Rindfleisch für Hungerländer

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 2-01 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Füttern verboten!
Warum Fleisch-Überschüsse nicht einfach an Hungernde verschenkt werden dürfen

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Die Schenkung von in Deutschland nicht verkaufbarem Rindfleisch an die Bevölkerung von Dritt-Welt-Staaten ist nach Auffassung der Welthungerhilfe problematisch, weil sie dortige Märkte für die Ware unterminiert, auch wenn es die mangels zahlungsfähiger Nachfrage gar nicht gibt. Die Verschenkung an Nordkorea bietet hingegen die Möglichkeit, in das Land hineinzuregieren.

Füttern verboten!
Warum Fleisch-Überschüsse nicht einfach an Hungernde verschenkt werden dürfen

1.

Europas Landwirte werden ihre Schlachtrinder nicht mehr los; und die zuständigen Landwirtschaftsminister der EU beschließen, dass zur Rettung des Rindfleischpreises einige zigtausend Viecher „vom Markt genommen werden“. Also werden die Tiere geschlachtet und verbrannt. Darüber empören sich große Teile der freien Öffentlichkeit und melden ethische Bedenken an: Es sei doch ein Verbrechen, so viel Vieh, BSE-getestetes noch dazu, einfach zu vernichten, statt es einem sinnvollen Verwendungszweck zuzuführen. Aufessen! heißt die Forderung. Denn das macht nicht bloß satt, sondern bezeugt nach Auffassung der höchsten in dieser Frage kompetenten moralischen Autoritäten, Tierschutzbund und Kirche, die unerlässliche „Ehrfurcht vor dem Leben“. Klar: Nur der Schlachthof wird der Würde gerecht, die auch im Schlachtvieh steckt.

Nun will der deutsche Endverbraucher aber gerade nicht essen, also auch nicht kaufen, was seine Agrarwirtschaft ihm verkaufen will, also zur Schlachtreife herangezüchtet hat. Was tun? Ein Blick über den EU-Horizont hinaus schärft das Gewissen – und eröffnet die Aussicht auf einen Ausweg:

„Wir vernichten Lebensmittel, während 800 Millionen Menschen hungern.“ (Die Zeit, 8.2.)

Warum geben „wir“ das leckere Zeug nicht einfach den „absolut Armen“, von denen es doch reichlich gibt in der besten aller marktwirtschaftlichen Welten?!

„Das kollektive Gewissen der Deutschen, durch den möglicherweise überflüssigen Massentod der Rinder schwer belastet, erführe Entlastung.“ (Spiegel, 9/01)

Und gäbe es ein besseres – gibt es überhaupt ein anderes Motiv für Almosen?

„Selbst wenn die Rindergabe … nur dazu dient, das Gewissen zu erleichtern – ist das verwerflich?“ (SZ, 16.2.)

Also: Ab mit dem Rindfleisch in die 4. Welt, zu unseren altbekannten notorischen Hungerleidern…

2.

Wenn das bloß so einfach wäre! Fachleute raten ab; und keine Geringere als die Vorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, erhebt warnend ihre Stimme:

„Warum schicken wir das Fleisch nicht dorthin, wo die Menschen nicht genug zu essen haben? Was auf den ersten Blick plausibel klingt, erweist sich bei näherem Hinsehen jedoch als ungeeigneter Ausweg… Das wäre ein wahres Danaergeschenk: Die Lieferung großer Mengen billigen oder gar kostenlosen Fleisches in Entwicklungsländer ist moralisch nicht zu vertreten: Die örtlichen Fleischmärkte brächen zusammen. Kein Bauer in der Dritten Welt könnte mit dem subventionierten Billigfleisch aus Europa konkurrieren. Für ihn würde sich die Viehhaltung nicht mehr lohnen; er könnte mit seiner Arbeit nicht mehr selbst für den Lebensunterhalt seiner Familie sorgen. Und der vorhandene Wille, für die eigene und die Ernährung seiner Landsleute zu arbeiten, würde zerstört. Bis sich die Preise erholt haben, und neue Tiere herangezogen sind, könnten viele Jahre vergehen. So lange wäre die Bevölkerung abhängig von Lebensmittelspenden oder teuren Importen aus dem Ausland.“ (Ingeborg Schäuble, Die Zeit, 8.2.)

Wohl dem Land, das solche ExpertInnen hat!

3.

Man kann den 800 Millionen „hungernden Menschen“ auf dem Globus ja manches nachsagen. Aber dass sie die Konsumenten wären, um deren Kaufkraft die „Bauern der 3. Welt“ auf „örtlichen Fleischmärkten“ konkurrieren würden, und das auch noch auf verlorenem Posten gegen „subventioniertes Billigfleisch aus Europa“ – war das mit der Rindergabe wirklich so gemeint? –, das kann ja wohl kaum wahr sein. Oder bewahren die tatsächlich ihre „örtlichen Fleischmärkte“ dadurch vor dem Zusammenbruch, dass sie dort nichts kaufen, sondern lieber hungern? Oder kaufen sie vielleicht ihren Bauern das Fleisch zu lohnenden Produktionspreisen ab und hungern trotzdem weiter? Über welche geheimen Hintergrund-Informationen verfügt die Deutsche Welthungerhilfe?

4.

Auf jeden Fall verfügt sie über eine Vorsitzende, die sich vielleicht in sonst nichts, in der Logik der Fleischmärkte aber bestens auskennt – so gut, dass sie sich etwas anderes als Kauf und Verkauf zu Preisen, die das Produzieren lohnend machen, schlechterdings nicht vorstellen kann; schon gar nicht zur Linderung chronischer Hungersnot. Versorgung, auch und gerade mit Lebensmitteln, kennt die gute Frau, wahrscheinlich von ihrem örtlichen Bauernmarkt, nicht anders als so, dass Anbieter konkurrieren; weder einen anderen Versorgungsweg für Hungrige noch eine andere Verwendungsweise für Lebensmittel will sie sich auch nur denken können. So ist ihr auf den zweiten Blick messerscharf klar, dass Schenkungsaktionen gar nichts anderes sein können als Fälle von ruinöser Konkurrenz. Dabei ist sie abgeklärt genug, dass sie angesichts dieser Erleuchtung nicht von dem geringsten Bedenken gegen ihre Prämisse heimgesucht wird, dass vor jeder Mahlzeit die Preiskonkurrenz ums Essen erledigt sein muss; geschweige denn von Zweifeln an einer Weltwirtschaft, die diese Prämisse tatsächlich in aller Brutalität praktisch durchsetzt, sogar dort, wo ihr gar nicht entsprochen werden kann – siehe die Hunderte Millionen Hungerleider. Fachkundig plädiert sie nicht gegen die Herrschaft der Preisform, sondern gegen die Vorstellung, es ließe sich zu Gunsten einiger verelendeter Massen davon auch nur ausnahmsweise einmal eine Ausnahme machen.

Und in gewisser Weise hat sie ja auch Recht: Was in einer Welt, in der die Produktion schlicht als Mittel allseitiger Versorgung geplant und organisiert würde, das Allernormalste und die leichteste Übung wäre, nämlich Lebensmittel dorthin zu verteilen, wo sie gerade benötigt werden, weil die örtliche Produktion nicht langt – das ist in der Marktwirtschaft, unter dem Regime des zu verdienenden Geldes, nach der Geschäftsordnung der freien Konkurrenz tatsächlich ausgeschlossen. Das „Verteilungssystem Markt“ hielte das einfach nicht aus; es würde unter so viel marktwirtschaftlicher Unvernunft zusammenbrechen.

5.

Und das sogar dort, wo von „örtlichen Fleischmärkten“ in dem Sinn eigentlich kaum die Rede sein kann. Das ist nämlich der zweite Beweis hartgesottener Sachkunde, über den die Deutsche Welthungerhilfe in der Person ihrer Vorsitzenden verfügt: Frau Schäuble denkt sich nicht bloß, dass es ohne funktionierenden Markt keinen Markt gibt, der funktioniert; sie denkt wirklich marktwirtschaftlich. Will sagen: Wo sie hindenkt, sieht sie Märkte – im Zweifelsfall zusammengebrochene. Dass dort, wo Leute in großer Zahl verhungern, vielleicht etwas anderes vorliegen könnte als ein nicht funktionierender städtischer Bauernmarkt; dass Bauern in der 3. Welt eventuell gar keine Landwirte sind, die wie ihre Kollegen in Holland oder Schwaben, nur unter etwas schlechteren Bedingungen um eine lohnende Viehhaltung konkurrieren: Das kommt der Dame gar nicht in den Sinn. Selbst Hungersnöte und Bauernelend in Drittwelt-Gegenden bewältigt sie geistig mit ihrem marktwirtschaftlichen Dualsystem: Markt funktioniert / Markt funktioniert nicht – ein intellektueller Zugriff aufs Weltgeschehen, der sie sicher davor schützt, den wirklichen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem globalen marktwirtschaftlichen Konkurrenzsystem und einem chronischen Hungerleidertum zur Kenntnis zu nehmen. Wer einmal vom Blitz der Erkenntnis getroffen worden ist, dass Subventionen die Märkte kaputt machen, der weiß auch schon alles, was es über die Ursachen von Not und Elend zu wissen gibt – auch dort, wo die Anlieferung subventionierter Billigware dank rechtzeitiger Intervention z.B. seitens der Deutschen Welthungerhilfe schon seit längerem gar nicht mehr stattfindet.

6.

Denn so ist es ja nicht, dass die Experten des humanitären Hilfsgedankens erst anlässlich der Krise des europäischen Rindfleischmarkts zu der Erkenntnis gelangt wären, dass die Not auf der Welt ihren wahren Grund im freigebigen Umgang mit dem Überfluss hat. Man hat da schon seit längerem Erfahrungen gesammelt:

„Mit Hilfsaktionen in den Hungerregionen sind in der Vergangenheit grobe Fehler gemacht worden, als die Entwicklungsländer oft wahllos mit europäischen Produkten überflutet wurden. Als Folge brachen die einheimischen Märkte zusammen, die Not der Menschen wurde noch größer.“ (SZ, 17.2.)

Wenn Menschen nichts anderes sind als Anhängsel der Märkte, dann kann auch ihr Elend nur daran liegen – nein, nicht dass sie Anhängsel der Märkte, sondern dass die Märkte „zusammengebrochen“ sind: Das wissen wir schon. Aber was folgt daraus? Richtig: Märkte müssen her. Die Maxime muss also heißen: Beim Landwirt den „vorhandenen Willen, für die eigene und die Ernährung seiner Landsleute zu sorgen“, nicht durch Geschenke untergraben, sondern durch seiner Kundschaft vorenthaltene Geschenke stärken. So gibt man die richtigen „Anreize zur Entwicklung von Marktfähigkeit“. Hunger ist eben nicht bloß der beste Koch; richtig betreut, kann er sich als schlagkräftiger Reformhebel erweisen – nach der alten Bauernregel: Wenn es schon keine Kaufkraft gibt, dann gibt es für den natürlichen Willen des drittweltlichen Landwirts, viertweltliche Hungerleider mit Lebensmitteln zu versorgen, keine bessere Geschäftsgrundlage als deren Not. Die bringt lohnende Märkte in Schwung; deswegen darf man in sie nicht eingreifen – schon gar nicht mit nutzlosen Überschüssen.

Das ist sie dann: die Hilfe zur Selbsthilfe, die die erstweltlichen Hungerexperten als Königsweg zu einer gründlichen Therapie des Elends auf der Welt ersonnen und auf die Tagesordnung gesetzt haben.

7.

Dann kann also doch nichts werden aus einer die Tierwürde wahrenden Kuhkörperbeseitigung in Hungerländern? Müssen die Deutschen entweder selber fressen, was das Zeug hält, oder auf ihrem schlechten Gewissen sitzen bleiben?

Beinahe! Denn überall auf dem Globus herrscht die Marktwirtschaft, in der Schenken ruinös und Essen ohne Kaufen von Übel ist – überall? Nein! In einem kleinen fernen Land am Ostrand des asiatischen Kontinents harren ein paar Hungerkünstler aus, bei denen man mit Billigfleisch keine „örtlichen Märkte“ kaputtmachen kann – weil es sie nicht gibt! Selbst Ingeborg Schäuble und Heidemarie Wieczorek-Zeul müssen ‚einräumen‘,

„dass das Argument, der Markt könne zusammenbrechen, im Fall von Nordkorea gar nicht zutreffe, weil gar kein Markt vorhanden ist.“ (SZ, 17.2.)

Diese Entdeckung verdanken wir nicht der ‚Titanic‘, sondern „Rupert Neudeck, Deutschlands bekanntestem Nothelfer“, der auch gleich gute Nachricht aus Pjöngjang zu melden hat:

„Das seit Jahren unter Mangel leidende Nordkorea würde gern zumindest die Hälfte der 400000 Tiere übernehmen, die zur Vernichtung vorgesehen sind.“ (SZ, 16.2.)

Es klappt also doch noch mit unserem guten Gewissen – oder doch nicht?

„Dort aber gibt es ein anderes Problem, das ist der nicht vorhandene freie Zugang.“

Die Rinder können also gar nicht rein ins Land – oder war das gar nicht gemeint?

„Hilfslieferungen im größeren Umfang setzen voraus, dass die Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen ungehinderten Zugang zur Bevölkerung haben.“

Um den Zugang geht es also. Und den verlangen nicht die „internationalen Hilfsorganisationen“, die ja sorgfältig überwachen müssen, dass sie nicht einfach helfen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe leisten; den fordern auch nicht etwa die für Exportlizenzen zuständigen auswärtigen Regierungen, für die „Erpressung“ bekanntlich ein Fremdwort ist; den „setzen“ die Hilfslieferungen selber „voraus“, da kann man nichts machen. Und das ist der Haken:

„Dies ist in Nordkorea derzeit nicht möglich. … Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe, sagt Ingeborg Schäuble, müssen sich“, man stelle sich das einmal vor, „zwei Tage vorher anmelden, wenn sie eigene Hilfsprojekte an Schulen besuchen wollen.“

Ja wo sind wir denn da? Etwa in einem souveränen Staat, der das Recht hat, seine Schulspeisung selber im Griff zu behalten, obwohl er sie sich zusammenbetteln muss? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Wer zahlt, schafft an; und wer Schulkinder füttert, darf auch Staatsfunktionäre entmachten; wo läge denn sonst der Reiz der Sache?! Und außerdem:

„Außerdem, meint die Entwicklungsministerin, sei die Gefahr groß, dass über die Lieferungen des Rindfleisches aus Deutschland ausschließlich das Militär verfügen würde.“

Eine Gefahr – für den Weltfrieden? Für die Moral der Truppe? Für die deutsch-amerikanischen Beziehungen? Jedenfalls eine Gefahr, die jedoch auch eine Chance enthalten könnte:

„Folglich ist die Lieferung der BSE-getesteten Rinder auch davon abhängig, dass das kommunistische Land sich der Weltgemeinschaft öffnet. Und das wäre doch ein äußerst positiver Nebeneffekt einer wohltätigen Hilfsaktion.“ (SZ, 17.2.)

Meint Marianne Heuwagen und braucht gar nicht weiter zu erläutern, was an Nordkorea „kommunistisch“ ist, wie die „Öffnung“ des Landes aussehen könnte und was „die Weltgemeinschaft“, wer immer das sein mag, in Nordkorea anstellen sollte. Denn worauf es ankommt, das macht der kleine Scherz mit dem „Nebeneffekt“ hinreichend klar: Wenn eine milde Gabe an notleidende Nordkoreaner überhaupt in Frage kommen soll, dann nur unter unmissverständlichen außenpolitischen Auspizien. Denn wozu könnte die Wohltat eines Rindvieh-Versands nach Pjöngjang gut sein, wenn nicht für den „Nebeneffekt“ eines ersten kleinen Schritts zur zivilen Eroberung des „verschlossenen“ Landes durch den europäischen Absender?

8.

So nähert sich die gewissensmäßig hochstehende nationale Debatte allmählich doch dem Bereich derjenigen Überlegungen an, die eine Regierung anstellt, die – im Unterschied zu „uns allen“ – wirklich über nationale Überschüsse, nun sogar an unverkäuflichem Rindfleisch, verfügt und nach attraktiveren Verwendungszwecken als der bloßen Marktbereinigung durch Verbrennen sucht. Mit dem Lebenssinn des Schlachtviehs und einer sittlichen Ehrfurcht vor dessen gutem Fleisch haben die Chefs der Nation nämlich nichts im Sinn; und 800 Millionen hungernde Menschen gehören auch nicht zu ihren Sorgeobjekten. Was sie hingegen interessiert und was sie mit ihrem professionellen Blick in die Staatenwelt auch sofort wahrnehmen, das sind die Drangsale, in die ihre amtierenden Kollegen in fremden Staaten geraten, wenn denen größere Teile ihrer Bevölkerung weghungern. Da ist nämlich staatliche Macht angegriffen; und das kann und darf eine Staatsmacht, die dauernd den ganzen Globus als ihre Interessensphäre im Visier hat, auf gar keinen Fall übersehen. Dort könnte ja mit der fremden Staatsgewalt ein Instrument des eigenen Zugriffs auf ein Stück Erdoberfläche in Verfall geraten; dann muss es unter Umständen heißen: Helfen – vor allem der Herrschaft vor Ort wieder auf die Sprünge helfen. Oder aber – das andere Extrem – es könnte ein Regime ins Wackeln geraten, das dem eigenen Zugriffsinteresse Widerstände entgegen setzt; dann lässt sich eventuell durch Vertiefung des Elends etwas für die weitere Schwächung der falschen Staatsmacht tun, vielleicht aber auch ein politisches Geschäftchen von der Art ‚Hungerhilfe gegen Kooperationsbereitschaft‘ einfädeln.

9.

Im Fall Nordkorea hat sich die deutsche Regierung für eine Variante eines solchen politischen Tauschhandels entschieden. Deutschland zeigt ein wohldosiertes Maß an Entgegenkommen und lässt der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu diesem Staat, der sich der sonst so verheerend erfolgreichen Funktionalisierung drittweltlicher Staatsgewalt durch und für erstweltliche Interessenten bislang so stur verweigert hat, kleingestückelte Fleischportionen auf dem Fuße folgen.

„Ende April sollen 5000 t als Gefrierfleisch geliefert werden. Nach ersten Erfahrungen wird eventuell mehr geliefert. Erwogen werden bis zu 30000 t. Zuvor hatte eine deutsche Delegation vor Ort festgestellt, dass Nordkorea pro Monat bis zu 6000 t Fleisch aufnehmen könne.“ (FAZ 5.4.)

Dafür fügt sich die dortige Regierung den aus Berlin vorgegebenen Bedingungen – mehr Bewegungsfreiheit für Diplomaten und Vertreter von Hilfsorganisationen, Überprüfung von Hilfsprojekten durch Experten, Einreiseerlaubnis für deutsche Medienvertreter, Dialog über Menschenrechte und über rüstungspolitische Angelegenheiten; auf die Erfüllung dieser Bedingungen beziehen sich die „ersten Erfahrungen“, von denen die Eventualität von mehr als 5000 Tonnen Fleisch abhängt –; das „Regime“ gibt also seine Widerspenstigkeit gegen die weltweit bewährten Mechanismen erstweltlichen Hineinregierens in die diversen globalen Hinterhöfe tendenziell auf und überlässt dem europäischen Partner quasi Zug um Zug resp. Schiffsladung um Schiffsladung die Überprüfung dieser „Tendenz“, nämlich ihres politischen Willens zu ehrenvoller Unterwerfung, auf Ernsthaftigkeit und Tragfähigkeit. Das lässt sich die deutsche Ministerin für Entwicklungshilfe glatt 50 Millionen DM Umschichtung von anderen Hilfsprojekten kosten – und dafür dürfen gut regierte Nordkoreaner sich unter deutscher Aufsicht glatt einmal satt essen.


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