Abgasversuche der Autoindustrie an Menschen und Affen

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 1-18 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Abgasversuche der Autoindustrie an Menschen und Affen
Eine kleine Skandal-Kunde

Überblick

Darf man Menschen zu Testzwecken giftige Abgase inhalieren lassen? Und darf man Affen zu Testzwecken giftigen Stoffen aussetzen?

So etwas darf man nicht nur, das muss man.

Aber darf man Affen deutsche Abgase einatmen lassen, damit der Diesel clean rüberkommt, von dem heute alle Welt weiß, dass er eben nicht sauber ist und die deutsche Autoindustrie sich betrügerisch über staatliche Grenzwerte hinweggesetzt hat?

Abgasversuche der Autoindustrie an Menschen und Affen
Eine kleine Skandal-Kunde

Darf man Menschen zu Testzwecken giftige Abgase inhalieren lassen? Das darf man nicht nur, das muss man: Schließlich werden nicht nur Testpersonen, sondern alle Mitglieder dieser Gesellschaft am Arbeitsplatz, im Straßenverkehr und nicht nur dort giftigen Stoffen und Chemieabfällen ausgesetzt. Da will der Staat wissen, in welcher Konzentration über welche Zeit mit welchen Folgen sie wirken: Wie viel von diesem oder jenem Gift hält der gesunde Normalmensch über längere Zeit aus? Das ermittelt die Wissenschaft an ihren Probanden. Die Ergebnisse solcher Forschung gehen in die politische Entscheidung über gesetzliche Grenzwerte ein, die die nötige Rücksicht auf das Überleben des Volkes und damit auf die Dauerhaftigkeit der schädigenden Geschäfte mit der Vergiftung versöhnen, die das Geschäft für seine Gesundheit einfach braucht.

Darf man Versuche in der vorgefassten Absicht durchführen, mit ihren Ergebnissen für die Unbedenklichkeit oder Förderlichkeit des eigenen Produkts zu werben? Man darf. Jeder macht’s, der das braucht und kann, oft einfach, um den Warnern vor Risiken und Gesundheitsgefahren, die von diesem Produkt ausgehen, und deren Beweisen etwas entgegenzusetzen. Was relativiert eine kritische Studie besser als eine Gegenstudie? Egal, wie konstruiert die statistischen Beweise sind: Das eigene parteiliche Machwerk konkurriert mit der Studie der Kritiker und stellt sie auf dieselbe Stufe. Eine Rufschädigung des Auftraggebers ist mit derart diensteifriger Forschung nicht verbunden, im Gegenteil: Der Gesetzgeber dokumentiert die Gewissenhaftigkeit seiner Meinungsbildung, wenn er bei der Zulassung neuer Medikamente und Chemikalien oder der Festlegung von Grenzwerten neben den Ergebnissen staatseigener Labore auch einander widersprechende private Testreihen berücksichtigt.

Darf man Affen, die mit dieser ganzen marktwirtschaftlichen Scheiße nun wirklich nichts zu tun haben, zu Testzwecken giftigen Stoffen aussetzen? Auch das darf man nicht nur, sondern man muss es. Es wäre unverantwortlich, all die Risikostoffe, die in Umlauf gebracht werden, gleich an Menschen auszuprobieren, solange man die Folgen nicht wenigstens ungefähr abschätzen kann.

Ein empörender Skandal aber liegt vor, wenn man Affen deutsche Abgase einatmen lässt, damit der Diesel clean rüberkommt, von dem heute alle Welt weiß, dass er eben nicht sauber ist und die deutsche Autoindustrie sich betrügerisch über staatliche Grenzwerte hinweggesetzt hat. Im Nachhinein wird ruchbar, dass die Autokonzerne vor der Aufdeckung von Dieselgate das Übliche taten: Sie haben Unbedenklichkeitsbeweise für ihr inzwischen aber durch und durch diskreditiertes Produkt beschafft. Das, nur das ist Missbrauch der edlen Wissenschaft und macht Tierversuche ethisch unerträglich: Affen in Abgaskammern – bei unserer deutschen Vergangenheit. Das geht gar nicht!


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