Antiterroristische Landeskunde, diesmal: Jemen

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 1-10 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Antiterroristische Landeskunde, diesmal: Jemen

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„Lange Jahre hat sich für das Armenhaus der arabischen Welt kaum jemand interessiert. Seit ein junger Nigerianer am Weihnachtstag in einem vollbesetzten Airbus eine von al-Qaida im Jemen präparierte Hosenbombe zu zünden versuchte, zieht das Land an der Südspitze der Arabischen Halbinsel plötzlich wieder die internationale Aufmerksamkeit auf sich.“ (dieses und die folgenden Zitate aus der Zeit online 25.1.10).

Dem Anlass für die neue Aufmerksamkeit seitens der politisch Zuständigen entsprechend fallen dann auch die Auskünfte seitens der Zeit aus, ihrerseits zuständig für die politische Bildung der höheren Stände

Antiterroristische Landeskunde, diesmal: Jemen

„Lange Jahre hat sich für das Armenhaus der arabischen Welt kaum jemand interessiert. Seit ein junger Nigerianer am Weihnachtstag in einem vollbesetzten Airbus eine von al-Qaida im Jemen präparierte Hosenbombe zu zünden versuchte, zieht das Land an der Südspitze der Arabischen Halbinsel plötzlich wieder die internationale Aufmerksamkeit auf sich.“ (dieses und die folgenden Zitate aus der Zeit online 25.1.10).

Dem Anlass für die neue Aufmerksamkeit seitens der politisch Zuständigen entsprechend fallen dann auch die Auskünfte seitens der Zeit aus, ihrerseits zuständig für die politische Bildung der höheren Stände:

„Der Norden wird von einem Bürgerkrieg verwüstet, die Südprovinzen wollen raus aus der Union. Die mageren Erdölvorkommen, die bislang den Staatshaushalt finanzierten, gehen zur Neige. Und immer öfter werden Jemen und Afghanistan in einem Atemzug genannt. Beide zählen zu den rückständigsten Regionen der Erde. Ihre Regierungen sind schwach und korrupt, die Bevölkerung ist arm und vielfach antiwestlich eingestellt. (…)
Am Mittwoch will sich die internationale Gemeinschaft nun in London mit dem Sorgenland am Golf von Aden befassen …
Von der Vorgängerkonferenz 2006 liegen nach wie vor 4,7 Milliarden Dollar für Schulen, Wirtschaftsförderung und Straßenbau auf der hohen Kante. Sie wurden bisher nicht ausgezahlt, weil die Geberstaaten fürchten, dass die Mittel sofort in dunklen Kanälen verschwinden. (...)
Europa und die USA erwarten ein konsequenteres Vorgehen gegen al-Qaida und gleichzeitig ein rasches Ende des verheerenden Bürgerkriegs im Norden. Und die internationale Gemeinschaft ist entschlossen, gegenüber Präsident Ali Abdullah Saleh auf politische Reformen zu pochen – Pressefreiheit, Menschenrechte, freie Wahlen, eine unabhängige Justiz und einen effizienteren Regierungsapparat.“

Statt mit nicht vorhandenen Steuereinnahmen aus nicht vorhandenen marktwirtschaftlichen Privateinkommen einen ordentlichen Haushalt zu erstellen, aus dessen Mitteln der Staat und seine Funktionäre alimentiert werden, betreiben die Jemeniten Korruption mit den mageren Resten ihrer Öleinnahmen. Man muss sie also dazu erziehen, ordentlich und rechtsstaatlich mit finanziellen Hilfen des Westens zu wirtschaften – die ihnen solange vorenthalten werden, bis sie es auch ohne hinkriegen.

Statt unsere Feinde – nämlich die in weiten Teilen des Volkes ziemlich beliebten al-Kaida-Terroristen – zu bekämpfen, verplempert die Staatsführung die Schlagkraft der jemenitischen Armee mit Waffengängen gegen ihre Feinde, nur weil die gegen Einheit und Bestand des Landes anrennen. Man muss ihr also beibringen, welche staatlichen Gewaltorgien unter verheerender Bürgerkrieg und welche unter konsequentes Vorgehen fallen.

Statt gegenüber dem Staat auf Meinungsfreiheit dafür zu pochen, aus welchen Gründen auch immer prowestlich eingestellt zu sein, nutzt die Bevölkerung die nicht vorhandene Meinungsfreiheit dafür, aus welchen Gründen auch immer von Herzen antiwestlich eingestellt zu sein. Dem Volk muss somit beigebracht werden, dass aus seinem Elend auf keinen Fall die Feindschaft gegenüber dem Westen folgen darf und auf jeden Fall die Feindschaft gegenüber den Feinden des Westens folgen muss.

Jetzt kennt sich der Zeit-Leser auch in dieser Gegend aus.


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