Editorial

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift GegenStandpunkt 1-92 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

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Die Zeitschrift GegenStandpunkt bietet, vierteljährlich, marxistische Theorie.

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Die Zeitschrift GegenStandpunkt bietet, vierteljährlich, marxistische Theorie.

Nein, zeitgemäß ist das nicht. Aber was heißt das schon? Wenn Leute, die bisher schon nichts vom Marxismus wissen wollten, jetzt außerdem noch sicher sind, daß sie damit im Trend liegen: Sollen Marxisten sich davon beeindrucken lassen und auch lieber andere, modischere Gedanken fassen? Wenn ein linker Anstrich kein Publikumsinteresse mehr weckt; wenn weltweit ein anderer Wind weht, in den Gelegenheitsdenker ihr Mäntelchen hängen: Macht das den Kapitalismus über jede Kritik erhaben? Sollen seine Gegner den Mund halten und sich schleunigst bekehren, ausgerechnet weil die Chefs gewisser Staaten im Osten, die den Kommunismus auf eine idealistische Phrase heruntergebracht und ihre Überzeugungsarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst betrieben haben, jetzt den Fortschritt von der Volksdemokratie zur Demokratie und vom planerisch verbesserten Kapitalismus zum richtigen geschafft haben? Warum sollten Kritiker des siegreichen Systems überhaupt einer "Zeit" "gemäß" sein, die sie nach Strich und Faden für verkehrt und schädlich halten? Da schreiben sie die Argumente, die sie gegen diese "Zeit" auf Lager haben, doch lieber ordentlich auf.

Nein, besonders erlaubt ist das nicht. Der freiheitliche Rechtsstaat läßt auf den höheren Zweck seiner Gewalt und auf die Marktwirtschaft, der er damit dient, nichts kommen. Sein Argument gegen Kritik ist der Verfassungsschutz, der stets von neuem festlegt, ab wann die Verbreitung abweichender Meinungen zu weit geht. Dann geht er gegen diejenigen, die so etwas verteten, vor; mit Berufsverboten z.B., offiziellen und solchen, die bei seinem realsozialisitischen Bruder, der Stasi, "Zersetzungskampagne" geheißen hätten. Er gewinnt leicht, solange radikale Kritik keinen Anklang findet bei den Leuten, von deren Dienst und Fügsamkeit auch der bürgerliche Staat und das Kapital in seiner Pracht abhängen. Zumal da ja auch noch eine Öffentlichkeit auf der Wacht steht, die im Totschweigen wie im Denunzieren unschlagbar ist. Aber sollen deswegen die Kritiker des Kapitalismus, der bürgerlichen Staatsgewalt und ihrer imperialistischen Umtriebe gleich von selber vollends den Mund halten? Und nur noch leicht verständlichen Unsinn lesen?

Die Redaktion


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