Regelmäßige Diskussionsveranstaltungen

Jour fixe in München

Es werden aktuelle Fragen aus der Innen- und Weltpolitik besprochen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit zur Diskussion von Artikeln der letzten Ausgabe der Zeitschrift GegenStandpunkt.

Die Termine im Jahre 2019: 4.11., 18.11, 9.12.

Zeit: 
jeweils montags, 19:00 Uhr
Adresse: 

Haus International, Elisabethstr. 87, 80797 München
Großer Plenarsaal, 1. Stock
(Zugang nur über den Hof, Toreinfahrt Kathie-Kobus-Straße)

Protokolle: 
Protokolle sind hier verfügbar.

 

Thema am 14. Oktober:

Zu einigen neueren Fortschritten in der Konkurrenz der Kapitalisten -
Die Digitalisierung des Kapitalkreislaufs (3-19)

 

 

 

 

 

Jour fixe in Frankfurt

farbeROT lädt zur Diskussion mit Redakteuren der Zeitschrift GegenStandpunkt ein. Für alle, die offen gebliebene Fragen aus unseren Veranstaltungen diskutieren wollen und für Leute, denen die in der Öffentlichkeit verbreiteten Argumente zu den Vorzügen und Sachzwängen unserer Wirtschaftsweise, sowie zur deutschen Innen- und Weltpolitik nicht (mehr) einleuchten, bieten wir diesen Diskussionstermin an.

Zeit: 
Einmal im Monat, mittwochs um 19.00 Uhr
Adresse: 

Studierendenhaus Campus Bockenheim, Jügelstraße 1
Raum K1, K2, K3 (jeweils erster Stock) oder K4 (zweiter Stock)

Termine und Themen werden zeitnah auf www.farberot.de veröffentlicht.

Jour fixe in Dortmund / Bochum

Zeit: 
Einmal im Monat, immer dienstags, 19.00 Uhr!
Adresse: 

Dietrich-Keuning-Haus
Raum 226
Leopoldstr. 50-58 (Hbf Nordausgang)

Thema am 08. Oktober:

Offener Brief an die Seenotretter und ihre Sympathisanten

Ihr werdet selbst nicht übertrieben stolz sein auf den menschlichen Anstand, der euch vor einem Salvini aus­zeichnet – bei dem Vergleich! Ihr werdet selbst am besten wissen, wie wenig euer Einsatz ausrichtet – bei der Katastrophenlage

im Mittelmeer und angesichts einer europäischen Flüchtlingspolitik, die kaum noch Rettungseinsatze zulasst. Und ihr kennt sicher alle Zweifel an eurer selbstgewählten Mission, gegen die ihr auf jeden Fall das mora­lisch unschlagbare

„Wenigstens“, „Sollen wir denn bloß zugucken?“, „Immerhin ...“ auf eurer Seite habt.

Trotzdem ein Aber von kommunistischer Seite. Das nicht darauf zielt, dass ihr lasst, was ihr euch vorgenom­men habt. Sondern auf ein Urteil über die Welt, in der politische Herrschaften wie die demokratische deut­sche das Sagen haben,

in der Katastrophen wie die der Flüchtlinge am und im Mittelmeer an der Tagesordnung sind – und in der solche Initiativen wie die eure in der Sache einen ganz fatalen Stellenwert haben, auch und gerade wenn ihr das überhaupt nicht wollt.

Da stiftet die bürgerliche Herrschaft mit ihrem Regime über Weltmarkt und Staatenwelt Überlebensbedin­gungen, zu deren Wirkungen Katastrophen gehören, die jedes individuell zu bewältigende Maß weit über­schreiten; herrschaftlich gesetzte Lebens- und Sterbensbedingungen eben – und es gehört zur inneren Ökono­mie dieser Herrschaft einfach dazu, dass diese als Herzensangelegenheit betroffener Menschen rangieren. Dieselbe politische Weltordnung, die katastrophale Zustände schafft, schiebt die Konsequenzen und den Um­gang damit ab in die Sphäre der individuellen Moral, macht faktisch eine Privataffäre daraus. Und wenn man den großen Humanistinnen und Humanisten unter den maßgeblichen Machthabern der Welt zuhört, dann be­kennen die sich auf ihre Weise auch genau dazu: Die verheerenden Konsequenzen des globalen Herrschafts­systems, an dem sie professionell mitwirken, begleiten diese Damen und Herren routiniert mit der Beschwö­rung höchster Werte, die da auf dem Spiel stehen wurden. Und je hoher der beschworene Wert, desto kurzer der Übergang zum moralischen Anspruch an „jeden Einzelnen“, sich ganz persönlich, am besten auch noch stellvertretend für die „eigene“ „reiche Nation“, ein Gewissen daraus zu machen, dass da mal wieder die Hu­manität leidet. Dabei ist das Entscheidende: Dieser Abgang in die Welt der höchstpersönlichen Anständigkeit ist nicht bloß ein regierungsamtlicher Zynismus; der gehört untrennbar zur bei uns herrschenden „christlich-abendländischen Leitkultur“ und ist deswegen auf jeden Fall viel populärer als die Bereitschaft zu einer be­gründeten Absage an die Grunde des ganzen Elends.

In der Welt der bürgerlichen Wohlanständigkeit gehört es sich ganz einfach so, dass die anständigen Einzel­nen sich aus den brutalsten und gemeinsten Auswirkungen der „globalisierten“ Lebensverhältnisse, die die politischen Machte herbeiführen und von A bis Z perfekt durchorganisieren, ein Gewissen machen, 100 so als hatte jeder Einzelne sich all das bestellt, was die politische Herrschaft, der er gehorcht, zielstrebig anrich­tet, und all die Leichen zu verantworten, über die die maßgeblichen Staaten mit ihrer Weltordnung gehen.

Dazu: nicht zu einer bloßen Ideologie, sondern zu dieser Art herrschaftlicher Inanspruchnahme des privaten Gewissens, ist euer – menschlich hochanständiger – Einsatz zur Seenotrettung ein Beitrag; davon ist er ein Fall. Das ist er nicht,

weil ihr es so wollt oder weil ihr euch in irgendetwas tauscht, sondern weil Politik und Leitkultur der Staats­gewalten, die die Welt gestalten, so funktionieren; weil in dem System, das diese Welt beherrscht, genau das der wirkliche, objektive Stellenwert all der privaten Aktivitäten ist, die aus moralischer Betroffenheit erwach­sen. Da helfen auch alle beherzten Anklagen nichts: Dieses System politischer Gewaltverhältnisse macht aus dem moralischen Verantwortungsbewusstsein seiner Bürger, das es ihnen praktisch beibringt, sogar aus pri­vater Empörung

und empörter Aktion seinen Freispruch, seine Ermächtigung zum „Weiter so!“

Gegen diese Logik ist selbst ein Salvini, menschlich gesehen, nur ein Hampelmann.