Arbeitslosenstatistik (III)

Dieser Artikel ist in der Reihe Chronik – kein Kommentar! der Zeitschrift GegenStandpunkt 4-97 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.

Die neuesten Arbeitslosen-Zahlen aus Nürnberg
Die Konjunkturbelebung lebt – Trendwende am Arbeitsmarkt frühestens ab 1999

Überblick

Aus den anhaltend hohen Arbeitslosenzahlen wird der Hoffnungsschimmer einer Trendwende gezaubert.

Die neuesten Arbeitslosen-Zahlen aus Nürnberg
Die Konjunkturbelebung lebt – Trendwende am Arbeitsmarkt frühestens ab 1999

Die monatliche Meldung der Arbeitslosen-Zahlen aus Nürnberg – im Oktober wurden 4290288 gezählt – enthält wieder ein gute und eine schlechte Nachricht.

Die schlechte: Es gibt 424000 Arbeitslose mehr als im Oktober vor einem Jahr.

Die gute: Erstmals seit Menschengedenken waren in einem Oktober weniger Menschen arbeitslos als im vorangegangenen September. Es heißt zwar, daß der Rückgang der Arbeitslosenzahl um genau 17809 eher geringfügig ist und sich – nach dem bereits vertrauten Muster der gespaltenen Konjunktur – ausschließlich in den westlichen Bundesländern abgespielt hat. Aber Optimismus darf geäußert werden, daß sich eine deutliche Trendwende eventuell so ungefähr ab 1999 abzeichnen könnte.

Immer vorausgesetzt natürlich, die am Exportgeschäft verdienenden Unternehmen beherzigen die Bitte des Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeit und verordnen ihren Belegschaften nicht noch mehr Überstunden. Denn daß die derzeitigen prächtigen Exportüberschüsse offenbar im wesentlichen mit einer vermehrten Auslastung der vorhandenen Belegschaften erwirtschaftet werden, kann Jagoda problemlos an seinen Zahlenwerken ablesen. Aber es könnte ja sein, daß sich das auch einmal ändert…

Mit dieser Hoffnung sowie der fortbestehenden Sorge um weitere Massenentlassungen vor allem in der Baubranche vor allem im Osten des Vaterlands scheint die Sache mit der „Rekord-Arbeitslosigkeit“ dann wieder einigermaßen im Lot zu sein. Jedenfalls findet keine übermäßige Aufregung mehr statt über den Zuwachs von einer knappen halben Million Arbeitsloser innerhalb eines Jahres – wird ja auch langweilig auf die Dauer…

Ansonsten halten „wir alle“ selbstverständlich ganz allgemein und sowieso die Arbeitslosigkeit nach wie vor für eines der drängendsten Probleme der Zeit und in diesem Ausmaß einfach nicht hinnehmbar. Diese Ermahnung an „uns alle“ darf diesmal der Bundespräsident beisteuern. Die Regierung macht unterdessen Nägel mit Köpfen und erläßt eine Verordnung zum besseren Datenabgleich bei Sozialhilfeempfängern, um den „Mißbrauch von Sozialleistungen“ besser bekämpfen zu können. Man kann ja nicht vorsichtig genug sein – vor allem, wenn man in Rechnung stellen muß, daß der Sockel der Dauerarbeitslosen rasch zunimmt

So gewöhnt sich die Nation langsam aber sicher auch an ihre 5. Million Arbeitslose.


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