Israel „dient dem Frieden“

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 3-08 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Mitten im schönsten EM-Fieber noch ein Beitrag zur friedlichen Völkerverständigung: Si vis bellum, para pacem!
„Im nahen Osten Bewegung an vielen Fronten“ und alles dient wie immer nur dem Frieden.

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Wenn Israels Sicherheitsinteressen die Isolierung des Gaza-Streifens gebieten, das Aushungern der Bevölkerung und auch den einen oder anderen militärischen Einsatz zur Zerschlagung der Hamas und Brechung der letzten Reste eines palästinensischen Widerstands, reichern Deutschlands große Tageszeitungen ihre idiotische Rede vom „Friedensprozess“, der in der Region zugange sei, gerne um eine Metapher an: Von einem „Knoten“ sprechen sie dann, der sich – vorübergehend, versteht sich – verwickelt habe.

Mitten im schönsten EM-Fieber noch ein Beitrag zur friedlichen Völkerverständigung: Si vis bellum, para pacem! Im nahen Osten Bewegung an vielen Fronten (FAZ, 19.6.), und alles dient wie immer nur dem Frieden

Wenn Israels Sicherheitsinteressen die Isolierung des Gaza-Streifens gebieten, das Aushungern der Bevölkerung und auch den einen oder anderen militärischen Einsatz zur Zerschlagung der Hamas und Brechung der letzten Reste eines palästinensischen Widerstands, reichern Deutschlands große Tageszeitungen ihre idiotische Rede vom Friedensprozess, der in der Region zugange sei, gerne um eine Metapher an: Von einem Knoten sprechen sie dann, in den der sich – vorübergehend, versteht sich – verwickelt habe. Wenn Israel im Namen seiner Sicherheit dann Vorkehrungen für angebracht hält, die für einen Berichterstatter hierzulande besser in sein vorgefertigtes Bild von der friedfertigen jüdischen Regionalmacht passen, hat er damit auch schon die nächste metaphorische Krücke in Händen, die Frohbotschaft vom Frieden, an dem unermüdlich gearbeitet werde, festzuklopfen. Israel bietet Libanon Frieden an, Waffenruhe mit der Hamas, Gespräche mit Syrien, überhaupt will Jerusalem Konflikte an allen Grenzen entschärfen (SZ, 19.6.) – und kaum liest man die Nachrichten, weiß man auch schon, was sie zu bedeuten haben. Das sind Lockerungsversuche am Knoten (SZ, 18.6.), verdienstvolle Bemühungen, an den Fäden der verknoteten Konflikte im Nahen Osten zu ziehen (FAZ, 19.6.), und auch wenn sich über deren Ausgang nichts Gewisses sagen lässt, steht eines doch fest: Viele ziehen derzeit am Knoten in Nahost, aber nur so könnte er sich lösen (SZ, 18.6.). Dass jetzt auch die Israelis mitziehen, kann man ihnen gar nicht hoch genug anrechnen, wir können also weiter zuversichtlich sein.

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Der Solidität der Urteilsbildung und ihrer doch sehr erfreulichen Tendenz, was den Frieden in der Region betrifft, tut es nicht im mindesten Abbruch, dass sich im kleiner gedruckten Text der Nachrichten das strikte Gegenteil der schönfärberischen Botschaft entnehmen lässt, die ihnen als Leseanleitung voransteht. Über die Natur des Interesses, das Israel mit seinen angebotenen Friedensgesprächen auf den Weg bringt, wird man jedenfalls bestens ins Bild gesetzt: Die für so löblich befundene Waffenruhe mit der Hamas ist der vorläufige und befristete Ersatz der großangelegten Militäroffensive im Gaza-Streifen (SZ, 19.6.), die Israel den Islamisten im Vorfeld ultimativ angedroht hatte und hiesigen Kommentatoren zu so ungemein kritischen Bedenken Anlass gibt, ob man angesichts des vergeigten Feldzugs im Libanon da nicht doch zu sehr auf die Allmacht des Militärs (ebd.) setze. Diesen abgebrühten Experten des nahöstlichen Friedensprozesses spricht daher nicht nur der politische Grundsatz ganz aus dem Herzen, mit dem sie den israelischen Generalstabschef zitieren: Wir müssen der Ruhe eine Chance geben – aber den Krieg vorbereiten. Wir sind auf Kollisionskurs. (FAZ, 19.6.) Ihnen ist auch bekannt, gegen welchen Feind sich Israel da auf Kollisionskurs begeben hat und seinen nächsten Krieg vorbereitet: Es spricht allerdings vieles dafür, dass sich Israels Führung schon längst nicht mehr vor den Palästinensern fürchtet, und auch nicht vor Syrien oder der libanesischen Hisbollah. Der wirkliche Feind heißt Iran. (SZ, 19.6.) Und kaum bringen sie auf ihre parteiliche Manier – Krieg führt Israel immer nur gezwungenermaßen, gegen Bedrohungen, die es zurecht fürchten muss – zur Sprache, dass Israel sich mit seinen großartigen Friedensversuchen an den subalternen Konfliktfronten mit seinen Anrainern offenbar nur Entlastung für den Krieg zu verschaffen sucht, den es gegen den Iran plant, schon sind sie im nächsten Zug wieder bei ihrem Thema, beim Frieden, dessen Prozess einfach nicht aufgehalten werden darf: Ein solcher Militärschlag aber würde...die vielen nur mühsam gedämpften Feuer im Nahen Osten, und nicht nur dort, wieder auflodern lassen. Wer dies verhindern will, muss Jerusalem beruhigen – und zudem Teheran bedrängen, das Spiel mit dem Feuer zu lassen. (SZ, 19.6.) Wir wissen also, dass Israel im Kleinkrieg gegen die Palästinenser auf Waffenruhe drängt, um sich im großen Krieg gegen den Iran mehr Handlungsfreiheit zu verschaffen. Wir sind uns in den Redaktionen der FAZ und der ‚Süddeutschen‘ völlig sicher, dass nicht etwa Israel mit dem Feuer spielt, sondern die Mullahs aus Teheran, die von Israel mit Krieg bedroht werden. Damit steht unsere Aufgabe fest: Wir, die Freunde des Friedens, müssen die Mullahs diplomatisch zum Einknicken bringen – als Äquivalent für den israelischen Überfall, weil der dann ja gar nicht mehr stattzufinden braucht!


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