10 Jahre vereint

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 4-99 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Die 10-Jahre-Einheit-Feier: „Der Tag der Deutschen“

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Am 10. Geburtstag der Wiedervereinigung wird das Volk kritisiert: die Ostdeutschen, weil sie zu viel Anspruchsdenken zeigen, die Wessis, weil sie den Ossis die Identifikation erschweren.

Die 10-Jahre-Einheit-Feier: „Der Tag der Deutschen“

Womöglich hätte das deutsche Volk ganz vergessen, dass es am 9. November seinen zehnten Geburtstag hat. Aber dafür hat es ja seine Vertreter, und die machen von ihrem Recht ausgiebig Gebrauch. Erst mit dosiertem Anlauf in allen Organen für politische Kultur, dann, zum eigentlichen Ehrentag hin, eher pausenlos und aus vollem Rohr, sorgen die für den nötigen öffentlich-rechtlichen Meinungsterror, damit noch der Letzte von seinem Festtag Kunde erhält; und auch davon, dass ihm

eine wunderschöne Einheitsfeier

ins Haus steht. Um niemanden von der Verrichtung der wichtigen Dinge abzuhalten, die ein normaler Arbeitstag so mit sich bringt, begehen die Wichtigen im Staat die Feier praktischerweise gleich unter sich, aber natürlich stellvertretend für alle. Das stellt sicher, dass das Fest so richtig nach ihrem Geschmack ausfällt, dennoch aber niemand sagen kann, ihn ginge das alles nichts an. So ist die Nation geistig versammelt, und es kann losgehen. Beinahe, denn wer zu der kleinen repräsentativen Auswahl derer gehört, die die Deutschen mit einer kleinen Rede zu ihrer Einheit beglückwünschen dürfen, ist anfänglich nicht ganz klar. Auch noch „jemanden aus dem Osten“ möchten da einige, andere lieber nicht. Schon gleich nicht diese IM Hausfrau „aus dem einfachen Volk“, die als Vorschlag die Runde macht. „Peinlich, peinlich!“, beklagen sich dann wieder andere, doch letztlich findet man eine gesamtdeutsch befriedigende Lösung. Die Ex-DDR-Volksgenossen sind auf der Rednerliste ausgesprochen würdig repräsentiert, denn wer wüsste über das Übel, von dem sie erlöst wurden, besser Bescheid als der formelle Mitarbeiter Pfarrer, der der Behörde für lebenslanges Verfolgen von Stasi-Verfolgern vorsteht.

Damit kann die offizielle Stunde von „Rührung und gemessener Freude“ endlich anheben. Bescheiden, wie sie sind, loben die politischen „Architekten der Einheit“ nicht sich, sondern allein das gelungene Werk, das vor ihnen liegt: Die Geburt des einen Deutschland aus der Erledigung des falschen anderen. Sie danken Gorbatschow – und der Roten Armee postum – für das „große historische Geschenk“, das sie ja wirklich nur einsammeln mussten. Nachdem das erledigt ist, danken sie vor allem den „friedlichen Helden“ von damals. Haben ihre verkehrten alten Herren einfach stehen lassen, Respekt. Und sind unverzüglich wie ein Mann zu den neuen, den richtigen, übergelaufen, die schon bereitstanden. „Unglaublich“, dieser „Mut“. Ein echtes Volk. Und nun auch endlich unter dem richtigen Dach. Nochmals bravo!, Tusch und Vorhang.

Vor und nach der offiziellen Gala vermittelt ein unterhaltsames Rahmenprogramm auf allen Kanälen den weniger sensiblen Teilen des Volks die tiefere Bedeutung der Ehrung, die ihm in seiner Gesamtheit soeben zuteil wurde. Auch da sind 10 Jahre deutsche Einheit Anlass, das phantastische Ereignis der Geburt eindringlich vor Augen zu stellen und der Stunden zu gedenken, in denen Volk und Staat zueinander fanden – so waldursprünglich und distanzlos, wie es im gewöhnlichen nationalen Leben ja so furchtbar selten ist. Das ganze Volk stellt sich zu einem schwarz-rot-goldenen Jubelchor auf und entbietet der Nation ihren Hochgesang: das ist und bleibt einfach unvergessen, und daher dürfen die Deutschen von heute immer wieder die patriotische Glückseligkeit genießen, von der sie damals übermannt wurden. Wie die große Stunde ihres Staates ihnen selbst zum persönlichen Erlebnis wurde. Und sie einfach immer wieder nur „Wahnsinn!“ herausbrachten, als die deutschen Landesgrenzen sich plötzlich nach Osten verschoben. Wie ihnen das unter die Haut gegangen ist, was sie da „noch erleben durften“. Obwohl sie es ja gar nicht so recht verstanden. Und genau das soll in ihnen nach 10 Jahren wieder ein wenig lebendig werden. Ganz viele Bilder von damals zeigen ihnen, wie schön es doch war, also auch ist und bleibt, einfach nur als Deutscher unterwegs und glücklich zu sein. Was für ein Genuss, immer wieder die vielen Berliner zu hören, wie sie live bei der „Revolution“ mit dabei waren und es „gar nicht fassen“ konnten, dass sie gerade das DDR-Grenzregime niederkämpfen, mit Fahne und Sekt. Sogar solche gab es, die ihren großen Auftritt im Bett verschlafen haben. Macht im Endeffekt auch nichts, beim wirklichen Höhepunkt im Leben eines Deutschen waren ja genug andere dabei. Mit solchen Reminiszenzen an die Stunden, in denen „Deutschland einig’ Vaterland!“ zum völkisch-seelischen Ereignis wurde, plätschert der Ehrentag des deutschen Volkes seinem Ende entgegen. Die Feier hätte schöner nicht ausfallen können.

Und doch liegt ein dunkler Schatten über der glanzvollen Veranstaltung. Offensichtlich findet man an politisch verantwortlicher Stelle im Leben der Nation wenig von dem wieder, was da vor 10 Jahren den Maßstab in Sachen Vereinigung von Volk und Staat gesetzt hat. Rund um die große Feier der gewonnenen Einheit Deutschlands und mitten in sie hinein platzen laut vermeldete Zweifel, ob das Ding, das da gefeiert wird, ein Grund zum Feiern ist, ja, ob es sie überhaupt so richtig gibt, die deutsche Einheit.

„Wo ist die deutsche Einheit?“

fragen die zur politischen Meinungsbildung in Deutschland Beauftragten sich laut. Damit wollen sie zu verstehen geben, dass sie der Zustand des Jubilars eher sehr sorgenvoll stimmt, und die Sorgen machen sie sich dann. Bekannt ist ihnen nämlich, dass die unterschiedlichen Teile, die da zusammengewachsen sind, nach wie vor sehr unterschiedlich sind, und da beschleichen sie erhebliche Zweifel, ob es um diese Einheit gut bestellt sein kann. „In den Köpfen der Deutschen“ in erster Linie, und da vor allem in denen der neuen Deutschen. Von denen hören sie ja eigentlich nur, dass die sich noch immer als etwas Besonderes verstehen. Dass sie sich über eine „Sonderbehandlung“ beklagen, über ihre „Lage“ im Osten „jammern“, weil die viel schlimmer als im Westen wäre. Ausgesprochene „Miesmacher“ also, die absolut „keinen Optimismus“ an den Tag legen. Freilich – anders als die eingefleischten Deutschen behandelt und regiert werden die neuen Bürger von ihrem Staat schon, von Anfang an und nach wie vor. Schon gut möglich, dass der auf Gesetzes- und Verordnungsweg herbeigeregelte Endstand im Prozess der „Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West“ für sie vergleichsweise blöd ausgefallen ist. Macht marktwirtschaftlich eben nicht viel her, der Osten, bloß logisch, wenn dort vom Lohn bis zur Rente alles viel billiger ist als hier, Mieten einmal ausgenommen. Aber das ist doch kein Grund für gar nichts. Schon gleich nicht dafür, den Sonderstatus, mit dem man als Ostbewohner nun einmal zurechtzukommen hat, auch noch als Dünkel vor sich her zu tragen. Zugegeben – sie sind ja durchaus wild entschlossen, mit dem allem zurechtzukommen, was nun einmal ihre „soziale Lage“ ist. Irgendwelche Aufmüpfigkeiten, Widersetzlichkeiten gar gegenüber denen, die ihnen ihre Lage bescheren, kennt man von ihnen überhaupt nicht. Insgesamt sind sie auch zufrieden damit, im richtigen Deutschland zu sein. Sagen sie wenigstens. Doch dieses ewige Herumgenörgele, sie wären bei allem bloß „Deutsche zweiter Klasse“, können sie offenbar nicht lassen. Das erinnert doch schwer an die Zweifel, die gegenüber dieser Mannschaft aus dem falschen System schon von Anfang an angebracht waren. Mitten im Land sind da welche, die jetzt endlich gescheite Deutsche sind und damit erstklassig – und das reicht ihnen einfach nicht. Die haben noch Vorbehalte, fragen sich womöglich noch, was sie davon haben, Deutsche zu sein. Am Ende sind sie bloß für Deutschland, wenn sie sich für sich etwas davon ausrechnen können. Nationalismus aus Berechnung – das allein ist für sich ja schon skandalös genug. Erst recht ist das ein Skandal an einem Tag, der zum Feiern der Einheit von Volk und Staat da ist, und deswegen müssen die Zeremonienmeister der deutschen Öffentlichkeit die glänzende schwarz-rot-goldene Geburtstagslaune aus purer Verantwortung für den Zweck der Veranstaltung endgültig gründlich vermiesen. Denn das Misstrauen, das man gegen diese Abteilung der Deutschen schon immer hegt, ist nur allzu berechtigt: Je genauer man sich diese Typen besieht, die sich offensichtlich zu ihrem Deutschtum einfach nicht so vorbehaltlos-glücklich bekennen, wie man es von ihnen doch wohl erwarten kann, desto mehr wird zur Gewissheit, dass sie einfach keine vorbehaltlos-glücklichen Deutschen sein wollen. Und je mehr sie selber von sich behaupten, wirklich nur gute Deutsche zu sein, desto sicherer kann man sich sein, dass genau das Gegenteil wahr ist – hätten sie’s wohl sonst überhaupt nötig, das immerzu zu beteuern?! Und es kommt noch schlimmer. Eine kleine

Rassenkunde über die defekten Ostdeutschen

gibt eindeutig darüber Auskunft, dass diese Menschen sich nicht nur nicht richtig zu ihrem wahren Vaterland bekennen wollen, sondern dass sie das im Grunde genommen auch gar nicht können. Eine eigene, „ostdeutsche Identität“ haben sie, laufen also hartnäckig weiter als Geschöpfe eines Systems herum, das es gar nicht mehr gibt. Sie sind nicht nur nachhaltig von ihrem alten verkehrten Staat geprägt, sondern sogar noch stolz darauf und lassen ihre „Biographien“ heraushängen. Absolut nichts von dem, was Deutsche zu richtigen Deutschen macht, haben sie vorzuweisen – und wollen von denen dann dafür noch „Respekt“ verlangen! Und wundern sich noch, wenn sie den nicht kriegen! Und der Gipfel ist, wie sie sich dann auch noch in ihrem Revier aufführen. „Inzestuös eingemauert“, wie sie 40 Jahre lang waren, hat sich in ihnen eine „typisch ostdeutsche Mentalität“ derart eingefressen, dass sie bei allem, was sie tun und lassen, einfach nur danebenliegen. Jeden Anstand eines deutschen Privatmenschen lassen sie missen. Als Arbeiter oder Arbeitslose, Kranke oder Rentner hängen sie ihrer „Ost-Mutter ‚Sozialstaat‘“ nach. Die ist zwar längst erledigt, sie aber führen sich auf wie die Krähen im Nest, reißen das Maul auf und warten darauf, dass Vater Staat es mit Geld voll stopft. Der tut ja schon alles, was er nur kann. Aber selbstverständlich macht es auch die üppigste Transferzahlung einem Ostbewohner nie recht. Weil der nämlich einfach so ist, dass er nur immer „säuft, jammert, auf den Staat schimpft und sich von ihm aushalten lässt.“ Und was die staatsbürgerlichen Tugenden dieser Kreaturen betrifft, so zeigen sich an denen nur schon wieder die grundlegenden Defekte, die sie im Zuge ihrer grundverkehrten politischen Sozialisierung erworben haben: Viel mehr, als nur immer abweichendes Verhalten an den Tag zu legen, Bushaltestellen zu verunsichern, Ausländer zu verprügeln und falsche Parteien zu wählen, wissen sie aus der ihnen geschenkten Freiheit nicht zu machen. Asphaltiert man ihnen die Straßen, dann vertreiben sich diese ewig nörgelnden Sozialhilfeempfänger auch noch mit der Jagd auf Vietnamesen ihre üppige Zeit. Langt ihnen schon wieder nicht, einfach nur stolz auf ihre Zugehörigkeit zur deutschen Rasse zu sein; nein, sie müssen unbedingt auch noch „rechtsradikal“ werden und die öffentliche Ordnung stören. Als ob man Ausländer nicht auch still und unauffällig, einfach so für sich, hassen könnte. So sind sie, die Zonis, machen nicht nur alles grundfalsch, sondern sind irgendwie selbst so. Eine einzige „rassistische Spaßgesellschaft“ hat man sich da eingefangen, bar jeder gescheiten nationalen Verantwortlichkeit. Zwar nicht gleich richtige Ausländer, aber doch so etwas wie Fremde im Geiste tummeln sich da östlich der Elbe in der Nation, und natürlich gehört dies in einer eigenen

Botschaft an die westlichen Restdeutschen

deutlich zum Ausdruck gebracht. Die sollen sich an der vergeigten menschlichen Erblast des falschen Systems ruhig nochmals vergegenwärtigen, was sich im Verhältnis der deutschen Bürger zu ihrem Staat gehört und was grundsätzlich nicht. Dass „Versorgungsmentalität“ und „Anspruchsdenken“ absolut undeutsche Tugenden sind, zeigt man ihnen gerne an dieser zweifelhaften nationalen Spezies, die von diesen Lastern einfach nicht loskommt. Freilich, und das ist der zweite Teil der Durchsage, darf das nicht gleich dazu führen, dass die besseren Deutschen dann nur noch als „Besser-Wessis“ auf diese „Ossis“ herabblicken. Ein bisschen Schuld an der fehlenden „inneren Einheit“ haben sie mit ihrer überheblichen Tour schon auch. Genau genommen ist es nämlich weder die offiziell-rechtliche noch die offiziell-öffentliche Diskriminierung, die den Zonis das „Zusammenwachsen“ mit dem deutschen Rest erschwert, sondern sie, die echten deutschen Bürger, sind es. Wer mag sich schon bedingungslos zu seinem deutschen Vaterland bekennen, wenn er in dem auch noch vom nächsten Nachbarn als minderer Deutscher angepinkelt wird!? Etwas von der „Solidarität“, die die westdeutschen Volksgenossen pekuniär ohnehin schon entrichten, möchte da bitte schon auch in ihrem nationalen Gesinnungshaushalt Einkehr halten. Wenngleich natürlich nicht zu bestreiten ist, dass einem das die Brüder und Schwestern von drüben nicht gerade leicht machen…So geht die

Einheitsfeier als nationale Publikumsbeschimpfung

munter dahin, und in der Nation, die gerade so schön beieinander sitzt, wird Hader und Zwietracht gesät, dass es kracht. Offenbar hat das politische Festkomitee zwar einen guten Grund, die „Einheit der Nation“ zu feiern, ist aber über das, was da befeiert wird, wirklich nicht übermäßig glücklich. Irgendwie scheint man höheren Ortes mit der fetten Beute, die man sich an Land gezogen hat, nicht so recht zufrieden zu sein. Und ist deswegen mit seinem eigenen Volk ganz und gar unzufrieden. Mit dem vorläufigen Ausbleiben von ‚blühenden Landschaften‘ hat man sich abfinden müssen. Wenn die Sachverständigen für Wachstum sagen, dass für sie auch mit ganz viel monetärer Unterstützung durch den Westen im Osten der Republik einfach nicht mehr als „High-Tech-Inseln“ drin sind, dann ist aus dem eben nicht mehr herauszuholen. Schade zwar, aber was kann man da machen. Abfinden müssen hat man sich auch damit, dass der eroberte Osten ein Zuschussbetrieb ist und bleibt, zu den vielen Milliarden, die die eingesackte „Erblast“ schon gekostet hat, noch viele hinzukommen werden. Aber dass man sich mit dem hat überhaupt abfinden müssen! Dass diese neuen Bundesländer in absehbarer Zukunft nicht das Geld und die Pracht und Herrlichkeit des Staates vermehren, der sie doch eigens dazu adoptiert hat – das ist und bleibt ein Skandal! Da ist die Nation um ihr Grundrecht auf Erfolg bei allen ihren Anliegen betrogen worden, und wer für diesen Betrug verantwortlich ist und zur Rechenschaft gezogen gehört, ist keine Frage: Am richtigen Willen zur Einheit hat es gefehlt. Gewiss nicht bei ihnen, den Wegbereitern und politischen Schmieden des Einigungswerks; die haben garantiert alles richtig gemacht, weil wirklich alles getan, damit der Osten so wird wie der Rest des Landes. Woanders aber dafür umso mehr: Das Volk ist seinen Beitrag zum Gelingen des nationalen Erfolgsprojekts schuldig geblieben! Nicht, weil es sich zum „Aufbau Ost“ gar nicht oder verkehrt auf- oder sonst wie dumm angestellt hätte. Sondern ganz grundsätzlich und prinzipiell. Von seiner wahren Produktivkraft nämlich, bedingungslos den Erfolg der nationalen Sache zu wollen und sonst nichts, hat es nicht Gebrauch gemacht. So, wie es im Osten herumläuft, mit seiner engstirnigen Fixierung auf so etwas Lächerliches wie das eigene Wohlbefinden, mit seinem ewigen Gemaule, in Deutschland noch gar nicht richtig angekommen zu sein, und mit seiner überzogenen Anspruchshaltung ausgerechnet dem einzigen Wohltäter gegenüber, den es hat, ist es ein einziger Beweis, dass es da am Entscheidenden fehlt. Da ist einfach nicht der richtige Wille am Werk, sich ordentlich für das eigene Land ins Zeug zu legen; schon bei den allerelementarsten Grundlagen der Staatsbürgerkunde ist bei denen ja schlicht Fehlanzeige, wenn so ein popeliges Ding wie die eigenen „Lebensumstände“ dafür maßgeblich sein soll, wie man zum Vaterland steht. Da herrscht vollkommene Unklarheit über die wahre Verteilung von Recht und Pflicht im Gemeinwesen – und darüber, was ansteht, wenn der Vorstand zur nationalen Kraftanstrengung ruft. Dass man dann nämlich begeistert anzutreten, im Übrigen aber gründlich die Schnauze zu halten hat. Da ist Stolz geboten. Auf die gute Sache sowieso, für die man sich zur Verfügung zu stellen hat. Deswegen aber auch auf die Opfer, die einem der aktive wie passive Dienst an ihr beschert. Und genau das muss man diesem Volk gehörig zu verstehen geben, gerade an seinem Ehrentag. Wer A sagt und mit dem Versprechen „Wir sind ein Volk!“ aufwartet, hat schon auch B zu sagen und den Part, zu dem er sich gemeldet hat, so zu spielen, wie sich das gehört: Die einen schaffen eine Lage, die anderen sehen das ein, leisten ihren Beitrag zur Nation, so oft ihnen Gelegenheit dazu geboten wird, und halten ansonsten das Maul – nur so gehört zusammen, was zusammengewachsen ist, nur so geht sie überhaupt, die deutsche Einheit!


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