II. Die großartigen Leistungen des Medizinbetriebs

Grundlage des modernen Gesundheitswesens einschließlich der medizinischen Wissenschaft, in Theorie wie Praxis, ist eine sozialpolitisch institutionalisierte, gesellschaftlich durchgesetzte und akzeptierte, moralisch gefestigte – nichtsdestotrotz verkehrte Abgrenzung. Da gibt es die gesellschaftliche Welt mit ihren Angeboten und Ansprüchen an Physis und Psyche der Menschen, in der, wie auch immer, Schädigungen und Krankheitskarrieren entstehen, irgendwie auch ihren Grund haben. Diese Welt, „die Realität“, ist einfach da und als gegebene Voraussetzung hinzunehmen. Die Regeln, nach denen sie funktioniert, fallen grundsätzlich nicht in den Kompetenzbereich des Medizinbetriebs, der Wissenschaft so wenig wie der ärztlichen Kunst. Sorgeobjekt ist hier die gestörte oder geschädigte Funktionstüchtigkeit der Insassen dieser Welt; Ziel ist ihre Wiederherstellung, soweit möglich, auch die Vorsorge gegen zu erwartende Schädigungen und die Nachsorge nach eingetretenen irreversiblen Störungen und Zerstörungen von Körper und Geist. Worum es geht, ist jedenfalls der vom gesellschaftlichen Lebensprozess und dessen Anforderungen abgehobene, daraus abstrahierte Bereich der physischen und psychischen Defekte.

Aus dem Buch
2016, 2020 | 136 Seiten | 12,00 € | bestellen
Gliederung
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