Das Wirtschaftswunder von Dubai und seine Krise

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 1-10 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Das Wirtschaftswunder von Dubai und seine Krise:
Ein Lehrstück über die Macht des internationalen Kredits

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Die staatseigene Immobilienholding Nakheel des Emirats Dubai verkündet Ende 2009, dass sie den fälligen Schuldendienst gegenüber ihren Gläubigern in Höhe von einigen Dutzend Milliarden Dollar aussetzt.

Wie ein Mann schwenkt dieselbe Journalistenmannschaft, die bis neulich nicht genug vom Wirtschaftswunder am Arabischen Golf schwärmen konnte – „Alles scheint möglich.“ –, plötzlich auf die Lesart um, dass der ganze „Glanz eigentlich nur Glitzer“ war, nichts als eine irre „Fata Morgana“, die vernebeln sollte, dass nichts dort irgendeine solide Grundlage hat. Dem Leser vermittelt sich geradezu der Eindruck, die Scheichs hätten ihren Wüstensand dazu benutzt, ihn unseren braven westlichen Geldanlegern schaufelweise in die Augen zu streuen, damit sie an unser Geld kommen, um es dann nach Herzenslust zu verprassen.

Das Wirtschaftswunder von Dubai und seine Krise: Ein Lehrstück über die Macht des internationalen Kredits

Die staatseigene Immobilienholding Nakheel des Emirats Dubai verkündet Ende 2009, dass sie den fälligen Schuldendienst gegenüber ihren Gläubigern in Höhe von einigen Dutzend Milliarden Dollar aussetzt.

Wie ein Mann schwenkt dieselbe Journalistenmannschaft, die bis neulich nicht genug vom Wirtschaftswunder am Arabischen Golf schwärmen konnte – Alles scheint möglich. –, plötzlich auf die Lesart um, dass der ganze Glanz eigentlich nur Glitzer war, nichts als eine irre Fata Morgana, die vernebeln sollte, dass nichts dort irgendeine solide Grundlage hat. Dem Leser vermittelt sich geradezu der Eindruck, die Scheichs hätten ihren Wüstensand dazu benutzt, ihn unseren braven westlichen Geldanlegern schaufelweise in die Augen zu streuen, damit sie an unser Geld kommen, um es dann nach Herzenslust zu verprassen.

Dabei bieten sowohl die alten, bewundernden Expertenberichte wie auch die neuen, entgegengesetzten Kommentare genügend Hinweise darauf, dass da nicht irgendwelche Orientalen von einer überbordenden Wachstumsphantasie beherrscht worden sind und sich dafür fremdes Geld ergaunert haben, sondern dass das orientalische Dubai ein stinknormaler Fall finanzkapitalistischer Geschäftemacherei und ihrer Krise war und ist.

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„Es war wie ein Wirtschaftstraum aus Tausendundeiner Nacht. Jahrelang musste jeder, der die ökonomische Situation des kleinen Emirats Dubai beschreiben wollte, auf Superlative zurückgreifen: Von der größten Baustelle der Welt war die Rede, vom schier endlosen Wachstum und vom ganz schnellen Geld sowieso. (…)
Dafür baute der Emir nicht nur den größten Hafen der Region, sondern öffnete sein Reich so stark wie kein anderes Land am Golf für die große weite Welt. Das sorgte einerseits dafür, dass internationale Investoren nach Dubai strömten und den Boom noch anheizten. Andererseits finanzierte Dubai den Großteil des Wachstums auf Pump und holte sich das Geld bei internationalen Investoren.“ (Der Spiegel)

Von dem irren „einerseits ausländische Investoren – andererseits ausländische Investoren“ einmal abgesehen, ist das doch Klartext über den Wirtschaftstraum: Dieses ‚Wirtschaftswunder‘ beruht auf und besteht im Wesentlichen in nichts anderem als einem schier endlosen Wachstum von Geschäftsgelegenheiten potenter Investoren. Internationaler Kredit betätigt sich dort, sprich: Kapital in Geldform, das angelegt wird, um sich zu vermehren. Finanzkapitalistische Unternehmen entdecken und benutzen Dubai als Mittel für ihre Bereicherung – und dafür taugt ihnen der Zwergstaat am Golf auch jahrelang hervorragend. Ihre „finanziellen Engagements“ – in Form von Bankkrediten, Kauf von Fondsanteilen, Erwerb von Immobilien … – lohnen sich; das dort investierte Kapital verbuchen sie erfolgreich als wachsendes Vermögen bei sich, weil sich die internationalen Finanzinvestoren jahrelang und in wachsendem Umfang wechselseitig die Gleichung abnehmen, ihre Investitionen in, d.h. ihre Spekulation auf den ökonomischen Auf- und Ausbau Dubais, seien quasi automatisch wachsende Geldvermögen. Diese Gleichung ist der ganze Grund und Zweck für den Boom, der nach seiner sachlich-technischen Seite hin mit so vielen, das Auge schlagenden Superlativen aufwarten konnte.

Die Spekulation auf garantierte Wertsteigerung des in Wertpapieren und anderen Anlageobjekten investierten Finanzkapitals, die Gewinnerwartung der Investoren also, die mit ihrer Nachfrage aus solchen für glaubwürdig erachteten Gewinnversprechen begehrte finanzkapitalistische Vermögenstitel machen, ist nicht nur das ganze Weißwarum, sondern zugleich das allein hinreichende Weißwomit für die Realisierung dieses Wirtschaftstraumes aus Tausendundeiner Nacht. Das Emirat ist ein mustergültiges Beispiel dafür, dass für einen kapitalistischen Wirtschaftsaufschwung überhaupt nichts anderes nötig ist als: Kredit, also anlagewilliges Finanzkapital, das die Schuldenverhältnisse, die es eingeht und stiftet, als aktuell vorhandenes, sich vermehrendes Vermögen verbucht und behandelt. Dessen Wachstumserwartungen mobilisieren die Finanzmittel und stiften den Kredit, der allein Millionen Arbeitskräfte, angefangen von asiatischen Bausklaven und Prostituierten bis hin zu Ingenieuren und Managern aus Europa, Japan und den USA Richtung Golf in Bewegung setzt. Der Kredit sorgt vor Ort für den Ausbau der sachlichen Grundlagen und das Herbeikarren all der Hardware, die an den weltweit verteilten Standorten der kapitalistischen Industrie zusammengeschraubt und dorthin mit Gewinn verkauft wird. Das sind und das vermögen Schulden in einer kapitalistischen Welt. Weder der sachliche noch der ökonomische Gebrauchswert der Arbeitskräfte und Produkte und Produktionsmittel leidet darunter, dass es sich nicht um „gewachsene“ Resultate einer „nachhaltigen Standortentwicklung“ handelt, wie jetzt – angesichts der eingetretenen Entwertung – rückblickend behauptet wird. Es ist umgekehrt: Alles, was an Standortentwicklung und kapitalistischem Aufbau zustande kommt, ist das Werk der Spekulation, die die nötigen Kreditmassen für dieses Aufbauwerk liefert; das Werk von Finanzkapitalisten, die den Globus danach absuchen, wo sich eine Aussicht dafür bietet, für sie lohnende Kreditgeschäfte und spekulative Anlagen zu tätigen. Die sind in Dubai fündig geworden.

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Die Aussichten auf lohnende Spekulation ist gemäß jahrelanger Meinung und Praxis des internationalen Finanzkapitals in Dubai nämlich bestens. Die Anhaltspunkte, die es dafür hat, sind weder ein Geheimnis noch besonders exotisch:

Erstens gerät die riesige Zahlungsfähigkeit in den Blick: Der Staat am Persischen Golf – Dubai im engeren Sinne, die Vereinigten Arabischen Emirate im weiteren – verfügt aus jahrzehntelangem und weiter laufendem Ölverkauf über stattliche Geldsummen. Nach einer Zeit von Tiefstpreisen in den 90er Jahren steigt der Ölpreis zu Beginn des neuen Jahrtausends auf immer neue „all-time highs“. Gleichzeitig beschließt der benachbarte Ölriese Saudi Arabien, seine Petromilliarden für ein gigantisches kapitalistisches Industrieentwicklungsprogramm zu nutzen. Das Königreich will sich binnen weniger Jahrzehnte zu einem weltweit führenden Standort u.a. für Hightech-Chemie, Aluminiumverarbeitung und neue Werkstoffe entwickeln, so dass die Arabische Halbinsel Zielort für Konsumgüter und Produktionsmittel in immer neuen Größenordnungen wird; Import und Export steigen rasant und mit ihm die entsprechenden Einnahmen, die bei der Drehscheibe dieses Handels – Dubai – hängen bleiben. Große internationale Industrie- und Handelskapitale gründen Außenstellen mit riesigen Lagern, immer mehr auch mit Endmontagestätten in den um den Hafen gelegenen Freiwirtschaftszonen. Für die Finanzwelt alles vertrauenserweckende Daten, die für die Verlässlichkeit einer Spekulation auf lohnende und sichere Finanzgeschäfte bürgen.

Zweitens beschließen die Emirate ein groß angelegtes staatliches Programm der Erschließung neuer Quellen ihres nationalen Reichtums. Deren eigene Ambition ist es, sich von einem reinen Öl- und Gasexporteur und einem bloß regional bedeutsamen Handelszentrum zu der Personen-, Waren- und Kapitaldrehscheibe zwischen Europa und dem Nahen, Mittleren und Fernen Osten, ferner zu einem neuen globalen „tourism hotspot“ und nicht zuletzt auch zu einer Ansiedlung moderner, rentabler Industrie zu entwickeln. Dieser nationale Aufbruchswille des Scheichtums, Standort wachsender kapitalistischer Geschäfte zu werden, macht es höchst „interessant“ für die Geldanleger dieser Welt. Dass die Herrscher sich mit ihrer Macht für die Erschließung eines ganzen neuen Geschäftsstandorts in die Bresche werfen, ein günstiges Geschäftsklima schaffen, das lässt die Spekulation nach Meinung der Spekulanten so richtig bombensicher werden.

Was das Finanzkapital drittens an diesem kapitalistischen Aufbauprogramm so überzeugend findet, ist dessen ganz gemäß kapitalistischer Wachstumslogik gestrickte Dimension: Die aufbauwilligen Scheichs sind entschlossen und die investitionswilligen Financiers finden es nur einleuchtend, dass für die Etablierung Dubais als international konkurrenzfähiger Standort die Performance der Weltmarktführer in der jeweiligen Sphäre bzw. Branche die einzig passende Richtgröße sind und dass die Ausmaße der Entwicklungsprojekte konsequent auf zukünftiges Wachstum ausgelegt gehören – Willkommen im Übermorgenland. Als Drehscheibe des Warenhandels den größten Seehafen der Welt? Klar! Als Flugverkehrsdrehkreuz den weltgrößten Flughafen? Aber sicher! Als Tourismuszentrum das größte Hotel und gleich noch die Kategorie des 7-Sterne-Hotels erfinden? Was denn sonst! Das alles rechnen sich Finanzkapitalisten mühelos zu einem gigantischen Kreditbedarf, also zu gigantischen Aussichten für ihre Kreditgeschäfte bei ausreichenden Sicherheiten hoch; und in dem Maße, wie den Investoren die hochfliegenden Entwicklungsprojekte als „zukunftsträchtig“, vulgo: gewinnversprechend einleuchten, geben sie Kredit. Das stachelt wiederum die Planer solcher Projekte zu ständig neuen, immer größeren Vorhaben an, für die sie den Kredit der Welt einwerben. So beflügeln sich die um die Entwicklung eines in der internationalen Konkurrenz erfolgreichen Standortes bemühten Scheichs und die internationale Finanzmafia gegenseitig zu der Gigantomanie, von der man jetzt wissen will, dass so etwas schon immer das Zeichen eines bevorstehenden Kollapses – das neue Babel – gewesen wäre.

Viertens ist – wie noch stets in dieser Sphäre – der wichtigste Anhaltspunkt für die Spekulanten, das Emirat „top“ zu ranken und ihr Geld dort anzulegen, der Umstand, dass ihresgleichen das schon massenhaft mit Erfolg tun. Als Vorreiter in dieser Hinsicht betätigen sich nicht zuletzt die Herrscher des Emirates selbst. Das verdiente Ölgeld ist seinerseits ja schon längst in finanzkapitalistische Anlage verwandelt: in amerikanische Staatsanleihen, japanische oder europäische Aktienanteile usw. Mit dem in den Jahren des jüngsten Ölpreisbooms enorm gewachsenen Umfang dieser Betätigung als globale Investoren ist den Ölscheichs sowohl das Interesse als auch die Potenz zugewachsen, diese Form finanzkapitalistischer Bereicherung zum Ausgangspunkt dafür zu machen, sich, ihr Emirat in ein Prospektions- und Anlageobjekt investitionswilliger Spekulanten zu verwandeln. Dafür kündigen sie 2002 die Errichtung des Dubai International Financial Center an – und sagen gleich dazu, dass sie bezüglich dessen Größe und internationaler Bedeutung langfristig die Finanzplätze New York und London einholen wollen. Einen international konkurrenzfähigen Finanzanlageplatz aus sich zu machen – das ist mithin der eigentliche Kern der „Zukunftsvisionen“ von Dubais Herrscherdynastie. Darin schreitet sie mutig voran und dazu lädt sie alle Finanzanleger dieser Welt herzlich ein. Und die kommen in Scharen. Die großen in der Region ansässigen und die internationalen Fonds und Banken geben Kredite, legen Geld an, gründen Filialen, siedeln ganze Departements „offshore“ aus usw. Das versorgt dann auch den im Nachhinein zur Hybris erklärten Bauboom mit zusätzlichem Stoff. Banken, Fonds usw. mieten sich ja auch in Arabien nicht einfach in ein Büro ein, sondern präsentieren dem Publikum ihren vertrauenerweckenden Reichtum mit allem Pomp, zu dem es die zeitgenössische Baukunst bringt; zugleich sind die Bank-, Hotel- und sonstigen Paläste nicht einfach eine Kost, sondern wiederum eine Anlage, auf deren Wertsteigerung sie mit dem anhaltenden Boom erfolgreich spekulieren können. Diesen Erfolg als Finanzanlageplatz nutzen die emiratischen Finanzfonds ganz in der Logik finanzkapitalistischer Ausdehnung ihrerseits dafür, ihre weltweiten Investitionen zu vervielfachen: Sie kaufen sich in Hafengesellschaften, Banken, Automobilkapitale usw. rund um den Globus ein, tätigen strategische Investments, die ihrerseits darauf berechnet sind, den heimischen Anlageplatz zu stärken...

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2007/2008 gerät das weltweit tätige Finanzkapital in die Krise. Egal, wo und wie sie angefangen haben mag, sie besteht darin, dass sich die Geldanleger die Gleichung, aus der ihr Geschäft überhaupt nur besteht, gegenseitig nicht mehr abnehmen. Aus Wertpapieren: künftigen Ertragsversprechen, die wachsende Vermögen, Kapital, repräsentieren, weil sie als solche be- und gehandelt worden sind, werden, kaum dreht sich die Spekulation um und sollen die Finanztitel massenhaft eingelöst werden, bloße Schuldscheine: Forderungen, die sich darum als uneintreibbar erweisen und ihren Wert einbüßen. Und weil Dubai genau das geworden ist, was es sein wollte, nämlich eine Filiale des internationalen Kapitals, wird es durch die paar wirklichen oder vermeintlichen Besonderheiten seines Aufstiegs auch nicht davor geschützt, Filiale dieser Krise zu werden:

Erstens bricht mit der Krise auf dem Finanzmarkt auch der Welthandel um über die Hälfte ein, weil Produktion und Handel auf Kredit gründen und eine finanzkapitalistische Anlagesphäre neben anderen darstellen, der mit den finanzkapitalistischen Nöten die Basis entzogen wird. Die Handelsdrehscheibe Dubai bekommt das entsprechend zu spüren.

Zweitens werden die arabischen Souvereign Wealth Funds in dem Maße an den globalen Entwertungen beteiligt, wie sie sich als Global Players etabliert haben: Sie verlieren zig Milliarden Dollar in ihren europäischen und vor allem US-amerikanischen Investments und sind in diesem Maße als potente Investoren auf dem heimischen Finanzmarkt am Golf geschwächt.

Weil drittens ausländische Anleger Forderungen begleichen müssen, liquidieren sie massenhaft Engagements auch in Dubai. Für zusätzliche Anlagen fehlen erst recht die Interessenten; also werden geplante Neuemissionen in insgesamt zweistelliger Milliardenhöhe abgesagt, eine bis dahin in Dubai noch nicht vorgekommene – und darum in der bornierten Sicht von Finanzanlegern nicht für möglich gehaltene – Angelegenheit. Immer mehr Projekte fallen aus, werden verzögert, größenmäßig heruntergefahren … So drehen die entscheidenden Daten für die Spekulation auf Dubais ungebrochenes Wachstum ins Minus – und die Spekulation bricht ein.

An irgendeinem Punkt verweigern sich die Gläubiger dann endgültig: Der sowieso schon ins Gerede gekommenen Staatsholding Nakheel gelingt darum eine bisher immer ganz locker technisch als „Anschlussfinanzierung“ bezeichnete und abgewickelte Prolongierung fällig gewordener Kredite nicht, und von jetzt auf gleich entpuppen sich die potenten Geldsäcke aus dem Morgenland, auf die „wir“ bei der Bewältigung „unserer“ Krise gerade eben noch gesetzt haben, selber als klamm.

Angesichts dessen schildert die Presse ihrem Publikum detailfreudig, dass der Dubai-Boom die ganze Zeit schon so funktioniert hat, dass alte Verbindlichkeiten aus neu aufgenommenen Schulden bezahlt worden sind, und ruft einhellig Schneeballsystem! Wo Boom und Krise der Dubai-Spekulation ein Lehrstück dafür sind, dass der ganze Unterschied zwischen solidem „Wirtschaftswunder“ und „Schneeballsystem“ einzig in der positiven Spekulation auf dessen Erfolg liegt, da entdeckt die Öffentlichkeit am Aufschwung Dubais– wie immer im Nachhinein –die Verletzung der von ihr behaupteten Prinzipien solider Spekulation und maßvoller Verschuldung und führt das in diesem Fall auf den Größenwahn der emiratischen Herrscher zurück, die allzu vertrauensvolle Anleger hinters Licht und zu unsoliden Geschäften ge- und verführt haben sollen.

Im Unterschied zu den Auskennern in den Wirtschaftsredaktionen, die nach Schuldigen für die ‚Entgleisung‘ suchen, hat die an Aufschwung und Krise Dubais beteiligte Investorengemeinde die praktische Sorge, dass ihr „Schneeballsystem“ nicht vollends auffliegt, sondern sich möglichst große Teile der investierten Gelder in Zukunft weiter bzw. wieder als Kapital verwerten. Sie sucht deshalb nach einem Retter, der die „Entwertungsspirale“ zu stoppen vermag. Zu ihrer Freude beschließt der Herrscher des Emirates Abu Dhabi im Dezember, in die Finanzierungslücke zu springen. Dass es schon wieder ein orientalischer Ölmonarch ist, der antritt, Dubai aus dessen, also die internationalen Anleger aus ihrer Verlegenheit herauszukaufen, tut ihrer Hoffnung keinen Abbruch – eine andere haben sie im Moment ja sowieso nicht. Die Rettungsaktion gelingt – einstweilen – tatsächlich, weil die internationale Finanzmafia bereit ist zu glauben, dass die finanzielle Potenz des Nachbarscheichtums wirklich aus echten Guthaben besteht, die nicht Gefahr laufen, sich als bloße Einbildung zu entpuppen. Was sie zu dieser Überzeugung bringt? Seine Öleinnahmen, seine weltweiten Finanzgeschäfte, seine gigantischen Investitions- und Entwicklungsprojekte …


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