Die EU bekommt den Friedensnobelpreis

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 1-13 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Die EU bekommt den Friedensnobelpreis: kein Kompliment an die EU-Staaten!

Überblick

2012 bekommt die EU den Friedensnobelpreis. Den Grund erläutert der Vorsitzende des Nobelkomitees, Thorbjørn Jagland, bei der Preisverleihung: Europa sei von einem Kontinent des Krieges zu einem Kontinent des Friedens geworden. Das sei keine Selbstverständlichkeit.

Die EU bekommt den Friedensnobelpreis: kein Kompliment an die EU-Staaten!

2012 bekommt die EU den Friedensnobelpreis. Den Grund erläutert der Vorsitzende des Nobelkomitees, Thorbjørn Jagland, bei der Preisverleihung: Europa sei von einem Kontinent des Krieges zu einem Kontinent des Friedens geworden. Das sei keine Selbstverständlichkeit.

Dieses Kompliment trifft die Richtigen. Welche Staaten verdienen schon einen Preis dafür, dass sie im Umgang miteinander von Militäreinsätzen die Finger lassen und Abstand nehmen davon, dass sie einen ganzen Kontinent in Schutt und Asche legen? Nur Staaten, die praktisch bewiesen haben, dass sie im Interesse ihrer Macht über jede Menge Leichen gehen, die buchstäblich alles dafür getan und gegeben haben, die Macht der anderen zu zerstören und die eigene um die Potenzen der Verlierer zu vergrößern. Und nur bei Staaten, die nach wie vor große Ziele in der Weltpolitik verfolgen und ihre Nachbarn, auf deren Potenzen sie sich dafür angewiesen wissen, mit aller Macht für die eigene Größe und die eigenen Ziele zu funktionalisieren suchen, nur bei denen ist es eine lobenswerte Leistung, dass sie dafür einen Weg ohne kriegerischen Terror gegeneinander gefunden haben. EU-Präsident van Rompuy und EU-Kommissionspräsident Barroso bedanken sich für die Ehrung, nehmen sie als Auftrag und erläutern der Weltöffentlichkeit dessen imperialistischen Gehalt: Unser europäisches Einigungsprojekt ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zu höheren Zielen. Es bringt das Streben nach einer kosmopolitischen Ordnung zum Ausdruck. Europa ordnet die Welt – so viel Bescheidenheit verdient unbedingt einen Preis.


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