Eine Woche ARD-Börsennachrichten

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 3-16 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Eine Woche ARD-Börsennachrichten
Der abendliche „Blick in die Welt des Geldes“ mit Anja Kohl und Co.

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Kurz vor der Tagesschau und ihrem Blick auf Deutschland und die Welt wendet sich in der ARD regelmäßig zur besten Sendezeit noch eine andere Nachrichtenredaktion für circa anderthalb Minuten an die Fernsehzuschauer. Dann ist ‚Börse vor acht‘. Direkt vom Parkett der Frankfurter Börse schicken die Moderatoren das Angebot in die Wohnstuben der Nation, am Börsengeschehen ideell teilzuhaben.

Der Blick ist im Wesentlichen auf eine vier- bis fünfstellige Zahl ohne Maßeinheit fixiert, die deswegen so aufregend ist, weil ihr Auf und Ab gemeinhin den Gesundheitszustand der deutschen Wirtschaft ausdrückt, von dem ja, wie gleichfalls bekannt ist, letztlich die Zukunft von allen und allem abhängt. Die aufgeklärte moderne Gesellschaft versteht sich offenbar darauf, das Schicksal ihrer produktiven Anstrengungen den Bewegungen einer Zahl zu entnehmen, die zu denen in einem schon sehr aparten Verhältnis steht: Sie wird gebildet, indem nach bestimmten Regeln der Zuwachs bzw. Verlust an Geldreichtum zusammengezählt wird, den die Eigentümer der Anteilsscheine an den wichtigsten deutschen Unternehmen gegenüber dem Vortag verzeichnen. Diese Eigentümer sind die Welt des Geldes. Ihr Handeln bestimmt das Wirtschaftsleben mitsamt seinen menschlichen Anhängseln, ohne dass sie zu dem irgendeinen materiellen Beitrag leisten würden. Ihr produktives Tun besteht im rechtzeitigen Verkaufen und Kaufen der einmal von Firmen in die Welt gesetzten Wertpapiere, die darüber eine stets neue Bewertung erfahren, aus der sie dann entnehmen können, wie es um ihren Reichtum gerade bestellt ist.

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