eine Fülle neuerer Ergebnisse aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen verweisen können. Auch der Freistaat Bayern, der Reformen dieser Art immer sehr bedacht angeht, weiß, dass diese Ergebnisse seit geraumer Zeit bekannt, aber noch nicht befriedigend umgesetzt worden sind, was daran liegt, dass die Kinderbetreuung noch nicht in einer kulturell vielfältigen, sozial komplexen und hoch technisierten Welt, die beschleunigten Wandel aufweist, angekommen ist. Das muss dringend nachgeholt werden: Die Gestaltung von Bildungskonzepten ist grundlegend zu reformieren (Der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung (BEP), S. 17 u. 19) – und diese Reform weist eindeutig in eine Richtung: Wenn das Kind mit dem „gesellschaftlichen Wandel“ zurechtkommen und sich die fürs Mitmachen bei diesem Wandel erforderlichen „Kompetenzen“ erwerben soll (eine besonders schöne nennt sich „Resilienz“ und meint die Fähigkeit, mit Rückschlägen und Enttäuschungen fertig zu werden – sicherlich sehr lebensnah, aber ob’s hilft ...), dann ist es mit der Fixierung auf die Mutter, mit dem eingeschränkten Horizont dieser „Bezugsperson“, gar nicht gut bedient; dann muss Offenheit her, wechselnde „Bezugspersonen“, Kontakt und Konflikt mit Kindern gleichen Alters, wechselnde Umgebung usw. usf. – eben alles, was die Wissenschaft schon längst als günstige Bedingungen für die Entwicklung des Kindes proklamiert, was aber bislang irgendwie nicht auf rechte Anerkennung traf und „noch nicht befriedigend umgesetzt worden“ ist ... Und wenn die Fürsprecher einer modernen Kinderbetreuung so richtig in Fahrt kommen, lassen sie sich von dem abschreckend gemeinten Verweis auf die „indoktrinierende“ Kinderbetreuung in der DDR – den ein Mixa gerne bemüht – überhaupt nicht beeindrucken, sondern freuen sich darüber, dem Mixa eine „um sich greifende Verwahrlosung“ in „seinen“ Familien hinreiben zu können, um also den moralischen Ruin, den er an die Wand malt, ihm und seinem Familienbild anzukreiden – womit klar ist: Die Sittlichkeit der modernen Familie steht außer Frage, sie ist sogar die bessere.

Der Bischof ist also, was die wissenschaftlichen „Ergebnisse“ angeht und überhaupt, „rettungslos veraltet“. Moderne Frauen haben sich ein anderes Familienbild ausgedacht, das ihrem Selbstbewusstsein viel mehr entspricht und ihm Raum verschafft. Deswegen gehen sie auch gerne der Familienministerin auf den Leim: Die anerkennt nicht bloß ihre zeitgemäße „Lebensrealität“ – Wir sollten nicht versuchen, die fünfziger Jahre wiederauferstehen zu lassen –, sondern lobt die Frauen ausdrücklich dafür, diese „Lebensrealität“ in freier Verwirklichung ihres ganz eigenen „Lebensentwurfes“ geschaffen zu haben – eine dreiste und berechnende Idealisierung der Zwangsverhältnisse, die der Kapitalismus den Familien aufhalst. Die Ministerin verwandelt sie in lauter Schwierigkeiten, die lebenstüchtige Menschen vor „Herausforderungen“ stellen – und deutsche Frauen und ihre Familien wollen sich diesen „Herausforderungen“ stellen, haben ihr „Leben“ so „entworfen“, dass sie sie bewältigen können. So kontrastiert das Leyen’sche „Frauenbild“ sehr schön zu dem veralteten, fast schon frauenfeindlichen des Bischofs Mixa, das die Frau zu einer passiv-untertänigen Rolle verdammt, weswegen man ihrem Lob der Frau ihre Frauenfreundlichkeit entnehmen soll. All ihre Maßnahmen dienen ganz sicher dem Wohle der Frau, ihrer „Selbstverwirklichung“ auch unter „schwierigen Umständen“. Wenn die Frau dann – wieder – den „Entschluss zum Kind“ fasst und den Kinderwunsch des Staates verwirklicht, tut sie das definitiv nicht als „Gebärmaschine“, sondern weil das nun mal in ihrem „Lebensentwurf“ so vorgesehen ist. So ist beiden Seiten gedient.

*

Die Bischofskonferenz im April fängt den etwas wildgewordenen Kollegen ein, indem man sich auf den schönen demokratischen Titel „Wahlfreiheit“ einigt: Der Staat müsse sicherstellen, dass über das neue Angebot ‚Krippenplätze‘ nicht die „konventionelle“ Familienförderung ins Hintertreffen gerate, er müsse der „klassischen“ Mutter-Kind-Beziehung weiterhin genügend Aufmerksamkeit, d.h. Geld widmen, also den Bestand dieses „Modells“ staatlich garantieren; gegen die Ausweitung der Krippenbetreuung will man dann nicht opponieren. In der Sache steht die Bischofsversammlung hinter ihrem bekennenden Fundamentalisten: Der von Gott verschweißte Zusammenhalt von Mutter und Kind ist und bleibt Glaubensgebot, und jede Familie, die in ihre Nähe gerät, wird von der Kirche in diesem Sinn indoktriniert. Dass der Zeitgeist gegen sie steht, ist den Bischöfen bewusst, beugen werden sie sich ihm allerdings nicht, sondern unbeirrt dagegen ankämpfen. Trotzdem kommt die Kirche, will sie ihren gesellschaftlichen Platz behaupten, um ein gewisses Arrangement nicht herum: Der eifernde Glaubensbruder bekommt keine Abmahnung, wird aber dazu bewegt, wieder ins zweite Glied zurückzutreten und nicht weiter Anstoß zu erregen – solange es halt geht. So hat die Kirche ihr gewichtiges Wort von sich gegeben, sich berechnend relativiert, und ihre Kompetenz als seelsorgende Vermittlerin zwischen geistlichen und weltlichen Anforderungen bewiesen.


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