Deutsch für Ausländer

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 3-98 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Deutsch für Ausländer
Ethnische Säuberung – kulturstaatlich

Überblick

Die CSU beschließt, „in Deutschland lebende Ausländer sollen sich stärker um ihre Integration bemühen“. Ein prima Ausgrenzungskriterium. Ausländer, die ihren Gastgebern gegenüber nicht einmal das bisschen Respekt für nötig halten, sich wie Deutsche zu benehmen, zeigen damit endgültig nur noch, dass sie als Fremdlinge unbedingt unangenehm auffallen wollen.

Deutsch für Ausländer
Ethnische Säuberung – kulturstaatlich

„In Deutschland lebende Ausländer sollen sich stärker um ihre Integration bemühen. Diesen Beschluß hat die CSU-Landesgruppe auf einer Tagung im Kloster Banz gefaßt. Landesgruppenchef Michael Glos sagte, wer dauerhaft hier leben wolle, müsse stärker bereit sein, sich in die deutsche Kultur- und Werteordnung einzufügen. Insbesondere die Beherrschung der deutschen Sprache will die CSU zu einer Bedingung für einen langfristigen Aufenthaltsstatus machen: Wer keine Sprachkenntnisse habe, wecke Zweifel an seiner Integrationsbereitschaft. Ausländer werden aufgefordert, nicht nur am Arbeitsplatz auf ihre deutschen Mitbürger zuzugehen, sondern sich auch stärker in Vereinen und Verbänden zu engagieren.“ (SZ 9.7.98)

Diese Ausländer. Da kann man sie politisch drangsalieren, wie man will. Da bekommen sie von ihren deutschen Mitbürgern noch so unmißverständlich mitgeteilt, daß die einfach unter sich bleiben wollen – und? Gehen sie vielleicht? Von wegen. Sie wollen leben hier, dauerhaft sogar noch. Und was das Schönste ist: Sie führen sich dabei auch noch auf wie Fremde in der Fremde, sprechen in fremden Zungen, beten fremde Götzen an. Fraglich, ob sie überhaupt Kultur haben. Die deutsche jedenfalls haben sie nicht. Müssen nur den Mund aufmachen, schon merkt jeder, wie sie sich selber aus der ausgrenzen. Das kann so nicht bleiben.

Mit Haß auf die Fremden, blindem gar, hat das alles nichts zu tun. Es ist nur einfach so, daß deutsche Volksgenossen ein Recht darauf haben, daheim von Fremdem nicht infiziert zu werden. Ihr deutsches Wesen wollen sie sich nämlich keinesfalls nehmen lassen. Das sieht man schon daran, daß sie trotz der vielen Fremden nach wie vor ausschließlich deutsch sprechen. Das nämlich verbindet sie so fest miteinander, tief im Inneren. Müssen sie da in ihrer Heimat undeutsche Laute hören? Auch gehen ihnen ihre Vereine und Verbände über alles, weil auch die Teil der deutschen Kulturordnung sind. Da ist einfach kein Platz für Fremdländisches, was man auch unmittelbar sieht: Nähmen sie sonst für Türken ALDI-Tüten mit ins Stadion und für Neger Bananen? Selbstverständlich ist für sie auch der Arbeitsplatz ein hoher deutscher Wert. Daß sie sich den von Unbefugten nicht wegnehmen lassen wollen, versteht sich ja wohl gleich von selbst.

Ein bißchen Respekt vor den Selbstverständlichkeiten, die hier üblich sind, wird den Fremden also wohl zuzumuten sein. Schließlich sind es ja sie, die sich unbedingt in einem Land aufhalten wollen, das nun einmal kein Einwanderungsland ist. Dessen christlich sozialen Politiker wissen um die Zumutung, die Ausländer für ihre Bevölkerung darstellen, und können das ihrem Wahlvolk gar nicht oft genug vorsagen. Bis an die Grenze tolerant, unterbreiten sie den Ausländern dennoch ein großzügiges Integrationsangebot nach dem anderen: Wo sie hier schon keiner haben will, können ihre deutschen Mitbürger mindestens verlangen, daß sie durch eigene Bemühungen ihre Zugehörigkeit unter Beweis stellen. Was ihnen als Fremde, die sie für passionierte Vertreter des Deutschtums sind und bleiben, freilich nie und nimmer gelingen kann. So konstruiert sich die CSU ein prima Ausgrenzungskriterium zurecht: Ausländer, die ihren Gastgebern gegenüber nicht einmal das bißchen Respekt für nötig halten, sich wie Deutsche zu benehmen, zeigen damit endgültig nur noch, daß sie als Fremdlinge unbedingt unangenehm auffallen wollen. Sie müssen sich also überhaupt nicht wundern, wenn sie das dann auch erfolgreich tun: Nix können sprechen deutsch, nix wollen Deutschland, nix verloren hier, so einfach erledigt sich dann die Frage nach dem Aufenthaltsstatus in der deutschen Kulturnation.

Allerdings nur für Ausländer, denn bedauerlicherweise sind ansonsten Analphabeten felsenfest hier integriert. In der CSU-Landesgruppe beispielsweise sind sie noch nie aufgefallen.


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